Im Gespräch Warum Christoph Hein gerne Außenseiter ist

In seinem aktuellen Buch "Verwirrnis" schreibt Schriftsteller Christoph Hein über schwules Leben in der DDR. Warum er Ausgegrenzte sympathisch findet und Schriftsteller wie er das Leben generell lieber "vom Rand" her beobachten sollten, hat der Autor von Romanen wie "Glückskind mit Vater oder "Weiskerns Nachlass" im Gespräch mit MDR KULTUR verraten.

Der Schriftsteller Christoph Hein.
Der 1944 geborene Schriftsteller Christoph Hein wuchs nach dem Krieg in Bad Düben auf. Bildrechte: IMAGO

Der Schriftsteller Christoph Hein hat bereits am eigenen Leib Ausgrenzung erfahren. Er sagte MDR KULTUR, das Thema ziehe sich durch sein ganzes Leben. Zuerst habe er als Flüchtlingskind nicht dazugehört, später als Pfarrerskind auch nicht. Dann sei er nach West-Berlin gegangen und der arme Ossi gewesen, der kein Geld gehabt habe.

Um Ausgrenzung gehe es in seinen Büchern bis heute: "Ich lese ja ab und zu in den Feuilletons der wichtigen Zeitungen, dass es deutsche Schriftsteller gibt und dann gibt es noch ostdeutsche Schriftsteller ... Es gibt immer noch große Unterschiede." Als Kind habe er unter dieser Ausgrenzung wahrscheinlich gelitten. Inzwischen genieße er es, dass er nicht dazugehöre.

Es ist für den Schriftsteller nicht ganz schlecht, wenn er da an den Rand gedrängt wird. Er kann vom Rand das Spielfeld besser überblicken.

Christoph Hein über sein Außenseiter-Gefühl

Ausgrenzung Homosexueller in der DDR

Um das Thema Ausgrenzung geht es auch in Heins neuem Roman. In "Verwirrnis" beschreibt er die Liebe zwischen zwei Männern in den 50er-Jahren in der DDR, zunächst im Eichsfeld, später in Leipzig. Bisher sei Homosexualität in seinen Werken kein Thema gewesen. Die Stellung der Ausgegrenzten bestimme aber darüber, wie eine Gesellschaft beschaffen sei. Zu den Ausgegrenzten gehören für Hein neben Behinderten und Migranten auch sexuell anders veranlagte Menschen. Insofern gehöre Homosexualität eben auch zu seinen Themen, so der Schriftsteller bei MDR KULTUR.

Beim Schreiben ist Hein eine stimmige Geschichte wichtig. Er erfinde alles und recherchiere dann sehr genau diese erfundene Geschichte. Die Figuren entwickle er über Kleinigkeiten: "Darüber bekomme ich gesellschaftliche Entwicklungen. Ich kann an winzigen Details die Entwicklung der DDR zeigen."

Zudem bringe er in seinen Romanen sehr viel Autobiografisches unter, auch wenn der Leser das nicht erkennen könne: "Ich kann nur Städte und Menschen beschreiben, die ich gut kenne. Das Schreiben ist eine Arbeit in einem Steinbruch und dieser Steinbruch ist die eigene Biografie. Und wenn ich die eigene Biografie verlasse, dann bin ich wie ein Fisch auf dem Trockenen. Ich muss das immer ganz stark zu mir ziehen", bemerkt er.

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