Internationaler Kindertag Lustig, nachdenklich oder abenteuerlich: Zehn beeindruckende Kinderbücher

Kinder haben es nicht immer so leicht, wie Erwachsene oft meinen. Daran erinnert der Internationale Kindertag am 1. Juni und davon erzählen zahlreiche gute Kinderbücher. Wir haben Empfehlungen für tolle Bücher aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zusammengestellt. Bücher, die Mut und Lust auf Abenteuer machen oder von großen Fragen und Herausforderungen verhandeln.

Drei Cover von Kinderbüchern nebeneinandere: Auf grünem Untergrund ein braunhaariges Mädchen und ein alter Mann mit Gehstock, Foto eines Kindes in einem Flüchtlingslager um das ein Hausumriss gemalt ist und ein Strandszene mit Kindern.
Der Kindertag soll auch auf die Probleme von Kindern aufmerksam machen – so wie zahlreiche Kinderbücher. Bildrechte: Gerstenberg Verlag

Alea Horst: Manchmal male ich ein Haus für uns

Im hoffnungslos überfüllten Flüchtlingslager Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos warten hunderte Familien auf ihren Flüchtlingsbescheid – unter menschenunwürdigen Bedingungen. Die Fotografin Alea Horst ist in dieses Lager gereist und hat mit den Kindern dort gesprochen. Sie hat sie in langen Gesprächen nach ihrem Alltag, Ängsten und Träumen gefragt. Dabei ist ein außergewöhnliches, erschütterndes Kinderbuch entstanden, dass geflüchteten Kindern ein Gesicht und eine Stimme gibt.

Die zugewandten Kinderportraitfotos zeigen die Zustände im Flüchtlingslager. Sind im Vordergrund immer die Kinder zu sehen, offenbaren sich die katastrophalen Lebensbedingungen im Hintergrund. Kurze, eindringliche Auszüge aus den Gesprächen, die die Fotografin mit den Kindern geführt hat, stehen neben den Fotografien und erzählen in wenigen Worten berührende Kinderschicksale. Das Leben im Lager ist für alle bedrückend: viel zu wenig Platz, keine Schule, wenig Schutz vor Kälte, mangelnde Hygiene, Gewalt und Behördenwillkür sind Alltag.

Cover eines Kinderbuchs: Ein Kind sitzt auf einer provisorischen Schaukel vor einem Flüchtlingszelt. Um sie herum ist mit weißen Linien ein Haus angedeutet.
Das Buch von Alea Horst zeigt eindrücklich, wie Kinder in einem Flüchtlingslager leben. Bildrechte: Klett Kinderbuchverlag

Viele der Kinder haben ihre Hoffnungen noch nicht verloren, sind jedoch in ihren Grundfesten zutiefst erschüttert. Die Sehnsüchte, die Träume der erzählenden Kinder hat der Illustrator Mehrdad Zaeri in kleinen gelb-schwarz-weiß Vignetten treffend wie liebevoll visualisiert. Dieses wichtige Kinderbuch macht wütend, weckt Verständnis und zeigt eindrücklich, was Flucht und die EU-Flüchtlingspolitik für Kinder bedeutet.

Eine Empfehlung von MDR KULTUR-Kinderbuch-Redakteurin Britta Selle.

Informationen zum Buch

Alea Horst: "Manchmal male ich ein Haus für uns. Europas vergessene Kinder"
Mit Illustrationen von Mehrdad Zaeri
Leipziger Klett Kinderbuchverlag
80 Seiten
Für alle ab 8 Jahren
ISBN: 978-3-95470-263-3

In der Galerie KUB in Leipzig wird bis zum 5. Juni eine Fotoausstellung zum Buch gezeigt.

Adresse:
Kantstraße 18
04275 Leipzig

täglich 14 bis 18 Uhr geöffnet
Außerdem sind am Vormittag Lesungen und Gespräch für Schulklassen auf Anfrage möglich.

Jens Sparschuh: Julia und ihr kleiner Urgroßvater

Eine ganze Woche allein bei ihrem kleinen Urgroßvater August verbringen – darauf freut sich Erstklässlerin Julia in den Sommerferien als sie mit dem Bus in Groß Neuendorf ankommt. August holt sie ab, wirft seinen Schlapphut zur Begrüßung in die Luft und verspricht fröhlich: Wir nehmen uns jeden Tag etwas Besonderes vor.

Und so vergeht die Woche, jeder Tag in einem Kapitel erzählt, voller kleiner Erlebnisse, in einem gemächlichen Rhythmus. August erzählt von früher. Davon, dass er mal so etwas wie ein Flohzirkusdirektor war oder Fährmann oder Busfahrer. Wie er seine Frau kennengelernt hat oder auch von seiner Schulzeit. Neugierig hört Julia zu, stellt Fragen, macht sich ein Bild. Auch Urgroßvater August nimmt seine kleine Urenkelin ganz aufmerksam wahr.

Grünes Buchcover: Zwischen dem Titel ist ein dunkelhaariges Mädchen und ein älterer Mann mit Gehstock zu sehen.
"Julia und ihr kleiner Urgroßvater" erzählt vom Dialog zwischen den Generationen, aber auch vom Vergehen. Bildrechte: Gerstenberg Verlag

Wunderbar kindgerecht und aus Kinderperspektive erzählt der aus Chemnitz stammende Autor Jens Sparschuh von einer Sommerferienwoche auf dem Land berichtet und der Zeit danach. Die beschriebene Familie, mehrere Generationen mit eigenen Ansichten und Lebensweisen, wird liebevoll beobachtet. Dabei entsteht ein warmherziges Bild vom Miteinander-Leben und Miteinander-Umgehen. Gleichzeitig ist dieses Kinderbuch aber auch ein Buch, das behutsam aufs Abschiednehmen und in Erinnerung-Behalten schaut, denn während Julia immer größer wird, wird der geliebte Urgroßvater immer kleiner.

Eine Empfehlung von MDR KULTUR-Kinderbuch-Redakteurin Britta Selle.

Informationen zum Buch

Jens Sparschuh: "Julia und ihr kleiner Urgroßvater"
Mit Bildern von Julia Dürr
Gerstenberg Verlag
128 Seiten
Für alle ab 7 Jahren
ISBN: 978-3-8369-6142-4

Sarah Welk: Klassenfahrt mit Opa

Endlich ist Klassenfahrt, alle versammeln sich am Treffpunkt, es kann losgehen. Doch da verletzt sich Lehrer Brettschneider am Knöchel, als Begleitung fällt er aus und die Klassenfahrt damit fast ins Wasser. Zum Glück hat Jonas' Opa in seinem rostigen VW-Bus alles dabei und erklärt sich als Ersatzbetreuer bereit, die Meute zu begleiten. Mit dem warmherzigen Hippie-Opa Franz wird aus der potentiell etwas langweiligen Klassenfahrt mit der etwas angestrengten und vor allem sehr strengen Lehrerin Frau Böhnke ein fröhliches Abenteuer, das ohne erhobenen Zeigefinger auch noch eine Lektion fürs Leben bereithält: Du bist genau richtig, so, wie du bist.

Cover eines Kinderbuchs: Mehrere Kinder am Strand werfen einen Jungen mithilfe eines Springtuchs in die Luft. Daneben sitzt ein Mann auf einem Hochsitz.
"Klassenfahrt mit Opa" ist schon das dritte Buch über Opa Franz. Bildrechte: arsEdition

Es ist bereits der dritte Band mit Jonas' Opa Franz von Burghausen, der die jungen Leserinnen und Leser mit einer lustigen Geschichte unterhält, die sich aus dem Kinder-Alltag speist. Die comichaften Illustrationen des Weimarer Künstlers fangen den fröhliche Klassenfahrt-Wahnsinn dabei perfekt ein. In kindgerechter, lockerer Sprache und in kurzen Sätzen erzählt Jonas, wie Opa Franz aus einer Wanderung eine Standparty macht oder womit er erfolgreich Heimweh bekämpft. Dieser Opa ist einmalig mit seinen Jesuslatschen, der Yogahose und dem Guatemalaumhang. Ein liebenswerter Typ, der im Blick hat, was Kinder und Erwachsene brauchen.

Eine Empfehlung von MDR KULTUR-Kinderbuch-Redakteurin Britta Selle.

Informationen zum Buch

Sarah Welk: "Klassenfahrt mit Opa"
Mit Illustrationen von Alexander von Knorre
arsEdition
160 Seiten
Für alle ab 9 Jahren
ISBN: 978-3-8458-4455-8

Gerda Raidt: "Limonade im Kirschbau"

Otto hat’s nicht leicht mit seinen Eltern: Ständig wird er von ihnen gedrängt, endlich mal rauszugehen, sich zu bewegen, frische Luft zu schnappen. Dabei will der Junge einfach nur seinen Abenteuer-Hörbüchern lauschen. Die neueste, clevere Idee seiner Eltern ist ein schickes, neues Baumhaus, denn da kommt der Junge ganz automatisch an die frische Luft. Beim gemeinsamen Aufbauen fällt der Vater jedoch vom Baum und muss ins Krankenhaus. Die Mutter fährt ihn, und Otto bleibt solange im Wochenendhaus – da hat er wenigstens seine Ruhe.

Doch da steht schon der "nett aussehende Finn", ein Junge aus dem Dorf, am Gartenzaun. Der kleine Naturbursche lockt den schüchternen Otto aus seinem Schneckenhaus und die beiden erleben ein paar Abenteuer. Am Ende hat Otto das erste Mal in seinem Leben aufgeschlagene Knie, kann auf Bäume und über Mauern klettern. Und ganz nebenbei schlichtet er einen bösen Streit der Eltern mit dem Nachbar – und das ist ziemlich beeindruckend.

Cover eines Kinderbuchs: Zwei Kinder spielen in einem Baum, daneben steht: "Limonade im Kirschbau"
Das Kinderbuch von Gerda Raidt fängt die Stimmung eines Kinderabenteuers im Sommer ein. Bildrechte: Gerstenberg Verlag

Die Leipziger Autorin und Zeichnerin Gerda Raid legt mit "Limonade im Kirschbau" ein entspanntes Kinderbuch vor. Scheinbar passiert nur wenig, doch der erste Blick täuscht. Auf allen Seiten finden sich ausdrucksstarke Schwarz-weiß-Bleistiftillustrationen der Autorin, die die Hitze, die Abenddämmerung und sämtliche Gemütszustände hervorragend einfangen. Ein sanftes Sommerbuch, das es aber in sich hat.

Eine Empfehlung von MDR KULTUR-Kinderbuch-Redakteurin Britta Selle.

Informationen zum Buch

Gerda Raidt: "Limonade im Kirschbau"
Gerstenberg Verlag
144 Seiten
Empfohlen für Kinder ab 8 Jahren
ISBN: 978-3-836-96023-6

Anke Kuhl: "Manno! Alles genau so in echt passiert"

In diesem vergnüglichen Comic erzählt Anke Kuhl in ihrer unverwechselbaren zeichnerischen Art persönliche Kindheitserinnerungen. Ihre Figuren haben Kulleraugen mit Punkt in der Mitte und als Nase nur einen kleinen Haken im Gesicht. Unglaublich, was Kuhl allein mit diesen wenigen Besonderheiten ausdrücken kann.

Cover eines Kinderbuchs: Ein Kind hält einem anderen Kind ein Eis an den Mund.
Anke Kuhls Comic lädt zum gemeinsamen Erinnern ein. Bildrechte: Klett Kinderbuchverlag

In 18 Kurzgeschichten beschreibt die Künstlerin das typische Miteinander von Geschwistern, erzählt davon, wie Klein-Anke ihre erste Brille bekommt, und auch ein schlimmer Streit der Eltern wird nicht ausgespart. Konsequent wird aus der naiven Kindersicht des etwa achtjährigen Mädchens erzählt, wodurch die liebenswerten Figuren auch keine moralischen Bewertungen erfahren. Hier wird eine Auswahl an zum Teil sehr privaten Dingen preisgegeben, die jedoch universell sind und wohl vielen Kindern begegnen. Da ist es ganz egal, dass Kuhl ihre Kindheit Ende der 70er erlebte. Nebenbei zeigt sie die damalige Welt – mit Röhrenfernseher, Plüschsofa und Telefon mit Wählscheibe. Ein Comic, der zum Lachen, Vorlesen und definitiv zum Erzählen einlädt.

Eine Empfehlung von MDR KULTUR-Kinderbuch-Redakteurin Britta Selle.

Informationen zum Buch

Anke Kuhl: "Manno! Alles genau so in echt passiert"
Klett Kinderbuchverlag
136 Seiten
Empfohlen für Kinder ab 7 Jahren
ISBN: 978-3-954-70218-3

Dieter Böge: "189"

Cover des Bilderbuchs "189": ein gelber Vogel sitzt auf einem Ast und ist umgeben von kleinen Zeichnungen von Blättern, Bäumen, Häusern und mehr.
Das Buch "189" erzählt von einer Reise ins Unbekannte. Bildrechte: Aladin Verlag

Das Bilderbuch "189" erzählt in fantastisch leuchtenden Bildern und schlichtem Text von einem kleinen Kanarienvogel – einem sogenannten Harzer Roller – der nach einer langen, gefährlichen Reise in New York seine einzigartigen Lieder trällert. Die Geschichte basiert auf historischen Fakten: Die gelben Kanarienvögel wurden im 19. Jahrhundert im Harz gezüchtet, wo sie Bergleute unter Tage begleiteten und mit ihrem Gesang zeigten, wie viel Luft zum Atmen blieb. Die sogenannten Harzer Roller waren weltweit für ihren Gesang begehrt, denn sie können überraschend tiefe, rollende Tonfolgen mit geschlossenem Schnabel singen.

Dieses wunderbare Bilder-Sachbuch erzählt mit Gefühl die eigentlich ernste Geschichte des zarten Harzer Rollers: Wie er aus seinem beschaulichen Leben im Harz herausgerissen wird und am Ende doch auf etwas Vertrautes trifft. In einer wimmeligen, sich zum Teil über Doppel-Seiten ergießenden Bilderflut machen die Illustrationen die Gesänge, Träume und Erlebnisse des Vogels sichtbar, ja fast hörbar. Dieses Zwitschern und Trällern tönt und leuchtet in einfach-kindgerechten, lebendigen Bildern von jeder Seite und macht das Buch dadurch zu einer Reise, die man gerne immer wieder neu beginnt.

Eine Empfehlung von MDR KULTUR-Kinderbuch-Redakteurin Britta Selle.

Informationen zum Buch

Dieter Böge: "189"
Mit Illustrationen von Elsa Klever
Aladin Verlag
48 Seiten
Empfohlen für Kinder ab 5 Jahren
ISBN: 978-3-8489-0179-1

Katharina Bendixen: "Taras Augen"

Nach einem Chemieunfall hat sich das Leben der Menschen, die in der Nähe der Factory 11 gelebt haben, verändert. Die, die keine finanziellen Reserven haben, kehren zurück in ihre zum Teil geplünderten Häuser, in die sogenannte gelbe Zone. Dieses Gebiet ist angeblich ungefährlich, aber immer mehr zurückgekehrte Jugendliche erblinden. Auch die lebensfrohe Tara, eine erfolgreiche Schwimmerin, hat erst Kopfschmerzen und Gesichtsfeldeinschränkungen und wird schließlich blind, von einem Tag auf den anderen.

Cover eines Jugendbuches: unter einem gemalten Gesicht steht "Taras Augen"
Die Leipziger Autorin Katharina Bendixen verbindet Jugendliebe und Zukunftsvision. Bildrechte: mixtvision

Alún, Taras Kindheitsfreund und ehemaliger Nachbar, hat reiche Ärzteeltern, die sich eine neue Wohnung leisten konnten. Tara war für ihn die große Liebe. Schon vor der Havarie hatte jedoch das "Zeitalter des absoluten Schweigens" zwischen ihnen begonnen, denn Alún hatte etwas Unentschuldbares getan. Dieser Jugendroman erzählt von einer dystopischen Welt: Alles und jeder wird überwacht, Informationen werden gefiltert, zurückgehalten, gefälscht. Hier schlagen sich Teenager mit Eifersucht, Täuschung oder Liebe herum, gleichzeitig müssen sie ums Überleben kämpfen.

Weit weg, gleichzeitig aber erschreckend nah und möglich erscheint diese Geschichte der Leipziger Autorin. Sie schafft mit einem schweren Chemieunfall, der vertuscht werden soll, ein beklemmendes Szenario, dem sich die Leserinnern und Leser nicht entziehen können. Mit den Jugendlichen taumelt man hin und her zwischen Liebe, Eifersucht und Missverständnis, lehnt man sich auf gegen diese ständige Bedrohung, Überwachung und brutale Endgültigkeit. Ein spannender Balanceakt, den Katharina Bendixen hier erzählerisch meistert.

Eine Empfehlung von MDR KULTUR-Kinderbuch-Redakteurin Britta Selle.

Informationen zum Buch

Katharina Bendixen: "Taras Augen"
mixtvision
384 Seiten
Empfohlen für Jugendliche ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-958-54181-8

Judith Burger: "Roberta verliebt"

Aus der Sicht eines elfjährigen Mädchens erzählt Judith Burger in "Roberta verliebt" vom Gefühlswirrwarr der ersten Liebe. Roberta ist fasziniert vom geheimnisvollen, neuen Jungen, der plötzlich im Zeichenkurs auftaucht. Felix jedoch schaut niemanden an und malt sogar mit Wasserfarben, mit denen sonst nur die Kleinen tuschen.

Eine Frau mit kurzen, blonden Haaren sitzt auf einem Stuhl, spricht in ein Mikrofon und hält ein Buch auf dem Schoß.
Die Autorin Judith Burger will, dass man die Gefühle junger Menschen ernst nimmt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Burger wollte das erste tiefe Liebesgefühl festhalten. Gelungen ist der Autorin das durch ihren feinsinnigen Blick ins Innenleben einer starken, nachdenklichen Protagonistin, die genau beobachtet und, im Gegensatz zu ihrer Mutter, die richtigen Worte findet. Emotional entscheidende Momente hält Ulrike Möltgen in ihren eindringlichen schwarz-weiß Zeichnungen fest.

Eine Empfehlung von MDR KULTUR-Literaturkritikerin Karin Hahn.

Informationen zum Buch

Judith Burger: "Roberta verliebt"
mit llustrationen von Ulrike Möltgen
Gerstenberg Verlag
195 Seiten
Empfohlen für Kinder ab 10 Jahren
ISBN: 978-3-8369-6016-8

Franziska Gehm: "Carla Chamäleon. Oh Schreck, ich bin weg!"

Dass Claras beste Freundin ans andere Ende der Welt gezogen ist, ist schon eine Katastrophe. Doch plötzlich beginnt Clara auch noch damit, sich in unangenehmen Situationen camouflagemäßig ihrer Umgebung anzupassen wie ein Chamäleon. Ist das vielleicht eine allergische Reaktion oder sogar eine Krankheit?

Cover eines Kinderbuches: Vor einer Häuserzeile scheint ein Mädchen erschrocken unsichtbar zu werden, daneben steht ein Junge mit einem Pinguin in den Armen.
Franziska Gehm erzählt eine Superhelden-Geschichte für Kinder. Bildrechte: Rowohlt

In sehr witzigen Listen versucht das Powermädchen dem auf die Spur zu kommen und die Lage zu analysieren. Die Eltern sind keine große Hilfe, aber in Jole, dem Neuen in der Klasse, findet Carla überraschend einen guten Kumpel. Und so beginnt ein gemeinsames Abenteuer, in dem eine Geheimorganisation, ein dubioser Auftrag und Carlas besondere Fähigkeit eine Rolle spielen.
Kommt die Handlung zunächst ein wenig langsam in Schwung geht es dann Schlag auf Schlag und eine rasante, humorvolle und spannende Geschichte wird aufgerollt. Die im thüringischen Sondershausen geborene Autorin Franziska Gehm erzählt urkomische Momente, schreibt gute Dialoge, und das offenes Ende lädt zum nächsten Band dieser Reihe ein, in dem sich Carla zur Superheldin mausern könnte.

Eine Empfehlung von MDR KULTUR-Kinderbuch-Redakteurin Britta Selle.

Informationen zum Buch

Franziska Gehm: "Carla Chamäleon. Oh Schreck, ich bin weg!"
Mit Illustrationen von Julia Christians
Rowohlt Taschenbuch
240 Seiten
Empfohlen für Kinder ab 11 Jahren
ISBN: 978-3-499-21847-7

Silke Vry und Marie Geissler: "Dusty Diggers. Auf der Jagd nach der krassesten Pizza der Bronzezeit: Die Geheimnisse der Himmelsscheibe von Nebra."

Die Himmelsscheibe von Nebra war ein spektakulärer Fund – vergleichbar mit dem Urmenschen Ötzi, Stonehenge oder dem Grab von Tutanchamun. Und der Fund bei Halle war auch mit einem spektakulären Raubgräberkrimi verbunden: Zwei Männer hatten 1999 die mysteriöse tellergroße Scheibe zusammen mit zwei Schwertern, zwei Beilen und einem Meißel auf dem Mittelberg illegal ausgegraben und dem Kunstmarkt angeboten. Durch das Landeskriminalamt wurde die Scheibe aufgespürt und gelangte Jahre später ins Landesmuseum für Vorgeschichte Halle.

Diese aufregende Geschichte – von der Ausgrabung bis zur wissenschaftlichen Untersuchung – wird in dem Kinderbuch teils als Sachgeschichte, teils als Krimi erzählt. Die jungen Leserinnen und Leser werden in die Bronzezeit entführt, bekommen einen Einblick in legale und illegale Schatzsuchen und in wissenschaftliche Untersuchungen.

Cover eines Kinderbuches: Mehrere Menschen stehen oder hocken in einem Wald um eine Scheibe mit Sonne, Mond und Sterne.
Kindgerecht und spannend erzählen Silke Vry und Marie Geissler vom Fund und Erforschung der berühmten Himmelsscheibe. Bildrechte: E.A. Seemann Verlag

Die Dialoge machen Spaß und sind in einfacher Sprache geschrieben. Auf diese Weise wird umfangreiches, komplexes Wissen nachvollziehbar aufbereitet. Die witzigen Illustrationen sind zum Teil Fotos mit Zeichnungen oder auch Comics. Sie geben jeder Figur einen eigenen Charakter. Diese spannende Detektivstory über die älteste Himmelsdarstellung der Welt, Grabräuber, Hehler und engagierte Archäologen ist Kinderbuch und Sachbuch in einem und nicht nur den Kindern zu empfehlen, die sich die Himmelsscheibe im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle in "echt" anschauen wollen.

Eine Empfehlung von MDR KULTUR-Kinderbuch-Redakteurin Britta Selle.

Informationen zum Buch

Silke Vry und Marie Geissler: "Dusty Diggers. Auf der Jagd nach der krassesten Pizza der Bronzezeit: Die Geheimnisse der Himmelsscheibe von Nebra."
E.A. Seemann Verlag, Bilderbande
96 Seiten
Empfohlen für Kinder ab 8 Jahren
ISBN: 978-3-865-02446-6

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Oktober 2021 | 15:45 Uhr

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