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Die Bücher des Dresdner Autors Frank Goldammer verkaufen sich gut. Bildrechte: Christine Frenzl

LiteraturIn der Gegenwart angekommen: Dresdner Autor Frank Goldammer startet neue Krimireihe

Stand: 18. August 2022, 12:37 Uhr

Frank Goldammer hat geschafft, wovon viele träumen: Die Krimi-Geschichten des Dresdner Bestseller-Autors sind weltweit bekannt. Seine Malermeister-Firma konnte er abgeben, um mehr Zeit fürs Schreiben zu haben. Er schreibe jeden Tag, sagt Goldammer, sonst sei er nicht zufrieden. Deswegen hat er nun eine neue Buchreihe: Felix Bruch ermittelt im Fall eines verschwundenen Mädchens in Goppeln. Die Spur führt nach Dresden-Prohlis, doch auch im Dorf gibt es seltsame Verbindungen. Goldammers neue Krimireihe spielt in der Gegenwart und soll mehr Wert auf die Psyche der Protagonisten legen.

MDR SACHSEN: Herr Goldammer, Sie sind unheimlich fleißig – drei Bücher erscheinen allein in diesem Jahr. Genießen Sie auch mal das Leben oder bleibt dafür keine Zeit?

Frank Goldammer: Ich tue mich tatsächlich schwer, mein Leben zu genießen. Ich konnte meinen Hauptberuf an den Nagel hängen und habe jetzt viel Zeit – ich schreibe also noch mehr, als ich sowieso schon geschrieben habe. Es liegt offenbar an meinem Charakter, dass ich mich zwingen muss, mein Leben zu genießen. Aber ich habe nach 30 Jahren ein altes Hobby für mich wiederentdeckt: das Radfahren. Aber im Speziellen habe ich angefangen, alte Rennräder zu sammeln aus den 60er- bis 80er-Jahren.

Der Dresdner Autor Frank Goldammer sammelt in seiner Freizeit alte Rennräder. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der neue Roman "Bruch – Ein dunkler Ort" ist der Auftakt einer neuen Reihe und fast so etwas wie ein Wiedervereinigungskrimi: Denn im Mittelpunkt stehen das Ermittler-Duo Nicole Schauer aus Hamburg und ihr Partner Felix Bruch aus Dresden.

Aber nicht in erster Linie. Doch es ist ein Wiedervereinigungsroman, weil das im Prinzip nicht thematisiert wird. In meinen historischen Romanen spielt Ost/West immer eine Rolle – also entweder die frische Trennung oder dann nach der Wiedervereinigung. Aber in diesem Fall sind es zwei Polizisten aus verschiedenen Teilen unseres Landes, die aufgrund verschiedener Lebensumstände zusammenarbeiten müssen.

Und haben Sie das der Dramaturgie wegen so gewählt, weil da mehr rauszuholen ist?

Grundsätzlich ist Hamburg eine Stadt, die ich sehr mag. Ich habe mich mit einigen Gegenden Deutschlands schon beschäftigt. Vielleicht gibt es mal Potenzial, dass die beiden in Hamburg ermitteln. Da denke ich nicht so sehr darüber nach. Es musste relativ weit weg sein von Dresden, und dann habe ich so eine Art internes Lotto gespielt: Die Stadt, die zuerst auftauchte, war es dann. Vielleicht auch, weil der Verlag, bei dem das Buch jetzt erscheint, seinen Stammsitz in Hamburg hat.

Für diesen anderen Verlag habe ich mir etwas ausgedacht, das in der Gegenwart spielt. Im Gegensatz zu den bisherigen Büchern muss ich mich nicht so sehr in dieser historischen Recherche festbeißen, sondern kann richtig aus dem Vollen schöpfen. Man sieht, dass die zwei Charaktere auch ganz eigene Typen sind, anders als in meinen vorherigen Romanen.

Anders als in vorherigen Geschichten von Goldammer ermitteln Felix Bruch und Nicole Schauer in unserer Gegenwart. Bildrechte: Verlag Wunderlich

Sie sind im Heute angekommen. Das Ermittler-Duo muss im Kern dem Fall eines verschwundenen Mädchens nachgehen. Das gab es auch schon in einem Max-Heller-Roman. Was ist der Reiz für Sie, so einen Fall im Heute spielen zu lassen?

Wenn man diese Krimi-Branche beobachtet, egal ob im Fernsehen oder als Literatur, sind es alles Variationen. Das menschliche Spektrum ist sozusagen abgearbeitet. Es ist über alles schon geschrieben worden, über jegliches menschliches Verbrechen, und man sucht eben so ein bisschen nach Variationen, um die Sache interessanter gestalten zu können.

In diesem Fall ist zwar das Thema dasselbe, also ein Mädchen ist verschwunden, aber das Interessante an der Geschichte ist, das in dem Ort schon einmal ein Mädchen verschwunden war, die aber eines Tages plötzlich wieder aufgetaucht ist, ohne dass irgendjemand weiß, warum. Jetzt liegt natürlich die Vermutung nahe, dass die zwei Ereignisse miteinander zu tun haben. Das ist das Interessante, da herauszukitzeln, wie die Eltern von dem verschwundenen Kind und die Eltern von dem wiedergekehrten Kind, die in einer Siedlung leben, nun miteinander umgehen. Denn die einen wissen vielleicht etwas, was die anderen gern wüssten, aber die wollen nicht mit der Sprache herausrücken. Das ist der Reiz an der Geschichte, dass ich versuche, diese menschlichen Reibepunkte zu finden oder mir überlege, wie würde ich oder wie würde ein realer Mensch in dem Moment reagieren.

Die Spur im Fall eines verschwundenen Mädchens führt nach Dresden-Prohlis. Bildrechte: dpa

Um nochmal auf das unheimlich fleißig zurückzukommen: In wenigen Monaten soll schon das nächste Buch erscheinen.

Im Dezember wird der zweite Teil der Reihe um den Kriminaldauerdienst Ost-West erscheinen. Diese Reihe, die direkt nach der Wende spielt, wird auch fortgesetzt. Ich habe schon die nächsten drei Bücher geschrieben. Ich müsste rein theoretisch die nächsten zwei Jahre nichts mehr machen. In der Literatur- oder der Buchbranche gibt es eigentlich immer Vorlauf, man muss schon ein oder anderthalb Jahre vorausdenken. Was ich jetzt anfange zu schreiben, wird vielleicht 2024 veröffentlicht. Wir haben viele Projekte in der Planung, auch vieles Neues, von denen meine Leser noch gar nichts wissen. Also wer mag, kann sich darüber freuen: Es wird noch viel passieren.

Informationen zum BuchFrank Goldammer: "Bruch – Ein dunkler Ort", Felix Bruch Band 1
368 Seiten, Paperback
Verlag Wunderlich
ISBN: 978-3-8052-0090-5

Das Interview führte Moderator Stephan Bischof für MDR SACHSEN.

Redaktionelle Bearbeitung: Thilo Sauer

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Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | 16. August 2022 | 16:10 Uhr