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In der Buchstadt Leipzig droht das Aus der Buchwissenschaft. Bildrechte: dpa

Universität LeipzigStehen die Buchwissenschaften in Leipzig vor dem Aus?

Stand: 04. August 2022, 14:34 Uhr

In der Buchstadt Leipzig kann man seit 28 Jahren an der Universität Buchwissenschaften studieren. Doch jetzt droht dem gefragten Studiengang dem Börsenblatt zufolge das Aus – bereits ab Oktober 2022. Für viele kommt das überraschend. Inzwischen ist bundesweit ein Streit entbrannt. Nun hat sich die Universität Leipzig zu Wort gemeldet und die Befürchtungen zurückgewiesen.

An der Universität Leipzig droht dem Studiengang Buchwissenschaften offenbar das Ende. Wie das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels berichtete, könnte der Studiengang abgewickelt werden. Hintergrund sei die geplante Neubesetzung der Professur mit einem Wissenschaftler, der jedoch mit Buchforschung nichts zu tun habe.

Chefredakteur des Börsenblatts, Torsten Casimir, sagte MDR KULTUR am 28. Juli, ein anderer Bewerber, der wiederum ein sehr ausgewiesener habilitierter Buchwissenschaftler sei, habe das Nachsehen gehabt. "Wenn die Berufung, so wie die Universität sie sich vornimmt, durchgeht, dann ist die Buchwissenschaft als institutionalisiertes Fach weg." Eine uralte Tradition, wie die Buchwissenschaft in Leipzig, einfach stillzulegen, sei schon beinah geschichtsvergessen. Besonderes kritisch sieht Casimir zudem, dass die Öffentlichkeit gar nicht wisse, was vor sich gehe.

Seit 28 Jahren: Gefragter Studiengang an der Universität Leipzig

Leipzig ist einer von insgesamt vier Universitätsstandorten in Deutschland, an denen man Buchwissenschaft studieren kann. Seit Mitte der 90er-Jahre ist das Fach an der Uni ein gefragter Studiengang und eng vernetzt mit Institutionen in der Stadt. Doch die aktuelle Entwicklung hätten viele nicht kommen sehen, so Casimir. Jetzt sei die Rede von einem Skandal. Der Journalist ist sich sicher, dass sich in der Stadt und der Branche Widerstand gegen die drohende Abwicklung regt.

Eine Buchstadt ohne Buchwissenschaft?

"Wenn es schlecht läuft, gibt es ab Oktober 2022 keine Professur für Buchwissenschaft mehr in Leipzig", sagte Casimir am 28. Juli bei MDR KULTUR. Studierende würden sich dann umorientieren und andere Standorte für ihr Studium wählen. Zudem gäbe es in der Stadt Leipzig, die sich selbst als traditionsreiche Buchmesse- und Verlagsstadt begreift und sich aus Anlass der Börsenvereinsgründung offiziell als Buchstadt feiern möchte, eine Institution weniger, die sich mit dem Buch beschäftigt.

Ähnlich äußerte sich auch Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, die am Mittwoch (3. Juli) auf Anfrage der KNA erklärte: "Die faktische Abschaffung würde einen herben Verlust für die Tradition der Buch- und Verlagsstadt bedeuten, aber vor allem auch für die lebendige Buchkultur Leipzigs. Das fällt mir schwer zu akzeptieren." Sie äußerte den Wunsch, dass die Verantwortlichen an der Universität ihre Entscheidung erneut überprüfen.

Universität Leipzig: "Wir legen nichts still"

Aktuell läuft an der Uni Leipzig das Berufungsverfahren für die neue Professur. So lang dieses läuft, wollte sich die Hochschule dem Börsenblatt zufolge nicht zur Besetzung der Professur äußern.

Am Donnerstag (4. Juli) sagte der Pressesprecher der Universität Leipzig, Carsten Heckmann, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): "Die Professur wird weiterentwickelt und umbenannt zur Professur für Medienwandel mit Schwerpunkt Buchkultur und digitale Publikationen." Außerdem betonte Heckmann, dass es an der Universität Leipzig gar keinen Studiengang Buchwissenschaft gebe, sondern nur einen Wahlpflichtbereich im Studiengang Kommunikations- und Medienwissenschaften. Schriftlich teilte Heckmann MDR KULTUR am Donnerstag mit: "Wir legen nichts still und wickeln nichts ab. Wir streichen auch keinen Studiengang, es gibt ihn gar nicht. Und der Wahlpflichtbereich Buchwissenschaft im Bachelorstudiengang Kommunikations- und Medienwissenschaft bleibt auch."

Quelle: Torsten Casimir im Gespräch mit MDR KULTUR-Moderatorin Ilka Hein/KNA / Redaktionelle Bearbeitung: Cornelia Winkler, Valentina Prljic / Erstbearbeitung 28.07.2022, Aktualisierung 04.08.2022

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 28. Juli 2022 | 17:40 Uhr