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Das sind drei unserer Buchtipps aus Sachsen-Anhalt 2021: "Ein Alphabet der Tiere", "Halle Alphabet" von Christian Kreis und "Die Verlassenen" von Matthias Jügler Bildrechte: Collage: Galerie Erik Bausmann / parasitenpresse / Penguin Verlag / Colourbox.de

JahresrückblickBuchempfehlungen: Die besten Bücher aus Sachsen-Anhalt 2021

Stand: 20. Dezember 2021, 04:00 Uhr

Ein fantasievoll illustriertes Bilderbuch über Tiere, ein humorvoll geschriebener Stadtführer über Halle, ein spannender Roman über die DDR-Vorwendezeit und die Machenschaften der Stasi und ein Buch, das Mitschriften aus dem Halle-Prozess gegen einen rechtsextremen und antisemitischen Attentäter versammelt – diese 2021 erschienenen Bücher aus Sachsen-Anhalt sind besonders lesenswert. Eine Auswahl.

Matthias Jügler: "Die Verlassenen" und "Wir gestern heute hier"

Im Roman "Die Velassenen" von Matthias Jügler verliert der Protagonist Johannes Wagner im Alter von fünf Jahren seine Mutter, nach der Wende verschwindet der Vater auf rätselhafte Weise. Die Suche nach Antworten führt Johannes im Erwachsenenalter auf Spurensuche in seine Kindheit zu Zeiten der Vorwende-DDR. Die Lektüre von "Die Verlassenen" ist ein ganz besonderes Leseerlebnis: Denn um seine Erzählung so authentisch wie nur möglich erscheinen zu lassen, hat Matthias Jügler für seinen Roman Stasi-Akten mit einer alten Erika-Schreibmaschine "gefälscht".

Außerdem 2021 von Matthias Jügler erschienen: Seine Anthologie "Wir gestern heute hier". Darin versammelt der Schriftsteller Texte von 19 Autorinnen und Autoren, die auf die gesamtdeutsche Geschichte zurückblicken: Teils kämpferisch, teils nachdenklich. So schreibt etwa Julia Schoch, Preisträgerin des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs, eine berührende Erzählung über die Erinnerungen einer 15-Jährigen an die Nachwendejahre und Peter Wawerzinek schildert, wie er Anfang der 90er-Jahre von Neonazis aus Schwedt gejagt wurde.

Christian Kreis: "Halle Alphabet"

In seinem Buch "Halle Alphabet" hat der Bernburger Autor Christian Kreis humorvolle Texte über die Stadt Halle von A bis Z geschrieben. Er sinniert über die Hässlichkeit des Riebeckplatzes, darüber, ob Hallorenkugeln vielleicht auch als Fensterkitt Verwendung finden könnten und trifft "aufgedonnerte Saalerkreislerinnen mit Arschgeweih". Ein Stadtführer, der etwas anderen Art.

Helmut Brade und Fritz Puschendorf: "Ein Alphabet der Tiere"

Gleich mehrere Generationen liegen zwischen Fritz Puschendorf und Helmut Brade. Der eine ist 14 Jahre alt, der andere 82. Gemeinsame Interessen dürften da schwer zu finden sein. Doch tatsächlich haben sich die beiden eine Zeit lang regelmäßig getroffen, um zu zeichnen. Weil Helmut Brade nicht nur Bühnenbildner, sondern auch Grafikdesigner ist, ist daraus das Buch "Ein Alphabet der Tiere" entstanden.

Dabei handelt es sich um eine Enzyklopädie für Kinder, in der sich neben einem ulkigen Leoparden und einem Gürteltier auch fantastische Wesen wie Drachen finden. Naturgetreue Wiedergabe stand beim Zeichnen nicht im Vordergrund, so Helmut Brade: "Unser Anliegen war es, kleine, sympathische, schön ansehbare Einzelblätter zu machen, die sich im Ganzen zu einer angenehmen Gesellschaft zusammenfinden."

Linus Pook, Grischa Stanjek und Tuija Wigard: "Der Halle-Prozess: Mitschriften"

Am jüdischen Feiertag Jom Kippur am 9. Oktober 2019 versuchte ein Attentäter, in die Synagoge in Halle einzudringen. Da die Türen verschlossen waren, zog er durch die Stadt und erschoss Menschen, die nicht in sein Weltbild passten. Später wurde er gefasst und zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Die Journalisten Linus Pook, Tuija Wigard und Grischa Stanjek haben den Prozess gegen den Attentäter verfolgt und die dabei entstandenen Notizen im Buch "Der Halle-Prozess: Mitschriften" versammelt.

Grit und Niklas Poppe: "Die Weggesperrten"

Autor Niklas Poppe und seine Mutter Grit Poppe, die vor allem für ihre Jugendbücher wie den ausgezeichneten Roman "Weggesperrt" bekannt ist, haben gemeinsam ein Sachbuch mit einem ähnlichen Titel geschrieben: "Die Weggesperrten". Es handelt von Kindern und Jugendlichen, die in der DDR als "schwer erziehbar" galten und in Spezialkinderheimen und Jugendwerkhöfen in Wittenberg, Freital oder Torgau landeten. Noch heute haben viele ehemalige Insassen mit dem Trauma zu kämpfen. Die Autoren dokumentieren in ihrem Buch das Leid der Kinder und Jugendlichen – und lassen sie selbst zu Wort kommen.

Niklas Poppe lebt in Halle und studierte Deutsche Sprache und Literatur sowie Geschichtswissenschaft an der Martin-Luther-Universität (MLU) in Halle. Er beschäftigt sich als Historiker und Mitarbeiter in Gedenkstätten in Halle, Bernburg und Potsdam mit dem Nationalsozialismus und der DDR-Geschichte.

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 16. November 2021 | 18:50 Uhr