Buchvorstellung Ein Comic fragt: Was machen wir am "Samstag nach Corona"?

Sich beim Shopping drängeln, beim Konzert oder im Urlaub mal wieder in der Menge baden? Fabian Kendzia und Lorenz Ritter fragen mit ihrem Büchlein "Am Samstag nach Corona", worauf wir uns nach Corona wirklich freuen: augenzwinkernd, mit Comics von Jörg Saupe illustriert und mit To do-Listen zum Ergänzen ausgestattet. Eine humorvolle Einladung, in die Zukunft zu reisen, vor allem aber zu sich selbst.

Noch ist an die Zeit "nach Corona" nicht zu denken. Im Gegenteil. Nach wie vor wird diskutiert über Abstand, Lockdown und neue Wellen. Und beim Blick auf die dramatische Lage auf manch Krankenhaus-Station mag einem das Lachen vergehen. Trotzdem ist jetzt genau die Zeit, um nach vorn zu blicken, wie Fabian Kendzia findet. Er wählt für sich und damit fürs Lesepublikum eine Perspektive mit Humor: 

Es ist für die psychische Hygiene besonders gut, solche Krisen wenn möglich mit Humor zu meistern.

Fabian Kendzia Autor
Illustrationen in "Am Samstag nach Corona"
Illustriert von Jörg Saupe Bildrechte: Becker Joest Volk Verlag / Jörg Saupe

Das Büchlein, etwa mit To-Do-Listen zum Selberergänzen, soll beim aufmunternden Blick nach vorne helfen.

"Was ich sehr schön fand, das war der Einfall von meinem Co-Autor Lorenz Richter: 'Müssen wir uns endlich nicht mehr über Maskenverweiger aufregen, können wir wieder über alle anderen schimpfen?'", sagt Kendzia. "Das war der Kniff, nicht stumpf zu erzählen, auf was wir uns freuen, sondern das auch mit diesem Augenzwinkern zu tun."

Mit Abstand betrachtet

Illustrationen in "Am Samstag nach Corona"
Wollen wir das wirklich? Bildrechte: Becker Joest Volk Verlag / Jörg Saupe

Erzählt wird mit Augenzwinkern. Auch davon, was wir mit Abstand betrachtet, vielleicht doch nicht mehr wollen und brauchen: Das volle Fußballstadion mit schlechter Sicht und viel Gegröle, ein Schwimmbad, in dem der Besuch vor allem zum Bad in der Menge wird. Kendzia fragt: "Was ist eigentlich normal?" Sein Lieblingskapitel sei das von der Schule, erzählt er. Endlich dürfen die Kinder wieder dorthin "und dann sitzen sie Joint-rauchend hinter der Turnhalle". So hat es zumindest Jörg Saupe als Illustrator auf den Punkt gebracht.

"Auf was freuen wir uns wirklich?"

Die Texte von Fabian Kendzia und Lorenz Ritter sind kurz und knapp, ironisch im Ton – und manchmal ein bisschen makaber, um uns einen Spiegel vorzuhalten und auf die Kernfrage zurückzukommen: "Auf was freuen wir uns wirklich?"

Illustrationen in "Am Samstag nach Corona"
Vielleicht mal eine persönliche To Do-Liste erstellen? Bildrechte: Becker Joest Volk Verlag / Jörg Saupe

Beide Autoren kommen aus der Werbebrache. Lorenz Ritter lebt in Hamburg, Fabian Kendzia in Erfurt. Beide haben bereits über die Arbeitswelt geschrieben, auch das nicht bitterernst, sondern unter dem Titel "Richtig falsch arbeiten" und mit 50 Regeln, wie man anderen das Arbeitsleben zur Hölle macht. Solcherart schwarzer Humor helfe, sich ein Stück weit zu distanzieren und sei natürlich auch ein Ventil, meint Kendzia, der mal Rockmusiker war. Dann studierte er Kunst, Grafik und Design in Weimar. Später entdeckte er die Welt der Werbung für sich, als Texter und Quereinsteiger, wie so viele in der Branche.

Eine kleine Reise zu uns selbst

Geblieben ist er ein Beobachter der Zeit und als solcher stellt er fest, dass wir derzeit Gefahr liefen, "Normalitäten, normale Dinge total zu überhöhen". Die Schule, die ja auch nicht immer schön sei oder den Urlaub und das Reisen, das wir jetzt wahnsinnig vermissten: "Aber überleg' doch mal, deine letzten Urlaube, da hast du vielleicht mit Hunderten von Leuten am Strand rumgelegen."

So nimmt das illustrierte Büchlein uns mit auf eine Reise, vielleicht mehr zu uns selbst als in die Zukunft.

Angaben zum Buch Lorenz Ritter / Fabian Kendzia:
Am Samstag nach Corona
64 Seiten, mit Illustrationen von Jörg Saupe
Becker Joest Volk Verlag
9,50 Euro 

Kultur trotz Pandemie

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. Mai 2021 | 17:15 Uhr

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