Gesprächsrunde Wie relevant sind heute noch Literaturhäuser?

Welche Rolle haben Literaturhäuser in einer Gesellschaft? Zu dieser und anderen Fragen diskutierten am Donnerstagabend in der Alten Handelsbörse Leipzig die Leiter der Literaturhäuser in Halle, Leipzig und Hamburg in "Unter Büchern live": Alexander Suckel, Torsten Ahrend und aus Rainer Moritz. Literaturhäuser sind mehr als Orte für Lesungen und Treffpunkte für Autorinnen, Verleger und Übersetzerinnen, darin waren sich die Leiter einig. Aber Literaturhäuser können noch mehr.

Die Leiter drei verschiedener Literaturhäuser sitzen in der alten Handelsbörse in Leipzig in Sesseln auf einer Bühne, vor ihnen stehen Mikrophone. 32 min
Die Gesprächsrunde moderierte MDR KULTUR Redakteurin Katrin Schumacher. Bildrechte: Birgit Friedrich

Oft wird angenommen, dass es Literaturhäuser oder die Idee davon schon immer in den Großstädten gab. Tatsächlich entstand das erste Literaturhaus der Bundesrepublik aber erst in den 80er-Jahren in Berlin und löste dann eine regelrechte Welle aus. Denn nicht nur Kunst und Musik brauchen in den Städten ein Zentrum – auch die Literatur braucht ein Zuhause, mittlerweile oft auch verbunden mit Gastronomie.

Literaturhäuser als wichtige gesellschaftliche Treffpunkte

Dabei dienen die Literaturhäuser nicht, wie oft vermutet, nur als Veranstaltungsort für Lesungen. Sie bieten auch einen wichtigen Treffpunkt für Autorinnen und Autoren, Verlegerinnen und Verleger sowie Übersetzerinnen und Übersetzer.

Wie Alexander Suckel vom Literaturhaus Halle sagte, könne ein Literaturhaus, wenn man alles richtig mache, wie ein Stadttheater des 19. Jahrhunderts sein – ein angemessener Ort, um selbstbewusste Auseinandersetzungen eines selbstbewussten Bürgertums zu führen. Dabei sollten nicht nur Diskussionen zu schöngeistiger Literatur geführt werden, so Suckel weiter, sondern vielmehr zu allen Bereichen der Literatur, wie beispielsweise gesellschaftspolitischen, geschichtlichen und philosophischen Themen.

Literatur nicht als Privileg, sondern für alle

Die Leiter der drei Literaturhäuser in Leipzig, Halle und Hamburg waren sich darin einig, dass es wichtig sei, gezielt auch jüngere Altersgruppen zu erreichen und Formate anzubieten, die Kinder aktiv mitgestalten könnten. Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, führte als Beispiel ein Projekt aus der Schweiz an: "Schulhausroman". Dabei besuchen Autorinnen und Autoren gezielt Schulen, die in Stadtteilen liegen, die weniger zum Stammpublikum des Literaturhauses zählen. Gemeinsam mit den Kindern entsteht, innerhalb von acht Nachmittagen, ein Roman zu einem ausgewählten Thema. Der Roman wird dann auch gedruckt und abschließend bei einer Lesung im Literaturhaus präsentiert. Moritz erklärte, das sei zwar viel Aufwand und Arbeit, aber manchmal schaffe man es dann auch, dass die Eltern zu regelmäßigen Besuchenden werden.

Auch das Literaturhaus Halle wolle junge Erwachsene erreichen, erklärte Leiter Alexander Suckel. So haben zum Beispiel Studierende der Germanistik die Chance, ganze Veranstaltungen im Haus eigenständig zu planen und durchzuführen. Die Veranstaltungen seien dadurch zwar ganz anders, als sie der Leiter selbst geplant hätte, aber in jedem Fall eine lehrreiche Erfahrung, so Suckel.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. März 2022 | 22:00 Uhr

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