Auszeichnung Klopstock-Preis 2021 für Magdeburger Schriftstellerin Annett Gröschner

Die Magdeburger Schriftstellerin Annett Gröschner
Die Schriftstellerin Annett Gröschner wurde 1964 in Magdbeurg geboren und lebt heute in Berlin. Bildrechte: Susanne Schleyer

Der Klopstock-Preis 2021 geht an die in Magdeburg geborene Schriftstellerin und Journalistin Annett Gröschner. Das gab Sachsen-Anhalts Staatskanzlei und das Ministerium für Kultur in Magdeburg am Donnerstag bekannt. Der Preis soll im September übergeben werden.

Annett Gröschner ist eine ganz eigene Stimme. (...) Sie ist eine sehr genaue Beobachterin des Zeitgeschehens.

Rainer Robra, Staats- und Kulturminister Sachsen-Anhalt
Logo MDR 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR KULTUR - Das Radio Do 24.06.2021 06:00Uhr 06:46 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Logo MDR 7 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR KULTUR - Das Radio Do 24.06.2021 06:00Uhr 06:46 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Ost-Erkundung ohne Ostalgie: "Moskauer Eis"

Gröschner ist spezialisiert auf Ost-Erkundungen. Ihr literarisches Debüt gab sie im Jahr 2000 mit dem hochgelobten Roman "Moskauer Eis" – eine komisch-melancholische Annäherung an die Lebenswirklichkeit in der DDR, ohne in Ostalgie zu verfallen. Einfließen ließ sie ihre biografischen Erfahrungen aus einer Familie von Gefrierforschern und Kühlanlagenkonstrukteuren. Eine Bühnenfassung des Romans feierte am Gorki Theater Berlin sowie am Theater Magdeburg Erfolge.

Wache Beobachterin, unermüdliche Chronistin

Gröschner, Jahrgang 1964, studierte Germanistik in Berlin, wo sie seit 1983 lebt. Dort spielt auch ihr zweiter Roman "Walpurgistag" (2011) mit Protagonisten, die die Schattenseiten der Hauptstadt kennen. Die Kritik lobte immer wieder Gröschners Gespür für soziale Verhältnisse und gefährdete Biografien. Dabei schöpft sie auch aus ihrer Arbeit als Journalistin: "Bei Annett Gröschner sind die Stoffe und Geschichten, die sie ergründet, viel zu stark und bewegend, als dass sie nicht von einer Reportage oder einem Sachbuch in den nächsten Roman drängen", so MDR KULTUR-Literaturkritiker Jörg Schieke.

Erst im März 2021 erhielt Gröschner den mit 15.000 Euro dotierten Großen Kunstpreis Berlin für ihr Wirken als "unermüdliche Chronistin der Stadt, ihrer Geschichte, ihrer Veränderung und natürlich ihrer Bewohner:innen", so die Begründung der Jury. Eine Auszeichnung auch im Hinblick auf ihr Buch "Berolinas zornige Töchter", in dem sie die Frauenbewegung im Ost- und Westteil der Stadt erkundete.

"Schwebende Lasten": Roman um DDR-Kranführerin in Magdeburg

Die Geschichte von Frauen in der DDR-Schwerindustrie ergründet Gröschner in ihrem dritten Roman "Schwebende Lasten", an dem sie als Stipendiatin der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt arbeiten konnte. Im Mittelpunkt steht eine Magdeburger Kranführerin, die zugleich Zeitzeugin des 20. Jahrhunderts mit all seinen gewaltvollen gesellschaftlichen Verwerfungen ist. Gröschner erzählt ihr Leben rückblickend aus der Perspektive der Töchter. Neben den Archiv-Recherchen führte Gröschner Interviews mit ehemaligen Kranführerinnen und Arbeitern aus dem einstigen Schwermaschinenbau-Kombinat SKET "Ernst Thälmann" in Magdeburg.

Gröschners schriftstellerisches Werk umfasst Romane ebenso wie Gedichte, Theaterstücke oder Dokumentarliteratur. Außerdem schreibt sie für Tages- und Wochenzeitungen sowie für das Radio. Gröschner ist Mitbegründerin und Mitarbeiterin der Frauenzeitschrift Ypsilon und war beteiligt an verschiedenen Forschungs-, Buch- und Ausstellungsprojekten wie zuletzt zum 50. Jahrestag des Mauerbaus "Aus anderer Sicht. Die frühe Berliner Mauer".

Über den Klopstock-Preis

Seit 2015 verleiht das Land Sachsen-Anhalt alljährlich den mit 12.000 Euro dotierten Klopstock-Preis für neue Literatur als höchste Literatur-Auszeichnung des Landes. Der Preis gilt einem deutschsprachigen Werk, das in den vier Jahren zuvor erschienen ist, oder einem Lebenswerk. Der mit 3.000 dotierte Förderpreis wird auf der Grundlage von Vorschlägen des Literaturbeirates verliehen. Ausgezeichnet werden Nachwuchsautorinnen und -autoren aus Sachsen-Anhalt, deren Debüt bundesweit Beachtung fand.

Namenspatron des Preises ist der in Quedlinburg geborene Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803), der als einer der bedeutendsten Dichter der Aufklärung gilt. Bisherige Hauptpreisträger waren Ann Cotten, Uwe Kolbe, Thomas Melle, Marion Poschmann, Alexander Kluge und Clemens Meyer.

Mehr Kultur aus Magdeburg und Sachsen-Anhalt

Mehr Literatur-Themen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. Juni 2021 | 14:30 Uhr

Abonnieren