Dresden Neue SLUB-Chefin Stump: "Ich bin jetzt im bibliothekarischen Olymp"

Seit Anfang Mai ist Katrin Stump Direktorin der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden (SLUB). Sie tritt die Nachfolge von Achim Bonte an, der an die Berliner Staatsbibliothek wechselte. Die SLUB gehört zu den renommiertesten Bibliotheken in Deutschland. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, ob dieser Status für sie eher belastend oder Grund zur Freude ist und ob sie an einer ohnehin schon sehr gut aufgestellten Bibliothek noch Verbesserungspotential sieht.

Katrin Stump im SLUB MAKER SPACE Dresden
Katrin Stump lebte in ihrer Jugend lange im sächsischen Riesa, geboren wurde sie jedoch im thüringischen Sonneberg. Bildrechte: Crispin-Iven Mokry

MDR KULTUR: In den letzten acht Jahren haben sie die Universitätsbibliothek der Technischen Universität Braunschweig geleitet. Was ist jetzt in Dresden anders?

Katrin Stump: Tatsächlich ist der Auftrag der SLUB Dresden noch ein sehr, sehr viel breiterer als der einer Universitätsbibliothek. Es gibt ganz verschiedene Aspekte. Natürlich sind wir auch intensiv für die Wissenschaft da, als Universitätsbibliothek für die Technische Universität in Dresden. Aber darüber hinaus sind wir auch ein ganz offenes, niedrigschwelliges Haus für die breite städtische Gesellschaft, die hoffentlich dieses Haus noch intensiver für sich entdeckt. Und insofern ist das sicherlich ein Unterschied zu Braunschweig.

Die SLUB gehört ganz klar zu den ersten Wissenschaftsbibliotheken in Deutschland. Sie ist zum Beispiel bei der Digitalisierung ganz klar führend. Wo hat die SLUB aus ihrer Sicht noch Bedarf, wo hat sie Reserven?

Als Archäologin könnte ich sagen, ich bin jetzt im bibliothekarischen Olymp angekommen. Die Bibliothek kann aber natürlich nicht stehen bleiben. Sie muss sich weiterentwickeln. Wir müssen für die Zukunft verstärkt Werkzeuge und Dienste rund um den gesamten Forschungskreislauf entwickeln.

Der quadratische Bau der Sächsischen Landesbibliothek, links davor ein Hinweisschild auf die SLUB
Die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden residiert in einem dezenten, modernen Gebäude Bildrechte: imago/momentphoto/Killig

Aber wir sollten auch verstärkt selbst am Forschungsprozess teilhaben. Und das mit den ganz spezifischen Expertisen, die wir als Bibliotheksmenschen mitbringen – und die in der Wissenschaft auch nachgefragt werden.

Es ändert sich ganz viel in der Wissenschaft durch den digitalen Wandel. Es ändern sich Publikationspraktiken und -Formaten. Es wird Wissen längst nicht mehr nur in der Form von Texten verbreitet, sondern auch zunehmend durch audiovisuelle Medien und auch dynamische Formate. Und das wird eine ganz große Aufgabe werden, diese digitalen Texte und Objekte miteinander zu vernetzen. Auch das Thema Informationsvisualisierung wird ganz virulent, denn die Nutzenden müssen diese neuen Möglichkeiten durch anschauliche Präsentation auch gut nutzen können.

Eine alte Karte liegt auf einem schwarzen Quadrat, daneben ein Mann und rechts und links große Lampen
Im Digitalisierungszentrum der SLUB werden historische Karten gescannt. Bildrechte: dpa

Was macht eine wissenschaftliche Bibliothek im 21. Jahrhundert aus?

Essenziell ist eben auch für eine Bibliothek die Förderung von Open Science und zum Beispiel auch der Gestaltung der Open-Access-Transformation.

Zugleich ist es auch von besonderer Bedeutung, dass wir als Bibliotheken niedrigschwellige und eben auch kostenfreie Orte sind, der Begegnung, des demokratischen Diskurses und auch die gesellschaftliche Teilhabe stärken. Das heißt, die Gestaltung einer solchen fruchtbaren Schnittstelle zwischen Wissenschaften und Gesellschaft ist demnach eine der zentralen Aufgaben für wissenschaftliche Bibliotheken im 21. Jahrhundert.

Eine alte Buchseite mit einem großen Loch in der Mitte soll restauriert werden
Auch die Restauration wertvoller Schriften gehört zu den Aufgaben der SLUB Bildrechte: dpa

Zur Person: Katrin Stump

Geboren wurde Stump im thüringischen Sonneberg und wuchs im sächsischen Riesa auf. In Jena und Bamberg hat sie Klassische Archäologie und Alte Geschichte studiert. Sie leitete dann unter anderem die Fakultätsbibliothek Theologie der Universität Graz, führte von 2009 bis 2014 die Universitätsbibliothek der Technischen Universität Bergakademie Freiberg und war zuletzt Direktorin der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Braunschweig, wo sie unter anderem einen Neubau betreute. Ihr Amt als Direktorin der Sächsischen Landesbibliothek Staats- und Universitätsbibliothek Dresden hat sie am 1. Mai 2022 angetreten.

Katrin Stump in der SLUB Dresden
Katrin Stump im Makerspace der SLUB Dresden. Bildrechte: Crispin-Iven Mokry

Das Gespräch hat Carsten Tesch für MDR KULTUR geführt.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Mai 2022 | 08:40 Uhr

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