Literatur Cornelia Funke und die Erfurter Buchhandlung "Tintenherz"

In Erfurt befindet sich direkt auf der malerischen Krämerbrücke die einzige Buchhandlung Deutschlands, die den Namen "Tintenherz" trägt. Viele erinnern sich sicherlich an den gleichnamigen Erfolgsroman der Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke. Die Schriftstellerin ist mittlerweile nicht nur über den Namen mit der Erfurter Buchhandlung verbunden, sondern auch ganz persönlich.

Eine Frau und ein Mann stehen vor einer Buchhandlung in einem Fachwerkhaus. Davor stehen Boxen mit bunten Büchern. 4 min
Cornelia Krummrich und Bernhard Schmidtmann stehen vor ihrer Buchhandlung "Tintenherz" auf der Krämerbrücke in Erfurt. Bildrechte: MDR/Ole Steffen

Ein bisschen wirkt es so, als ob die Buchhandlung "Tintenherz" in Erfurt selbst einem Fantasieroman entsprungen ist. Mitten auf der Krämerbrücke in einem alten Fachwerkhaus eröffnet sich eine ganz eigene kleine Literaturwelt. "Jemand von der 'Süddeutschen Zeitung' hat einmal geschrieben, dass Harry Potter hier wohl seinen Zauberstab gekauft hätte", sagt Buchhändler Bernhard Schmidtmann lächelnd. Und das stimmt: Die Buchhandlung selbst hat einen zauberhaften Charme, und mit ein bisschen Fantasie erinnert die Krämerbrücke tatsächlich an die Winkelgasse.

Die "Tintenherzen" von der Krämerbrücke

In der Buchhandlung "Tintenherz" stehen Bücher ganz unterschiedlicher Genres neben Spielzeug, Kalendern und Kuscheltieren. Es ist bunt und wuselig. Den Überblick in der liebevoll gestalteten Buchhandlung haben Cornelia Krummrich und Bernhard Schmidtmann. Mit viel Glück konnten sie im Jahr 2005 mit ihrer im Jahr zuvor gegründeten Buchhandlung auf die Krämerbrücke umziehen.

"Tintenherz"-Autorin Cornelia Funke (Mitte), Cornelia Krummrich und Bernhard Schmidtmann lächeln in die Kamera
"Tintenherz"-Autorin Cornelia Funke (Mitte) mit den Inhabern des gleichnamigen Buchladens in Erfurt, Cornelia Krummrich und Bernhard Schmidtmann Bildrechte: buchhandlung_tintenherz

Fasziniert von Cornelia Funkes Roman

Den Namen "Tintenherz" trug sie da bereits, "weil ich einfach dieses Buch gelesen habe und total fasziniert war, das war für mich der ausschlaggebende Punkt", erinnert sich Cornelia Krummrich. Über den Verlag konnten die Buchhändler Cornelia Funke erreichen und durften schließlich den Namen "Tintenherz" nutzen.

Die Schriftstellerin sagte MDR KULTUR, dass es sie sehr ehre, dass so eine schöne Buchhandlung an einem so einmaligen Standort nach einem ihrer Bücher benannt ist. "Wirklichkeit und Geschichten weben sich da aufs Schönste zusammen", so Funke. "Und wir mussten also lediglich die Arbeit des Notars bezahlen. Die 250 Euro damals und das war's. Seitdem heißen wir Tintenherz, und zumindest im Buchhandel ist das exklusiv", sagt Bernhard Schmidtmann.

Digitale Kamin-Gespräche mit Cornelia Funke in der Corona-Krise

2005 verkaufen sich die ersten beiden Romane der Tintenwelt-Trilogie millionenfach weltweit. Nach einer ersten beiderseits sympathischen Begegnung in Leipzig ein paar Jahre später wird der Kontakt zwischen der Namenspatronin und den Buchhändlern schließlich während der Corona-Krise intensiver. So wie viele Buchhandlungen will auch die Buchhandlung Tintenherz 2020 den Online-Handel ankurbeln – auch für das neue Buch von Cornelia Funke.

Bernhard Schmidtmann und Cornelia Krummrich entscheiden sich dazu, den Kontakt mit ihr aufzunehmen. "Und sie rief dann an und sagt: 'ich hab 'nen Vorschlag. Wollen wir nicht so etwas machen wie ein Gespräch am Kamin? Ihr hier auf eurem Plüschsofa und ich in Malibu'", erzählt Cornelia Krummrich. Die Idee kommt nicht nur bei den Erfurter Buchhändlern gut an, sondern auch bei den Followerschaften in den sozialen Medien.

Eine Frau und ein Mann sitzen an einem Tisch, im Hintergrund sind Regale voller Bücher.
Cornelia Krummrich und Bernhard Schmidtmann haben ihren Buchladen 2004 gegründet – damals noch nicht auf der Krämerbrücke. Bildrechte: MDR/Ole Steffen

Das digitale Kamin-Gespräch auf Instagram findet fortan alle zwei Monate statt. Die Menschen können zuhören, Fragen stellen und dem Austausch über Literatur, Arbeit und den Umgang mit Corona lauschen. Die Schriftstellerin Cornelia Funke sagte MDR KULTUR, dass man als Geschichtenerzählerin nicht oft das Glück habe, in innigem Kontakt mit zwei so leidenschaftlichen Buchhändlern wie Bernhard Schmidtmann und Conny Krummrich zu stehen.  

Unsere regelmäßigen Treffen auf Instagram sind eine wunderbare Bereicherung meines Schreiballtags.

Cornelia Funke, Schriftstellerin

Bernhard Schmidtmann sagt, das Verbindende zwischen den Dreien seien neben der Liebe zur Literatur auch die gleichen Werte: "Das ist Völkerverständigung. Das ist Umwelt. Das ist ein Miteinander. Das ist Fantasie. Das ist Lesen."

Ziel der "Tintenherz"-Betreiber: Kinder zum Lesen motivieren

Gerade eine neue Generation zum Lesen zu motivieren, ist eine Herzensangelegenheit der Buchhändler von der Krämerbrücke. Cornelia Krummrich hat bei ihrer Arbeit festgestellt, dass sich das Leseverhalten von 2004 bis heute verändert habe. Zum einen mangele es den Kindern an Konzentrationsfähigkeit, sich länger als ein paar Minuten mit einem Buch zu beschäftigen. Zum anderen würden die Kinder auch schlichtweg nicht mehr so gut lesen können wie früher.

Das bestätigt auch der IQB-Bildungstrend 2021. Der Anteil der Viertklässler*innen, die die Mindeststandards verfehlen, liegt demnach bei 19 Prozent und hat sich damit noch einmal deutlich erhöht. "Diese Kinder kommen nicht einmal mehr in unsere Buchhandlung", sagt Bernhard Schmidtmann. Was schade ist, denn dort würden sie und ihre Eltern passende Einstiegsbücher für Leseanfänger finden. Unter anderem auch als Jury-Mitglieder im Landesentscheid des Vorlesewettbewerbs engagieren sich die Buchhändler dafür, Kinder weg vom Bildschirm hin zu Fantasiewelten zu motivieren. 

Blick in eine Buchhandlung: An den Wänden befinden sich Regale voller bunter Bücher.
Die Buchhandlung "Tintenherz" ist urig – dort hätte Harry Potter wohl seinen Zauberstab gekauft, schrieb die "Süddeutsche Zeitung" einmal über den Laden. Bildrechte: MDR/Ole Steffen

Krämerbrücke Erfurt: ein Ort generationenübergreifender Begegnungen

Diese Motivation brauchen die Kinder der "Tintenherz"-Generation häufig nicht mehr. Ihre Eltern waren 2004 jugendlich, als "Tintenherz" von Cornelia Funke erschien, und bringen nun den Nachwuchs mit auf die Krämerbrücke. Schon allein diese generationsübergreifenden Begegnungen sind für Cornelia Krummrich und Bernhard Schmidtmann Ansporn genug, sodass sie auch nach 18 Jahren Buchhandlung noch lange nicht aufhören wollen. "Es hat sich gelohnt, und für uns ist der Buchladen der beste Arbeitsplatz auf der Welt", sagen die beiden.

Als Bernhard Schmidtmann und Cornelia Krummrich die Erfolgsautorin in diesem Jahr persönlich in ihrer neuen Heimat in Italien besuchen, versprechen Sie sich, auch im neuen Jahr ihre digitalen Kamingespräche fortzuführen.

Redaktionelle Bearbeitung: Hendrik Kirchhof

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. November 2022 | 06:15 Uhr

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