150. Geburtstag Heinrich Mann und seine Spuren in Thüringen

In diesem Jahr hätte Heinrich Mann, Bruder von Thomas Mann, seinen 150. Geburtstag gefeiert. Geboren im Jahre 1871 in Lübeck und 1950 in Kalifornien gestorben, wurde er als Verfasser von bedeutenden Romanen wie "Der Untertan" oder "Professor Unrat" bekannt. Zeitweise wohnte der Schriftsteller in München, aber auch als Emigrant in Frankreich. Anlässlich seines 75. Geburtstages erhielt er eine Einladung nach Thüringen, um an einem ganz besonderen Ort zu leben.

"Zu Ihrem 75. Geburtstag grüßt Sie das Land Thüringen in herzlichster Verbundenheit." So steht es in der Zeitungsannonce aus dem Jahre 1946, die der damalige Landespräsident Rudolf Paul gemeinsam mit der Thüringer Vorsitzenden des Thüringer Kulturbundes Ricarda Huch aufgegeben hatten. Weiter heißt es in der Anzeige: "Deutschland schätzt Sie nicht nur als einen unserer bedeutendsten Erzähler, sondern vor allem auch als einen von tiefer Verantwortung erfüllten Essayisten." Es folgt das Angebot über Wohnrecht auf der Wartburg. Von dieser Kultstätte, so der Landespräsident, solle ein neuer vorwärtsweisender Geist der Humanität ausgehen. Kind dieses Geistes zu sein, sieht er Heinrich Mann besonders berufen.

Von der DDR umworben

Wie Martin Luther hätte der Schriftsteller also auf der Wartburg wohnen und schreiben können. Doch nicht nur das. 1949 wird er auch zum Gründungspräsidenten der Akademie der Künste der DDR berufen. Wilhelm Pieck lädt ihn persönlich nach Berlin ein und verspricht ihm, die besten Arbeits- und Lebensbedingungen zu schaffen. Schon zuvor waren seine Werke in der DDR erschienen und er war Ehrendoktor der Humboldt-Universität geworden. Manns Antwort auf die Angebote aus dem Osten: "Jetzt soll ich erstens auf der Wartburg wohnen (mit Zentralheizung). Zwei Mal bin ich dringend nach Berlin gerufen. Dort gäbe es mehr für mich zu tun. Und das Wiedersehen mit so vielen Feinden, die sich vorstellen oder nicht, beides peinlich."

Sein Name als Aushängeschild

Heinrich Mann mit seiner Frau Nelly, 1940
Heinrich Mann mit Frau Nelly 1940 in New Jersey Bildrechte: dpa

Und so bleibt Heinrich Mann in Kalifornien. Auch ohne ihn in Person vor Ort macht man den Autor zur Galionsfigur, nimmt in als Künstler wahr, der die demokratischen Ideen aus der Weimarer Republik in der neu gegründeten DDR fortschreibt. Aus Thüringen wird 1949 außerdem angefragt, ob man eine Kurklinik in Bad Liebenstein nach ihm benennen dürfe.

Heinrich Mann stimmt zu. Seit 1952, als die Heinrich-Mann-Klinik dann vor allem für Intellektuelle eröffnet wird, trage sie seinen Namen, so Heinrich-Mann-Experte Michael Grisko. Noch heute könne man in den Gebäuden der Klinik ein wunderschönes Fresko sehen: "Ein Wandbild, das Szenen aus der 'Kleinen Stadt' trägt, diesem urdemokratischen Roman aus der Jahrhundertwende".

Spuren in ganz Erfurt

Auch in Erfurt hinterlässt Heinrich Mann seine Spuren: Wo sich Gustav-Freytag- und Heinrich-Mann-Straße treffen etwa, steht ein Gebäude mit seinem Namen, erzählt Michael Grisko: "1951 hat dann in Erfurt die alte Schule Himmelspforte den Namen Heinrich-Mann-Oberschule bekommen und es war die erste Schule, die in Deutschland den Namen von Heinrich Mann bekam." Das Konterfei von Heinrich Mann hänge noch heute in der Aula und weise auf eine Traditionsbildung hin, die sehr schnell vonstattengegangen und auch tatsächlich sehr personalisiert gewesen sei.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. März 2021 | 19:00 Uhr

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