Literatur-Auszeichnung Schriftstellerin Elke Erb erhält den Georg-Büchner-Preis 2020

Elke Erb
Elke Erb erhält den Georg-Büchner-Preis 2020 Bildrechte: imago/gezett

Die Schriftstellerin Elke Erb bekommt den Georg-Büchner-Preis 2020. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag in Darmstadt mit. In der Begründung der Jury hieß es, Erb habe ein "unverwechselbares und eigenständiges schriftstellerisches Lebenswerk". Ihr poetischer Sachverstand habe mehrere Generationen von Dichterinnen und Dichtern in Ost und West beeinflusst.

Elke Erb gelingt es wie keiner anderen, die Freiheit und Wendigkeit der Gedanken in der Sprache zu verwirklichen, indem sie sie herausfordert, auslockert, präzisiert, ja korrigiert.

Aus der Begründung der Jury

Aus der Eifel in die DDR

Erb wurde 1938 in der Eifel geboren. Als Elfjährige zog sie mit ihren Eltern nach Halle. Nach ihrem Studium der Germanistik, Slawistik und Pädagogik arbeitete sie in den 60er-Jahren zunächst beim Mitteldeutschen Verlag und ab 1966 als Schriftstellerin und Übersetzerin vorwiegend aus dem Russischen.

Auf Erbs Debüt "Gutachten, Poesie und Prosa" (1975) folgte "Der Faden der Geduld" (1978). Ihre Arbeit an einer Anthologie "inoffizieller Literatur" und ihr Protest gegen die Ausbürgerung des Bürgerrechtlers Roland Jahn führten zur Überwachung durch den Staatssicherheitsdienst.

Erb ergänzt ihre Gedichte oft selbst um erklärende Kommentare

Ihr Werk umfasst Lyrik, Kurzprosa, prozessuale Texte, Übersetzungen, Nachdichtungen und Herausgaben. Zuletzt erschienen von ihr die Textsammlung "Sonnenklar Meins: Das Hündle kam weiter auf drein" (2018) und der Gedichtband "Gedichtverdacht" (2019). Heute lebt die Autorin in Berlin und Wuischke (Sachsen).

Bei Elke Erb scheine sich das ganze Leben konsequent dem Schreiben unterzuordnen, sagt MDR KULTUR-Literaturkritiker Jörg Schieke: "Die oft gestellten Fragen nach dem Sinn ihrer zunächst verschlossen wirkenden Texte mögen Elke Erb veranlasst haben, die Suche nach Antworten selbst in die Texte hineinragen zu lassen", so Schieke. So habe Erb seit dem Band "Kastanienallee" von 1987 mehrfach die literarische Technik des Kommentars benutzt, der das Gedicht als gleichberechtigter Text begleite.

Deutschlands wichtigster Literaturpreis

Der heute mit 50.000 Euro dotierte Preis wird in dieser Form seit 1951 vergeben und gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner ("Woyzeck"). Er wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in Zürich.

Im vergangenen Jahr hatte der Schweizer Schriftsteller und Dramatiker Lukas Bärfuss den Preis erhalten. Zu den Preisträgern zählen außerdem Max Frisch (1958), Günter Grass (1965) und Heinrich Böll (1967) sowie seit 2015 Rainald Goetz, Marcel Beyer, Jan Wagner und Terézia Mora. Erb ist die elfte Frau, die den Preis erhält. Er soll am 31. Oktober in Darmstadt überreicht werden.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. Juli 2020 | 10:30 Uhr