Stadtgeschichte Ein Magazin als Stadtarchiv: Leipziger Blätter feiern 40-jähriges Jubiläum

Sie gehören fest zum Leipziger Kulturleben und sind in der Medienlandschaft der Messestadt unverzichtbar geworden: Die 1982 gegründeten Leipziger Blätter. In diesem Herbst feiert das Magazin sein 40-jähriges Jubiläum. Über die Anfange zu DDR-Zeiten, den Gedanken eines Leipzig-Archivs und die Pläne für die 100. Ausgabe.

Cover des Magazins Leipziger Blätter
Die Kulturzeitschrift Leipziger Blätter hat allen Grund zum Feiern: im Herbst 2022 ist die Jubiläumsausgabe erschienen. Bildrechte: Passage Verlag Leipzig

Im gut sortierten Buchhandel sind sie durchaus ein Blickfang: die Leipziger Blätter, ein opulentes Hochglanzmagazin. Soeben ist Heft Nummer 81 erschienen, mit dem an das 40-jährige Bestehen dieser Publikation erinnert werden soll. Prompt ist auch das Titelbild der ersten, im Herbst 1982 erschienenen Ausgabe mit abgebildet, auf dem das damals noch recht neue Gewandhaus zu sehen ist.

Eine Kulturzeitschrift als Archiv der Stadt Leipzig

Hochglanz im grauen Alltag vor 40 Jahren? Der unübersehbare Verfall Leipzigs war - neben dem zeigenswert Neuen - immerhin mit ein Anlass, diese Publikation damals ins Leben zu rufen, meint Bert Sander. Der Publizist ist seit 2005 verantwortlicher Redakteur der kurz "Blätter" genannten Hefte und blickt auf die Gründung zurück: "Es war augenscheinlich, dass der Zustand ein katastrophaler war. Leipzig kann auf eine große Geschichte zurückblicken, ist Musikstadt, ist Buchstadt.

Und um all das irgendwie zu bewahren und zu dokumentieren und zu archivieren, hat der Schriftsteller Helmut Richter die Initiative ergriffen und hat die damaligen Kulturverbände und Künstlervereine zusammengerufen, so ein Leipzig-Archiv zu gründen. Eine Zeitschrift, die versucht zu bewahren, zu dokumentieren, was kurz davor war, gänzlich von der Bildfläche zu verschwinden."

Leipziger Blätter 13
Das Magazin gab es schon in der DDR: Eine frühe Ausgabe der Leipziger Blätter aus dem Herbst 1988. Bildrechte: Passage Verlag Leipzig

Leipziger Blätter: Hefte zum Aufbewahren

Helmut Richter, als Leipziger Autor eine Koryphäe (von ihm stammt unter anderem der Text zu Hit "Über sieben Brücken musst du gehen"), galt als Instanz, die sich eine kritische Bestandsaufnahme in der Endphase der DDR leisten konnte, auch wenn das gewiss keine Selbstverständlichkeit gewesen sein dürfte. Ihm sei gemeinsam mit seinen damaligen Mitstreitern der schwere Spagat gelungen, erinnert sich Sander. "Er hat ja nicht nur den Verfall dokumentiert, er hat nicht nur gezeigt, was droht, unwiederbringlich verloren zu gehen, sondern er hat natürlich immer wieder die Chancen aufgezeigt, die Leipzig bietet, darauf hingewiesen, welches Potential Leipzig hat, wie viel Traditionen, die man unbedingt fortsetzen sollte."

Transparenzhinweis Der Autor dieses Artikels ist Mitglied im Herausgeberbeirat der Leipziger Blätter und hat in der Vergangenheit selbst Texte in dem Magazin veröffentlicht.

Damit wurden von Anfang an auch redaktionelle Traditionen gepflegt, denn Hochglanz und aufwändiger Kunstdruck waren schon immer ein Markenzeichen der Leipziger Blätter. Die Herausgeber haben stets darauf geachtet, die Leipziger Blätter so attraktiv wie möglich auszustatten. Keine Zeitschrift für den Tag sollen sie sein, sondern etwas zum Aufbewahren.

Leipzigs Stadtgeschichte seit der DDR im Fokus

Dieses Leipzig-Archiv, wie es Bert Sander nennt, ist im Lauf der Jahre auf über 80 Hefte angewachsen, insgesamt gut 8.000 Seiten, die Leipzigs Stadtgeschichte begleiten und abbilden. Berichtet wird darin über Architektur und Denkmalpflege, Bildende Kunst, Musik, Literatur und Theater, darüber hinaus auch über ökologische Stadterneuerung; nach wie vor mit liebevoll kritischem Blick.

Die Blätter werden nicht nur von Leipzigerinnen und Leipzigern gelesen, sondern tatsächlich auch überregional, das sehen wir an den europaweiten Abonnements.

Bert Sander

Glanz- und Schattenseiten werden in Wort und Bild dargestellt. Das mache die Blätter auch über Leipzig hinaus interessant, meint Bert Sander. "Das ist tatsächlich ein Phänomen. Die Blätter werden nicht nur von Leipzigerinnen und Leipzigern gelesen, sondern tatsächlich auch überregional, das sehen wir an den europaweiten Abonnements." Teilweise seien dies ehemalige Leipziger, die den Kontakt zur Stadt aufrechterhalten wollen, teilweise aber auch Menschen von anderswo, deren Neugierde und Interesse an Leipzig durch die Leipziger Blätter geweckt worden sei.

Redakteur Bert Sander, Autorin Katrin Löffler, Passage Verlag Thomas Liebscher
Bei den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Jubiläum der Leipziger Blätter: Redakteur Bert Sander, Autorin Katrin Löffler und Thomas Liebscher vom Passage Verlag. (v.l.) Bildrechte: Mahmoud Dabdoub

Magazin erscheint regelmäßig zur Leipziger Buchmesse

Jedes Jahr kommen im Frühjahr und im Herbst, den traditionellen Buchmesse-Zeiten, neue Ausgaben hinzu, außerdem erscheinen immer mal wieder Sonderhefte zu Einzelthemen. Präsentiert werden die Hefte stets an wechselnden Orten, damit solle der Kontakt zur Leserschaft auf ganz direktem Weg gepflegt werden, begründet dies Sander. Heft 81 wurde mit einer kleinen Feierstunde zum 40-jährigen Bestehen der Blätter verbunden, nicht von ungefähr in der Alten Nikolaischule, dem Sitz der Kulturstiftung Leipzig. Denn ohne diese Stiftung wäre das längst zum begehrten Sammelobjekt angewachsenen Magazin wohl undenkbar, seit 1991 ist sie die Herausgeberin, um die Leipziger Blätter attraktiv und vor allen Dingen am Leben zu erhalten.

Als die Buchläden zu Beginn der Pandemie geschlossen blieben, sei es nicht leicht gewesen, erinnert sich Bert Sander, die Leipziger Blätter an den Mann respektive die Frau zu bringen. Nun machen ihm steigende Papierpreise zu schaffen. Doch er bleibt Optimist: "Wir sind in unserer Geschichte schon geübt, mit schwierigen Situationen umzugehen. So werden wir mit einigem Geschick wohl auch die Nummern 90 und 100 ansteuern."

Infos zu den Leipziger Blättern Die Leipziger Blätter erscheinen im Passage-Verlag und kosten aktuell 14,90 Euro pro Ausgabe.

Redaktionelle Bearbeitung: Lilly Günthner

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. November 2022 | 15:45 Uhr

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