Region geht durch den Magen "Carola kocht": Ein Buch macht Appetit auf die Lausitz

Carola Arnold betreibt in Cunewalde, einem Ort in der Oberlausitz, eine Art Kulturzentrum in einem restaurierten Umgebindehaus – die Kleene Schänke. Mit ihrem Buch "Carola kocht" kann man nun die Region entdecken. Doch die Köchin liefert nicht nur Rezepte, sondern auch "Geschichten und Zutaten aus der Oberlausitz" und hat dafür die Schriftstellerin Annelies Schulz mit ins Boot geholt.

Kleene Schänke in Cunewalde
Carola Arnold in ihrer Kleenen Schänke Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Mit dem Umgebindehaus in der Dorfaue fing alles an. Im 18. Jahrhundert erbaut, steht es in Cunewalde, mitten in der Oberlausitz. Seit 2016 beherbergt das aufwändig restaurierte Haus mit dem schönen, dunklen Fachwerk die Kleene Schänke, das Reich von Köchin Carola Arnold. Dort organisiert sie kulturelle Veranstaltungen, verkauft regionale Produkte und bietet Kochkurse an – wenn nicht gerade eine Pandemie grassiert.

"Carola kocht" entstand im Lockdown

Buchcover: "Carola kocht"
Buchcover: "Carola kocht" Bildrechte: kleeneschaenke.de

"Meine Mitarbeiter haben mir gleich im ersten Jahr zum Geburtstag eine rote Kochschürze geschenkt, und da stand drauf: "Carola kocht". Seitdem ist das meine Marke geworden: 'Carola kocht'", erklärt Arnold. Logisch, dass auch ihr erstes Kochbuch nicht anders heißen kann, als "Carola kocht". Die rote Schürze und das Umgebindehaus, die Kleene Schänke, durften auch mit aufs Cover.

Das Kochbuch ist ein Kind des Lockdown: keine Kochworkshops, keine Kunden – in der plötzlich frei gewordenen Zeit entstand die Idee, aus den vielen Erfahrungen, die die Küchenmeisterin in ihrem abwechslungsreichen Berufsleben gesammelt hatte, ein Buch zu machen. "Irgendwann wusste ich, was die Leute brauchen, wo so die Wünsche herkommen", erklärt Carola Arnold, nach welchen Maßgaben sie ihre Rezepte ausgewählt hat: "Das heißt: Kochen mit Gewürzen, wie mache ich eine gute Soße, Brot Backen, Brotaufstriche, wie mache ich einen Festtagsbraten." Eher traditionelle Wünsche also.

Der Fokus liegt auf einfachen Gerichten

Doch das vielleicht Wichtigste sei, dass es schnell, unkompliziert und leicht sein muss. Auf den ersten Blick passen Wörter wie schnell, leicht und Festtagsbraten nicht so recht zusammen. Das Geheimnis ist, wie so oft, die Mischung. Im Fall von "Carola kocht" heißt das: Einfache Gerichte mit wenigen Zutaten für jeden Tag.

"Dieses Kochbuch ist vielleicht nicht für denjenigen, der Kochen schon zu einer kleinen Wissenschaft erhoben hat. Aber ich glaube, wer schnell etwas Leckeres, Saisonmäßiges auf den Tisch bringen will, der wird bestimmt Freude daran haben", sagt die Köchin. Für besondere Anlässe warten Rezepte wie Schweinenacken in Senf-Bier-Sauce oder im Ofen gebackener Karpfen auf mutige Köche.

Typisch Oberlausitz: Liwanzen und Apernmauke

Kleene Schänke in Cunewalde
Die Kleene Schänke in Cunewalde Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Auch sonst bietet Carola Arnold in ihrem Kochbuch Vielfalt: Da gibt es interessante Kombinationen zu entdecken, wie Fenchel-Aprikosen-Salat oder Pasta mir roter Bete und Mohn. Die gebürtige Oberlausitzerin bricht aber auch eine Lanze für die traditionellen Gerichte ihrer Heimat. Die hält so Einfaches, aber Köstliches bereit, wie Apernmauke – Apern, oberlausitzerisch für Kartoffeln – also Kartoffelmus mit Speck und Zwiebeln oder ganze Apern mit einmoariertem Harch, also Pellkartoffeln mit mariniertem Hering.

"Ich habe ein Rezept von Liwanzen", berichtet Arnold von der Resonanz auf diese fast vergessenen Gerichte, wie dieser böhmischen Mehlspeise: "Ich hab eine Liwanzenpfanne. Ich hab nie gewusst, was das ist, jetzt hab ich Liwanzen gemacht." Was es mit dieser Liwanzenpfanne auf sich hat und vieles andere mehr erfahren wir aus den kleinen Geschichten, mit denen Carola Arnold ihr Kochbuch gewürzt hat. Da erinnert sich etwa die Schriftstellerin Annelies Schulz in einem Gastbeitrag daran, was in ihren Kindheitstagen so auf den Tisch kam.

Vorgestellt: regionale Produzenten

Die meisten Texte in "Carola kocht" stammen jedoch von Arnold selbst. Darin erzählt sie in sympathischem Plauderton auch von ihren Streifzügen durch die Agrarregion Oberlausitz: "Ich bin Bauernkind. Meine Eltern waren in der LPG, aber wir hatten einen sogenannten LPG Typ I", erzählt die Köchin. "Wir hatten selber noch Kühe, wir hatten Schweine, wir hatten hundert Hühner, wir haben jedes Jahr geschlachtet. Das heißt, ich komme wirklich richtig von der Basis."

Zu wissen, wo die Zutaten für ihre Gerichte herkommen, ist für sie ein großes Thema: Regional einzukaufen ist im Zweifelsfall wichtiger als Bio. Im letzten Teil des Buches stellt Arnold deshalb einige kleine Produzenten vor, die sie im Laufe der Zeit in der Oberlausitz kennengelernt hat. Da ist zum Beispiel der Familienbetrieb, der seltene Getreidesorten, wie Emmer, Dinkel und Champagnerroggen ökologisch anbaut. Oder das junge Paar, welches dem Oberlausitzer Boden würzigen Knoblauch entlockt. "Alle, die hier was produzieren, die hier Landwirtschaft machen, die tun etwas für unsere Kulturlandschaft, die tun was für uns", ist sich Carola Arnold sicher. Mit ihrer Kleenen Schänke im Umgebindehaus in der Dorfaue und mit ihrem Buch "Carola kocht" ist sie da in guter Gesellschaft.

Informationen zum Buch "Carola kocht" – Mit Zutaten und Geschichten aus der Oberlausitz. Ein etwas anderes Kochbuch, eins mit 20 Geschichten, 85 Rezepten und 15 Porträts von regionalen Produzenten

Gestaltet von Norma Vohland und Marion Berndt, redaktionell bearbeitet von Bestsellerautorin Martina Rellin

Erhältlich u. a. in der Oberlausitzer Geschenke-Schänke in Cunewalde sowie über die Homepage der Kleenen Schänke

156 Seiten, Hardcover/Fadenheftung, Gedruckt und gebunden in Bautzen, 14,90 Euro
ISBN: 978-3-00-066568-4

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. Februar 2021 | 06:15 Uhr

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