Interview Zille-Preis 2023: Wie die humorvollen Cartoons von Jan Kunz entstehen

Die satirischen Cartoons von Jan Kunz sind bei sächsischen Zeitungen sehr beliebt. Nun erhält der Karikaturist den Heinrich-Zille-Preis 2023: Mit seinem Cartoon "Fass!" überzeugte der im sächsischen Flöha lebende Zeichner die Jury. Im MDR-Interview verrät er, wie seine preisgekrönten Karikaturen entstehen, wer seine Vorbilder sind – und warum Humor bei seiner Arbeit so wichtig ist.

Jan Kunz
In Radebeul erhält der sächsische Zeichner Jan Kunz den Heinrich-Zille-Preis 2023. Bildrechte: Jan Kunz/privat

MDR: Sie erhalten den Heinrich-Zille-Preis 2023. Ist Zille ein Vorbild für Sie?

Jan Kunz: Direkte Anregungen hole ich bei Zille eigentlich nicht. Aber ich kannte ihn schon als Kind. In der Bücherei gab es Bücher über ihn, die ich mir oft ausgeliehen habe. Ich habe mir die Zeichnungen sehr genau angeschaut und auch versucht, mir etwas von ihm abzuschauen. Heinrich Zille ist sehr bekannt und er war ein guter Zeichner. Ich schätze ihn für seine Milieustudien und die aufwändigen Zeichnungen. Übrigens wusste ich lange nicht, dass er aus Radeburg stammt – für mich war Zille immer ein Berliner.

Heinrich-Zille-Karikaturenpreis

Die Stadt Radeburg vergibt seit 2018 gemeinsam mit der Galerie Komische Meister Dresden den Heinrich-Zille-Karikaturenpreis für den deutschsprachigen Raum. Der Wettbewerb steht in der Tradition des Malers, Grafikers und Karikaturisten Heinrich Zille, der 1858 in Radeburg geboren wurde und später in Berlin zum populären Künstler avancierte. Der mit einem Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro dotierte Wettbewerb trug 2023 den Titel "Wohl bekomm's!". Zu sehen sind die besten Arbeiten in der gleichnamigen Sonderausstellung im Heimatmuseum Radeburg.

Beschreiben Sie uns doch mal Ihre Sieger-Karikatur "Fass!"

Das ist ein Biergarten. Drei Biertrinker sitzen am Tisch und der eine hat einen Hund dabei und sagt zu ihm: "Fass!". Der Hund läuft los. Und was macht der Hund? Der bringt ein Fass – logisch.

Eine Karikatur zeigt einen Mann, der zu einem Hund "Fass!" sagt. Der Hund holt ein Fass.
Der sächsische Karikaturist hat mit der Zeichnung "Fass!" den Heinrich-Zille-Preis 2023 gewonnen. Bildrechte: Jan Kunz/Galerie Komische Meister Dresden

Wann sind Sie mit einer Karikatur zufrieden? Oder was muss für sie eine Karikatur erfüllen?

Man muss darüber lachen können, das ist das A und O. Eine Zeichnung muss aber auch gut aussehen. Ich verbringe sehr viel Zeit damit, die Karikatur mit Bleistift vorzuzeichnen. Wenn die Zeichnung dann stimmig ist, geht es auch schnell. Der schwarze Strich mit dem Tintenstift – das dauert vielleicht eine Viertelstunde. Aber davor sitze ich manchmal eine Stunde an einer Zeichnung und radiere und zeichne neu.

Sind Sie ein Karikaturist, der sich auf die menschlichen Schwächen kapriziert oder sind Sie jemand, der viel lieber politische Dinge zum Ausdruck bringt?

Ich zeichne schon Sachen, die mit dem Zeitgeschehen zu tun haben. Aber ich mache nicht direkt eine politische Karikatur. Ich würde niemals Politiker zeigen. Das mache ich kaum, ganz selten. Aber mit aktuellen Geschehnissen beschäftige ich mich schon.

Ihre Karikaturen findet man seit vielen Jahren in diversen Zeitungen. Sie arbeiten aber nicht hauptberuflich als Karikaturist.

Jan Kunz: Ja, das stimmt, das Zeichnen mache ich nur nebenbei. Ich habe zuerst eine Lehre als Technischer Zeichner gemacht und später noch eine Ausbildung zum Mediengestalter. Danach habe ich angefangen, für Werbeagenturen zu arbeiten. Zurzeit mache ich Zeitungssatz – ich gestalte also viel am Rechner. Ungefähr dreimal in der Woche setzte ich mich dann nach der Arbeit noch hin und zeichne Karikaturen. In erster Linie ist das also ein Hobby. Ich mache das einfach gerne und mir macht es Spaß.

Eine Frau steht mit Nudelholz an der Tür. Ein betrunken aussehender Mann sagt zu ihr: "Du backst noch? Um diese Uhrzeit?"
Für den Zeichner Jan Kunz aus Sachsen ist das wichtigste an Karikaturen der Humor. Bildrechte: Jan Kunz/Galerie Komische Meister Dresden

Unter Karikaturisten gibt es einen ziemlich heftigen Verdrängungswettbewerb, weil immer mehr Zeitungen immer weniger Karikaturen drucken. Wie wie erleben Sie die Situation?

Die Situation ist tatsächlich schwieriger geworden. Ich habe schon ein Buch herausgebracht, dafür bekommt man etwas Geld, aber so wie es läuft, müsste man wahrscheinlich zehn Bücher im Jahr machen, um davon leben zu können. Ich weiß nicht, wie freiberufliche Zeichner das hinbekommen.

Vor einigen Jahren war es vielleicht noch besser, als viele Tageszeitungen auf der letzten Seite eine Karikaturenseite hatten – aber das gibt es ja alles nicht mehr. Für Zeichner ist die Lage schlechter geworden, auch durch das Internet, wo viele Zeichnungen kostenlos angesehen werden können.

Das Interview für MDR SACHSEN führte Moderator Andreas Berger.
(Redaktionelle Bearbeitung: Lilly Günthner, Valentina Prljic)

Mehr Informationen

Sonderausstellung: "Wohl bekomm's! Die besten Karikaturen des Heinrich-Zille-Karikaturenwettbewerbs 2023"
Vom 15. Januar bis 30. März 2023
Heimatmuseum Radeburg
Heinrich-Zille-Str. 9, 01471 Radeburg

Die öffentliche Preisverleihung und die Ausstellungseröffnung finden am Sonntag, 15. Januar 2023, um 11 Uhr im Ratssaal der Stadt Radeburg statt.

Buch: "Wir spinnen, wir Deutschen. Unerhörte Cartoons über den hysterischen Zeitgeist"
Von Uwe Krumbiegel und Jan Kunz
Verlag Bild und Heimat
ISBN: 978-3-95958-301-5

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. Januar 2023 | 20:10 Uhr

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