Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
MDR KULTUR im RadioMDR KULTUR im FernsehenÜber unsKontaktSuche

WettbewerbLeipzig: Stiftung Buchkunst präsentiert "Die schönsten Bücher aus aller Welt"

von Nils Kahlefendt

Stand: 10. März 2022, 10:00 Uhr

Trotz Buchmesse-Absage ist ein Stück Normalität zurück: Nicht digital, sondern ganz real kürten Jurorinnen und Juroren aus fünf Ländern in Leipzig die "Schönsten Bücher aus aller Welt". Kommende Woche werden sie auch in Leipzig zu sehen sein, im Rahmen der Independent-Messe "It's a book" in der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Noch im letzten Jahr führte Corona auch beim Wettbewerb "Schönste Bücher aus aller Welt" der Stiftung Buchkunst Regie: Die internationale Jury konnte nur im Rahmen einer Online-Diskussion über die Preisträger entscheiden. Nun stehen die Zeichen auf Rückkehr zur Normalität – ein stückweit jedenfalls. Im Februar, noch vor der neuerlichen Absage der Leipziger Buchmesse, kamen fünf Jurorinnen und Juroren in der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig zusammen, um rund 500 eingereichte Bücher aus knapp 30 Ländern auf Herz und Nieren zu prüfen.

Die Jury für "Die schönsten Bücher der Welt": v. l. Hans Gremmen, Marcia Novais, Sebastian A. Schmitt, Ozann Akkuyun, Gila Kaplan Bildrechte: Stiftung Buchkunst / Carolin Blöink

Für Ozan Akkoyun (Türkei), Hans Gremmen (Niederlande), Gila Kaplan (Israel) und Márcia Novais (Portugal) war es die erste Gelegenheit seit langem, physisch aufeinanderzutreffen. Einzig Aslak Gurholt (Norwegen) konnte pandemiebedingt nicht anreisen und wurde spontan von Sebastian A. Schmitt (Bureau Est, Leipzig/Paris) vertreten. Aufgebaut waren die Büchertische, statt im historischen Sitzungssaal, im Vortragssaal der Bibliothek, der mehr Abstand ermöglichte.

Bücher hervorheben, die sonst niemand beachtet hätte

Beim Lesen schöner Bücher Bildrechte: Stiftung Buchkunst / Carolin Blöink

"Es ist eine wunderbare Erfahrung, die Kollegen im Real Life zu treffen und gemeinsam zu diskutieren", sagte die derzeit in Berlin lebende Gila Kaplan. "Das Physische ist zurück!"

Auch für Hans Gremmen, der als Grafikdesigner vor allem in den Bereichen Architektur und Fotografie sowie für Kultur-Institutionen arbeitet, ist der Wettbewerb einzigartig: "In einer Buchhandlung oder auf einer Messe sieht man jeweils Ausschnitte, Teilaspekte des Markts. Hier sind wir gezwungen, uns auch mit Büchern zu beschäftigen, die wir sonst nicht beachten würden. Es ist toll, zu sehen, wie Kollegen aus Polen, Venezuela oder China arbeiten – Leute, die wir vermutlich kaum je persönlich treffen."

59. Preisvergabe – in der DDR war der Wettbewerb Schaufenster zur Welt

Das Cover von "Rodin / Arp" aus dem Hatje Cantz Verlag Stuttgart Bildrechte: Hatje Cantz Verlag Stuttgart

Zum 59. Mal wurden die "Schönsten der Schönen" in diesem Jahr gekürt. Die höchste Auszeichnung, die "Goldene Letter", geht an ein kulturhistorisches ABC zur Geschichte des Gartens aus den Niederlanden. Unter den insgesamt 14 prämierten Titeln finden sich Bücher aus Frankreich, Polen, Tschechien, Japan und Österreich. Der Kunstband "Rodin/Arp" aus dem Hatje Cantz Verlag (Stuttgart) erhielt eine Silbermedaille.

Seit 1963 ist Leipzig Schauplatz dieses weltweit einzigartigen Gestaltungswettbewerbs, der die Sieger nationaler Wettbewerbe rund um den Globus in den Fokus nimmt. Die Ausstellungen, zunächst im Alten Rathaus, später im Messehaus am Markt, waren für DDR-Bürger nicht zuletzt ein Schaufenster zur Welt. Seit 1991 werden Wettbewerb und Ausstellung von der Stiftung Buchkunst ausgerichtet.

Bücher nach ihrer visuellen Sprache beurteilen

Marcia Novais und Sebastian A. Schmitt aus der Jury fachsimpeln. Bildrechte: Stiftung Buchkunst / Carolin Blöink

Die Juroren haben dabei einen Spagat zu bewältigen: Mut zum Experiment soll gefördert werden sowie das gute Gebrauchsbuch. Und Teilnehmer aus Ländern mit noch immer schwierigen Produktionsbedingungen sollen ebenso ihre Chance haben wie Routiniers aus traditionellen Buch-Nationen wie Holland, der Schweiz oder Deutschland. Mit spitzen Fingern werden in der Deutschen Nationalbibliothek Leinenrücken betastet, argusaugengleich mustern Jurorinnen und Juroren Satzspiegel. Aber: Lassen sich Bücher, die unterschiedlicher kaum sein könnten, überhaupt miteinander messen? Und: Wie lassen sich Bücher beurteilen, die man nicht lesen kann? Eine ziemlich knifflige Aufgabe, meint Gila Kaplan:

Mag sein, dass wir manche Sprachen nicht verstehen. Aber es gibt eine Art internationale "visuelle" Sprache, die es uns ermöglicht, miteinander zu kommunizieren.

Gila Kaplan, Jurymitglied

Ein schönes Bild für das, was die Stiftung Buchkunst befördern will. Wenn es den Wettbewerb "Schönste Bücher aus aller Welt" nicht längst gäbe – er müsste schleunigst erfunden werden. Auch im 59. Jahr ist er ein von Respekt getragener Dialog der Welt-Kulturen, der bereichert und inspiriert. In normalen Zeiten sind alle eingereichten Bücher auf der Leipziger Buchmesse in einer Freihandausstellung am Stand der Stiftung Buchkunst zu bewundern. In diesem Jahr kann man zumindest die "Schönsten der Schönen" in die Hand nehmen – auf der Independent-Messe "It's a book" am 19. März in der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Umgeben von schönen Büchern Bildrechte: Stiftung Buchkunst / Carolin Blöink

Zur Stiftung BuchkunstSeit über 60 Jahren fördert die Stiftung Buchkunst (Frankfurt am Main und Leipzig) das vorbildlich gestaltete Gebrauchsbuch und verschafft ihm durch drei bedeutende Wettbewerbe – "Die Schönsten Deutschen Bücher", "Förderpreis für junge Buchgestaltung" sowie "Best Book Design from all over the World" ein Forum. Die Ergebnisse dieser Designwettbewerbe setzen Orientierungspunkte und verfolgen neue Entwicklungen. Sie dienen als Impulse für herausragende Gestaltung und beispielhafte Verarbeitung.

Vom 11. – 15. März wird es auf dem Instagram-Account der Stiftung Buchkunst Live-Gespräche mit den fünf Jury-Mitgliedern zu den ausgezeichneten Büchern geben:
- 11. März, 11 Uhr Gila Kaplan (Goldene Letter, Goldmedaille)
- 11. März, 17 Uhr Marcia Novais (Silbermedaillen)
- 14. März, 15 Uhr Hans Gremmen (Lobende Erwähnungen)
- 15. März, 15 Uhr Ozann Akkuyun und Sebastian A. Schmitt (Bronzemedaillen)

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 10. März 2022 | 16:10 Uhr