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Die Brockhaus-Enzyklopädie war der größte Erfolg des Verlegers Friedrich Arnold Brockhaus, der mit seiner Familie 1818 an den Leipziger Markt zog. Bildrechte: imago/Enters

PorträtWer war der Mann hinter dem Brockhaus-Lexikon?

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Stand: 29. Juni 2022, 13:45 Uhr

Brockhaus ist eines der berühmtesten Nachschlagewerke überhaupt – gegründet wurde die Enzyklopädie in Leipzig. In der Messestadt hat sich der Herausgeber des berühmten Brockhaus-Lexikons 1818 niedergelassen und neben Enzyklopädien und politischen Schriften Casanova, Schopenhauer und Taschenbücher für Frauen herausgegeben. Dafür erntete der vor 250 Jahren in Dortmund geborene Friedrich Arnold Brockhaus durchaus auch Kritik.

Biografen beschreiben Friedrich Arnold Brockhaus als Arbeitsbesessenen mit Ehrgefühl, als Unternehmer mit Esprit. Allerdings auch als Mann, der sich leicht aufregen kann: über leeres Geschwätz, über Personen, die mit Bildung protzen, auch wenn sie gar keine besitzen. In der dritten Ausgabe des Brockhaus-Lexikons ist zu lesen: "Wie dürfte es einer wagen, sich den Gebildeten zuzuzählen, dessen Geist nie auf höhere als bloß sinnliche Bedürfnisse gerichtet gewesen wäre, der über Welt und Menschen nie ernster nachgedacht, von den Ereignissen der Zeit und den Ursachen derselben in der Vergangenheit sich keine Kenntnisse verschafft hätte."

Der Wunsch, eben jene Kenntnisse zu vermitteln, und sein kaufmännisches Geschick lassen Brockhaus auf der Leipziger Buchmesse von 1808 das Rudiment eines nicht vollendeten Konversationslexikons erwerben. Der gebürtige Dortmunder kauft die Rechte und die bis dahin gedruckten Bände, komplettiert das Werk und bringt ab 1809 jenen Schatz heraus, der künftig das Fundament seines Verlages bildet. Der zunächst gewählte Titel: "Conversations-Lexikon oder kurzgefasstes Handwörterbuch für die in der gesellschaftlichen Unterhaltung aus den Wissenschaften und Künsten vorkommenden Gegenstände mit beständiger Rücksicht auf die Ereignisse der älteren und neueren Zeit."

5 Fakten zum Brockhaus

  1. Erfinder der Brockhauses ist der Dortmunder Verleger Friedrich Arnold Brockhaus.
  2. Die erste gedruckte Ausgabe vom Brockhaus erschien 1796, die letzte 2008.
  3. Die Brockhaus-Enzyklopädie gibt es seit 2002 online.
  4. Die gebunde rot-schwarze Standardausgabe des Brockhauses wurde bei Komplettabnahme für rund 2.800 Euro verkauft.
  5. Gesamtausgaben der Brockhaus-Enzyklopädie können heute einen Wert von bis zu 5.000 Euro haben.

Von Amsterdam nach Altenburg: Wie die Enzyklopädie entstand

1808 lebt und wirkt Brockhaus noch in Amsterdam. Hat sich der Kaufmann hier seit 1801 zunächst in englischen Waren, insbesondere Stoffen, versucht, widmet er sich mehr und mehr seiner eigentlichen Leidenschaft, dem Gedruckten. Brockhaus verlegt und verkauft Bücher und Zeitschriften. Stärke verleiht ihm auch seine Ehe mit Sophie: "Wie ich mich so an diese Häuslichkeit habe gewöhnen können, dass es mir auch unmöglich ist, nur eine Stunde oder ein paar es anderwärts auszuhalten, ohne von Langeweile und Überdruss bis zum Äußersten gefoltert zu werden [...]."

Wir müssen als Regel annehmen, dass wir von zwanzig Unternehmungen bei zehn verlieren, bei fünf auf unsere Kosten kommen, bei vier ordentlich und bei einer tüchtig gewinnen.

Friedrich Arnold Brockhaus, Verleger und Herausgeber

Doch die hiesige Lage wird bitter für ihn, privat wie beruflich. Seine Frau stirbt, die politische Situation im vom Frankreich abhängigen Königreich Holland, das schließlich von Napoleon annektiert wird, erschwert das Gewerbe, es kommt zu Auseinandersetzungen mit einem einstigen Compagnon. So kehrt Brockhaus Amsterdam den Rücken und landet 1810 in Altenburg, sein Geschäft in dem Wissen fortführend: "Wir müssen als Regel annehmen, dass wir von zwanzig Unternehmungen bei zehn verlieren, bei fünf auf unsere Kosten kommen, bei vier ordentlich und bei einer tüchtig gewinnen."

Casanova und Schopenhauer neben Taschenbüchern für Frauen

Brockhaus verlegt jetzt Taschenbücher, die sich vor allem an Frauen richten, wissenschaftliche Werke und Zeitschriften wie die erfolgreichen "Deutschen Blätter", mit denen der liberal denkende Unternehmer Partei gegen Napoleon ergreift. Einen "Riecher" zu haben, darf man ihm wohl bescheinigen. Schopenhauers "Die Welt als Wille und Vorstellung" erscheint bei Brockhaus, später wagt der Verleger gar die Herausgabe von Casanovas Memoiren. Nur gekürzt allerdings. Wegen der Streichungen verärgert, erregt sich der Autor Wilhelm von Schütz damals: "Meiner Meinung nach thut der frömmelnden Impotenz unserer Zeit eine kräftige Sinnlichkeit vor allem noth, [...]."

Friedrich Arnold Brockhaus (1772 - 1823) hat das Verlagshauses F. A. Brockhaus gegründet und die Conversations-Lexicons herausgegeben, die spätere Brockhaus Enzyklopädie. Bildrechte: imago/imagebroker

Regelmäßig lässt Brockhaus auch sein Lexikon wieder auflegen, was eine enorme Herausforderung darstellt: Weniger wegen der immer wieder notwendigen Überarbeitung der Artikel, sondern wegen des Drucks. Bei der fünften Auflage, die zwischen 1818 und 1820 erscheint, ist bei zehn Bänden der Einsatz von acht Druckereien vonnöten. Aber es macht sich bezahlt – Brockhaus kann sogar alte Schulden begleichen. "In den Jahren 1811-12 kam das Geschäft in die unangenehme Lage, seine Creditoren um Nachsicht bitten zu müssen." Nunmehr wird "nachliquidiert". Mit Zinsen.

Preußische Behörden machen Brockhaus-Erfinder das Leben schwer

Doch das arbeitsintensive Leben fordert schließlich seinen Tribut. Scharmützel mit Unternehmern, die ohne Genehmigung seine Bücher kopieren und herausbringen, Streitigkeiten mit preußischen Behörden, die die Veröffentlichungen des Verlages strengen Kontrollen unterziehen, das alles zehrt an ihm. Brockhaus wird gerade 51 Jahre alt und stirbt 1823 in Leipzig.

In Leipzig erinnert ein Denkmal an Friedrich Arnold Brockhaus. Bildrechte: MDR / Wolfgang Leyn

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 04. Mai 2022 | 06:40 Uhr