Schwerpunkt Sachbuch und Ratgeber Der Lagato-Verlag in Leipzig – Leidenschaft für Hörbücher

Der Lagato Verlag ist einer der größten unabhängigen Hörbuchverlage in Deutschland. Gegründet 2005 in München, nun mit Sitz in Leipzig liegt der Programmschwerpunkt in den Bereichen populärwissenschaftliches Sachbuch und Ratgeber. MDR KULTUR hat die Leiterin Daniela Utecht getroffen, die über die Leidenschaft für ihren Job, den Weg zur Verlagsleitung und die Faszination Hörbuch gesprochen hat.

Eine Regiestelle in einem Aufnahmestudio 4 min
Bildrechte: Lagato Verlag

Schon in der Kindheit hat Daniela Utecht viele Stunden vorm Schallplattenspieler verbracht, wie sie sagt. Dass sie mit dieser Affinität fürs Auditive einmal Geld verdienen würde, das war zu Beginn ihres beruflichen Lebenswegs gar nicht so klar. Nach der Schule absolviert sie eine Ausbildung im Groß- und Außenhandel, dann folgt ein geisteswissenschaftliches Studium. Schließlich arbeitet sie als Lehrerin, später auch als Werberin.

Eine Frau mit Kurzhaarschnitt und Brille steht vor einer Backsteinwand und lächelt in die Kamera
Die Idee zum Hörbuchverlag sei zunächst eine wahre Schnapsidee gewesen, sagt Verlagsleiterin Daniela Utecht. Bildrechte: Zenna

Trotz unterschiedlicher Herausforderungen alle paar Jahre, merkt Daniela Utecht mit Ende 30, dass das alles noch nicht ganz das Richtige ist. Aus einer Schnapsidee, die im Gespräch mit einem Kollegen entsteht, wird schließlich Lagato geboren. "Ich kam eher aus der inhaltlichen Seite mit meinen literaturwissenschaftlichen Studiengängen und er eher aus der Vertrieblichen. Dann haben wir gesagt, wir machen das jetzt. Und dann haben wir einen Schnaps getrunken und gesagt: So jetzt legen wir los", erinnert sich Utecht an das Jahr 2005.

Hörbuch: vom Analogen ins Digitale

Viele kleine Schritte waren dann notwendig, um sich auf dem Hörbuchmarkt etablieren zu können, der 2005 auch noch ganz anderes aussah als heute. Den meisten Menschen sei gar nicht so richtig klar gewesen, was ein Hörbuch eigentlich ist, sagt Daniela Utecht rückblickend. Datenträger wie CDs waren viel zu klein für ein ganzes Buch. Mp3-Dateien, Smartphones – alles noch Zukunftsmusik. Dass Hörbücher heute ganz selbstverständlich zur Freizeitbeschäftigung von vielen Menschen dazugehören, hat vor allem auch etwas damit zu tun, dass es technisch möglich geworden ist, sich Bücher bequem nebenbei anzuhören.

Harald Lesch sitzt in einem Tonstudio an einem Mirko
Auch Harald Lesch hat schon für Utecht eingesprochen. Bildrechte: Lagato Verlag

Auch die Hörbücher des Lagato-Verlags können per App heruntergeladen und gehört oder im Laden als Datei oder CD gekauft werden. Digitalisierung gehört heute ganz klar dazu. Ein wichtiger neuer Trend gewinne zunehmend an Fahrt, so Utecht. Sie denkt dabei ans Streaming.

Im Moment sei es noch so, sagt Utecht, dass das Streaming nicht so viele Titel anbiete wie der Download. Das liege an großen Hörbuchportalen und Verlagen, die sich nicht am Streaming beteiligen wollen – "aus preispolitischen Gründen letztlich", sagt die Leipziger Hörbuch-Verlegerin. "Aber die Reise wird zum Streaming gehen", ergänzt sie. Irgendwann würden Preise neu verhandelt.  

Mich treibt die Leidenschaft an. Die Leidenschaft für Hörbücher. Ich liebe schöne Hörbücher. Ich könnte den ganzen Tag Hörbücher hören.

Daniela Utecht, Verlagsleiterin

Das richtige Thema zur richtigen Stimme finden

Einen wirklich typischen Tagesablauf gibt es nicht in ihrem Leben und da ist Daniela Utecht auch froh drüber. Und doch tauchen bestimmte Aufgaben immer wieder auf, wie das Finden der richtigen Stimme zu einem vorliegenden Text. Häufig verantwortet sie auch als Regisseurin die Vertonung.

"Viele meinen ja, es ist viel schwieriger einen Roman einzulesen, aber, wenn ich so viele Figuren habe, dann kann ich die unterschiedlich gestalten. Ich kann denen unterschiedliche Persönlichkeiten geben über die Stimme – das ist im Grunde leichter, finde ich, als mit einem Sachbuchtext gut umzugehen und den so zu vermitteln, dass der Hörer nicht zwischendurch aussteigt. Es sind ja teils sehr komplexe Texte", erläutert Utecht.

Oliver Wronka sitzt in einem Tonstudio an einem Mirko
Die richtige Stimme finden, ist das A und O – wie etwa die von Sprecher Oliver Wronka. Bildrechte: Lagato Verlag

Mit Sachbüchern die Debattenkultur verbessern

Beim Lagato-Verlag haben sich im Laufe der Jahre ein paar typische Themenfelder herausgebildet: Familie, Beziehungen, Psychologie, Gesellschaft, Wissen, Wirtschaft, aber auch Krimi. Dass nicht nur Belletristik, sondern auch Sachbücher faszinierende Welten in Form von Hörbüchern kreieren können, sei "der Knackpunkt" gewesen, ein Alleinstellungsmerkmal für ihren Verlag zu finden. 

Es gebe unzählig wichtige gesellschaftspolitische Themen, die man bespielen müsse. "Unsere Debattenkultur finde ich gerade ganz schwierig. Ich finde, wir müssen wieder lernen, uns mehr miteinander auseinanderzusetzen, unterschiedliche Positionen auszuhalten. Das versuche ich halt so ein bisschen mit dem Verlagsprogramm auch widerzuspiegeln und dazu beizutragen", so Daniela Utecht.   

Mit Leidenschaft für Hörbücher

Sie könne sich nichts anderes vorstellen, was sie beruflich so erfüllen würde wie die Arbeit mit Hörbüchern. "Und, wenn ich ein zweites Leben hätte – ein Parallelleben – dann wäre ich darin Lehrerin, weil ich auch das wahnsinnig gerne mache, aber da ich nur eins habe, muss ich mich jetzt leider auf die Hörbücher beschränken", resümiert die Leipziger Verlegerin und lacht fröhlich.

Literatur aus Leipzig

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. November 2021 | 06:15 Uhr