Die private Seite des Autors Friedrich Wolf - der Lebemann: "Eine Frau, ein Werk, ein Kind"

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Auch in diesem Buch enthalten : Ein Schnappschuss, der zeigt, wie der vierjährige Markus seinen Vater mit dem Wasserstrahl abkühlt. "Das war in den 20-er Jahren schon ziemlich ungewöhnlich", sagt dazu Wolfs jüngster Sohn Thomas Naumann beim Blick auf die Aufnahme: "Nicht jeder Mediziner in den Zwanziger-Jahren war präsentabel, also er ist wirklich ein schöner Mann, der da auch noch 10 Jahre jünger aussieht." Bildrechte: Tanja Trögel
Beschrifte die Details dann selber
Passionierter Arzt Friedrich Wolf (1888-1953) ist Schriftsteller und praktiziert als Arzt. Nachdem er 1914 begeistert in den Ersten Weltkrieg zieht, erst an der West- und dann an der Ostfront als Truppenarzt im Einsatz ist und mehrmals verwundet wird, kommt er als Pazifist zurück. Er wird 1918 Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats in Dresden, engagiert sich Anfang der 1920er-Jahre im Ruhrkampf als "roter General von Remscheid", lebt dann mit seiner ersten Frau Kaethe Gumpold für kurze Zeit auf den Barkenhoff in Worpswede, der von Heinrich Vogeler an eine Siedlungsgenossenschaft von Arbeitslosen übergeben worden ist. Doch das Experiment scheitert - auch privat. Bildrechte: Tanja Trögel
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Auch in diesem Buch enthalten : Ein Schnappschuss, der zeigt, wie der vierjährige Markus seinen Vater mit dem Wasserstrahl abkühlt. "Das war in den 20-er Jahren schon ziemlich ungewöhnlich", sagt dazu Wolfs jüngster Sohn Thomas Naumann beim Blick auf die Aufnahme: "Nicht jeder Mediziner in den Zwanziger-Jahren war präsentabel, also er ist wirklich ein schöner Mann, der da auch noch 10 Jahre jünger aussieht." Bildrechte: Tanja Trögel
Protagonisten in "Lebensläufe: Friedrich Wolf"
"Er konnte nur in dieser Erregung arbeiten" Wolfs jüngster Sohn, Thomas Naumann, ist studierter Elementarteilchenphysiker und stellvertretender Vorsitzender der Friedrich-Wolf-Gesellschaft e.V. Er war gerade vier Monate alt, als sein Vater im Oktober 1953 starb. Er schmunzelt über die Vorlieben seines Vaters, der ein überzeugter Nudist war und die Frauen liebte: "Eine Frau, ein Werk, ein Kind, also dieser Zyklus, wie bei vielen großen Künstlern beobachtet, das war so." Heute würde man vielleicht anders darüber denken: "Das muss man auch nicht rechtfertigen. Er hat es wahrscheinlich wirklich gebraucht. Er konnte nur in dieser Erregung arbeiten." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Friedrich Wolf als Arzt und Künstler
Private Arrangements Mit vier Frauen bekommt er sieben Kinder. Seine zweite Frau Else wird er trotz seiner Geliebten nicht verlassen. Sie arrangiert sich u.a. mit Lotte, die er 1928 noch in Berlin als Patientin kennenlernt. Sie ist damals 16, er 40. Sie geht mit ins Exil, als die Familie erst nach Frankreich und später in die Sowjetunion emigriert. Dort lebt Lotte, die inzwischen eine Tochter mit Wolf hat, gemeinsam mit der Familie in einer Zwei-Zimmer-Wohnung am Arbat. Als Lotte 1941 verhaftet und in ein Lager nach Sibirien kommt, kümmert sich Else um die Tochter. Bildrechte: Konrad Rayß
Protagonisten in "Lebensläufe: Friedrich Wolf"
"Er liebte Kinder" Markus Wolfs Tochter, Tanja Trögel, erinnert sich gut an den Großvater. Wenn sie als Kind noch beim Essen saß und nicht fertig wurde, verkürzte Friedrich Wolf ihr die Zeit mit lustigen Kinderreimen: "Er liebte Kinder", sagt sie, doch leider hatte er wenig Zeit für sie. Wenn sie ihn beim Arbeiten störte, kitzelte er das Mädchen, "bis ich dann aufgegeben habe und verschwunden bin". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Villa
Von 1928 bis 1933 lebt er mit seiner zweiten Frau Else in Stuttgart. Die zehn jahre jüngere Kindergärtnerin hat er noch in der Kommune kennengelernt. Inzwischen hat er vier Kinder, Johanna und Lucas aus erster Ehe, Markus - Jahrzehnte später Geheimdienstchef der DDR - und Konrad Wolf - später Regisseur bei der DEFA, 1960 verfilmt er mit "Professor Mamlock" das berühmte Stück des Vaters. Bildrechte: Tanja Trögel
Protagonisten in "Lebensläufe: Friedrich Wolf"
Letzte Jahre in Lehnitz Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrt Friedrich Wolf nach Berlin zurück. Er bezieht dieses Haus in Lehnitz bei Oranienburg. Die Familie führt das Haus heute als Gedenkstätte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Protagonisten in "Lebensläufe: Friedrich Wolf"
"All das soll nicht fruchtlos verwehen" 1951 weilt Friedrich Wolf wegen seiner Rückenprobleme in Bad Elster zur Kur. Hier lernt er die sehr viel jüngere Gymnastiklehrerin Irmgard kennen. Seine letzte Geliebte. Und er wird wieder Vater, zwei Tage vor dem Aufstand am 17. Juni 1953, den er nicht als Arbeiteraufstand wahrnehmen wollte. Seinem Sohn schrieb er ein Gedicht, das mit diesen Zeilen endet: "Doch, wir, die im Feuerregen stehen, wir möchsten, all das soll nicht fruchtlos verwehen." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Protagonisten in "Lebensläufe: Friedrich Wolf"
Wolfs Geliebte Lotte Rayss kehrte nach Haft und Verbannung 1954 in die DDR zurück, 1963 wurde sie rehabilitiert. Sprechen durfte sie nicht über das im GULAG Erlebte. Ihre Tochter, die in den 30er Jahren und nach dem Krieg zeitweilig bei den Wolfs lebte, hat die Mutter nicht mehr gesucht. 2008 starb sie. Ihr Sohn Konrad Rayss, 1946 im Gulag geboren, hat nach dem Tod seiner Mutter begonnen, Zeugnis von ihrem Leben zu geben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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