Sammlung von Carl Adolf von Carlowitz Bücherschatz aus dem 18. Jahrhundert im Schloss Kuckuckstein entdeckt

Das Schloss Kuckuckstein in Liebstadt wurde vor allem durch die DDR-Fernsehsendung "Zauber auf Schloss Kuckuckstein" bekannt. Doch einst beherbergte die beliebte Filmkulisse eine der bedeutendsten Bibliotheken Sachsens. Sie gehörte dem preußischen Militär Carl Adolf von Carlowitz, der vor 200 Jahren in dem Schloss lebte. Von seinen Büchern fehlte bisher jede Spur. Nun hat der Verein, der das Baudenkmal vor dem Verfall retten will, 1.000 Bücher der verschollenen Sammlung in Kisten wiedergefunden.

Schloss Kuckuckstein in Liebstadt - Sachsen
Der Verein Schwarzes Kleeblatt e.V. hat sich 2018 gegründet, um das verfallene Schloss Kuckuckstein im sächsischen Liebstadt zu retten. Bildrechte: IMAGO / Stefan Hässler

Es tut sich was auf Schloss Kuckuckstein: Die Bauarbeiten an den Außenmauern und im Sanitärbereich gehen voran. Dank des Vereins Schwarzes Kleeblatt, der das Schloss 2018 kaufte und damit vor dem Verfall rettete. Laut Vereinsmitglied Jens Höhnel laufe bereits ein Antrag als "National wertvolles Denkmal". Ihm sei aber auch wichtig, dass die Leute vor Ort sich engagierten und etwas bewegten: "Wir können nicht hoffen, dass von oben Gelder kommen. Wir müssen die Macher sein, die Visionäre vor Ort sein."

Berühmt ist Kuckuckstein für seine einzigartige Freimaurerloge mit der dunklen Kammer des einstigen Besitzers Carl Adolf von Carlowitz. Der preußische Generalleutnant hatte um 1800 eine der bedeutendsten Bibliotheken Sachsens zusammengetragen. Tausend Bücher sind davon nun in Kisten außerhalb des Schlosses wieder aufgetaucht. Ein wahrer Schatz. Dieser rettete zu Napoleons Zeiten das Schloss und dessen Herrn.

Selbst Napoleon von Bibliothek beeindruckt

Vereinsmitglied Gabor Schuster erzählt, wie Napoleon hier 1813 eine Nacht verbrachte, durch das Schloss wandelte und die private Bibliothek von Carlowitz entdeckte:

Und Napoleon, eigentlich ein Gegner von Carlowitz, beschließt dann, aha, dieser Mann hat Geist, dieses Schloss ist ein Ort des Geistes. Carlowitz hatte auch viele französische Werke darunter. Und auf Grund dieser Bibliothek wurde das Schloss am Ende doch verschont.

Gabor Schuster, Schwarzes Kleeblatt e.V.

3,5 Millionen will der Verein in das marode Schloss investieren. Vor allem das Dach muss komplett neu gezimmert werden. Gelder kamen vom Landesamt für Denkmalpflege, aus privater Initiative – und man hofft auf Förderer. Der Zeitplan sei auf sieben Jahre ausgelegt und pro Jahr sollen 500.000 Euro investiert werden. "Unser Wunsch wäre 200.000 vom Bund, 200.000 vom Land und 100.000 aus Eigenmitteln zu stemmen", erklärt Vereinsmitglied Höhnel.

Ein Buch aus der geretteten Sammlung von Carl Adolf von Carlowitz im Schloss Kuckuckstein.
Ein Buch aus der geretteten Sammlung von Carl Adolf von Carlowitz. Unter den 1.000 Büchern finden sich auch Ausgaben von Kleist und Novalis. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit Buchpatenschaft dem Verein helfen

Um den Bücherschatz wieder in das Schloss zu bringen, hat der Verein eine Petition an den sächsischen Ministerpräsidenten Micheal Kretschmer und an die deutsche Kulturstaatssekretärin Monika Grütters geschrieben. Und er sucht Buchpaten.

Man kann sich dann in dieses Patenbuch eintragen lassen. Und dieses Buch wird Bestandteil der Bibliothek auf Schloss Kuckuckstein, das heißt, man wird selber Teil der Geschichte und so kann man zum Großen und Ganzen beitragen.

Jens Höhnel, Schwarzes Kleeblatt e.V.

Und so geht die Geschichte von Kuckuckstein weiter. An der jeder mitschreiben kann, wer sich für dieses Schloss und seine Bibliothek begeistert.

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Dieses Thema im Programm: MDR Sachsenspiegel | 18. April 2021 | 19:00 Uhr

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