Wahlheimat im Osten Sachsens Was den Schriftsteller Lukas Rietzschel in Görlitz hält

Was Musiker Felix Kummer für Chemnitz ist, scheint Schriftsteller Lukas Rietzschel für Görlitz zu sein: Die literarische Stimme des Sachsen wird gehört, bei Markus Lanz sitzt er neben dem Ostbeauftragten Marco Wanderwitz. Es läuft für den 27-Jährigen: Im Schauspiel Leipzig wird sein Stück "Widerstand" gespielt, nach "Mit der Faust in die Welt schlagen" ist sein zweiter Roman "Raumfahrer" draußen. Warum er seiner Wahlheimat bei dem Erfolg treu bleibt und nicht nach Leipzig oder Berlin zieht, darüber sprach Rietzschel mit MDR KULTUR.

Mit 27 Jahren scheint der Autor Lukas Rietzschel in der Literatur angekommen zu sein: Das Schauspiel Leipzig spielt sein Stück "Widerstand" und jüngst hat er seinen zweiten Roman "Raumfahrer" veröffentlicht. Darin spielt die Familengeschichte des berühmten Künstlers Georg Baselitz eine zentrale Rolle. Mit ihm teilt der 1994 in Räckelwitz geborene Rietzschel die Herkunft aus dem östlichen Sachsen.

Der Künstler Georg Baselitz
Georg Baselitz mit seinen markanten auf dem Kopf stehenden Werken. Bildrechte: imago/Jörn Haufe

Mit Bewunderung spricht Lukas Rietzschel über Baselitz: "Der hängt im MoMA (Museum of Modern Art), da muss er niemanden mehr irgendetwas beweisen." Er erklärt, sich gerne mit ihm austauschen zu wollen – und zwar gar nicht unbedingt über seinen Roman: "Weil ich einfach sehr großes Interesse daran hätte, mal mit ihm zu sprechen, mich über seine Heimat zu unterhalten, seine Kunstwerke."

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Er ist Maler, Bildhauer, Grafiker - und ein Querkopf! Inzwischen ist er weltbekannt.

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https://www.mdr.de/meine-heimat/quickiepedia-georg-baselitz-100.html

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Wahlheimat in Görlitz

Der Autor und Schriftsteller Lukas Rietzschel bei einem Fototermin in seinem Wohnort Görlitz.
Wahl-Görlitzer Lukas Rietzschel ist 1994 im ostsächsischen Räckelwitz geboren. Bildrechte: dpa

Mittlerweile lebt Lukas Rietzschel in Görlitz. Wertschätzend spricht er über das örtliche Jugendzentrum Rabyka und die Internationalität durch die Grenznähe zu Polen: "Wenn ich einfach nur danach gegangen wäre, wo ich am günstigsten wohnen kann, gäbe es sicher noch günstigere Städte als Görlitz. Aber das Gefühl zu haben, vor Ort wirkmächtig zu sein, selbstmächtig zu sein – und das auch noch in der Region, die mir am Herzen liegt."

Nicht nach Leipzig oder Berlin

Aktiv mitgestalten zu können liegt Rietzschel besonders am Herzen: "Das ist eigentlich das Modell, das funktionieren sollte, dass idealerweise all die Leute, die mal nach Berlin oder Leipzig gezogen sind, die Koffer wieder nehmen und sagen: Nein, ich gehe wieder in die Klein- und ich gehe wieder in die Mittelstadt zurück. Und ich packe mit an und versuche, es dort lebenswert zu machen."

"Stimme des Ostens"?

Die Einschätzung, dass Menschen wegen des Zuspruchs für die AfD die Gegend verlassen, teilt Lukas Rietzschel nicht: "Dieses Wegziehen aus politischen Gründen – das erlebe ich eigentlich nicht mehr." Gründe sieht er bei der Arbeitsplatzsuche und dem Geldverdienen. Er selbst beansprucht derweil nicht für sich, eine "Stimme des Ostens" zu sein. Dafür fehle ihm, laut eigener Einschätzung, die Qualifikation. Über eine Region vermag er aber doch zu sprechen: "Wenn überhaupt, dann über Sachsen und da auch eigentlich nur partiell über Ostsachsen. Ich erlaube mir nicht mal eine Meinung zu haben über das Vogtland oder das Erzgebirge."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Oktober 2021 | 12:05 Uhr