Trauer Schriftsteller Matthias Biskupek ist tot

Matthias Biskupek 4 min
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Thüringens Ministerpräsiden Ramelow hat den verstorbenen Schriftsteller Matthias Biskupek gewürdigt. Er sei ein wahrhaftiger Erzähler, Essayist und vor allem eine kritische Stimme gewesen, sein Tod sei ein Verlust für Thüringen, sagte Ramelow am Montag. Wie kaum ein anderer habe sich Biskupek mit seinem ganz eigenen Blick in die gesellschaftlichen Debatten der vergangenen Jahrzehnte eingemischt.

Publizist, Satiriker, Schriftsteller

Wie seine Familie dem MDR mitteilte, starb der Publizist, Satiriker und Schriftsteller am Sonntag im Alter von 70 Jahren an einem Krebsleiden. Der 1950 in Chemnitz geborene Autor verfasste mehr als 30 Bücher und schrieb u.a. für Zeitschriften wie das Satireblatt "Eulenspiegel".

Biskupek war ein heiterer, kommunikativer, ausgesprochen geselliger Mensch. Als Schüler und Leseratte hatte er sich das Kellnern als Ferienjob verordnet, um genau so zu werden. Vom Naturell her war Matthias Biskupek mehr am Leben interessiert als an Schreibtischarbeit. Das lässt auch seine Art zu schreiben vermuten: von leichter Hand, heiter und freundlich-respektlos. Er interessierte sich sehr für das, was seine Mitmenschen so trieben. Das hat seinen Gerechtigkeitssinn geprägt. Weit über Mitteldeutschland hinaus war er für Kultur und Gesellschaft eine Stimme von Gewicht – eine Stimme, die im öffentlichen Diskurs fehlen wird.

Schreiben als Lebensprinzip

Zu schreiben begann Biskupek als Schüler, beim Studium wurde es dann zum Lebensprinzip. Und doch absolvierte er ein technisches Studium. Seine Geschichten und Gedichte waren oft skurril, und er spielte gern mit Ordnungsgläubigkeit. Spannend war für ihn, was da alles passiert – und das wollte er festhalten.

Wer schreibt, der bleibt nicht nur, sondern wer schreibt, erkennt manchmal auch etwas genauer, was die Welt im Innersten zusammenhält.

Matthias Biskupek

"Ich will Zeitzeuge sein"

Erich Kästner mit Katze auf dem Arm
Erich Kästner hat Matthias Biskupek inspiriert Bildrechte: Deutsches Literaturarchiv Marbach

Erzählt hat er darüber in einem feuilletonistischen Plauderton, mit einem Faible für Sinn und Unsinn, im Detail aber stets genau. Seine Freude sich mitzuteilen, war immer zu spüren und in seiner Art angenehm. So hat er das Leben protokolliert. Biskupek beschrieb das einmal so: "Ich habe ja auch ein bisschen die Haltung des Chronisten, der sich das anguckt: 'Das willst du mal sehen, wie das ist.' Kästner ist ja zur Bücherverbrennung nach Berlin gegangen, um zu sehen, wie das ist. Es wurden ja auch seine Bücher verbrannt. Und etwas davon haben wahrscheinlich alle Leute, die schreiben oder auch als Journalisten unterwegs sind. Ich will Zeitzeuge sein."

Fenster zur Öffentlichkeit waren vor 1990 die "Weltbühne", der "Eulenspiegel" und verschiedene Verlage, für die er ein halbes Dutzend Bücher geschrieben hat. Die Lokalpresse hielt ihn aber auf Abstand. Das änderte sich ab den 90er-Jahren, dann konnte er all seine Vorhaben umsetzen.

Mehr als 30 Bücher

Weit über 30 Bücher hat Biskupek insgesamt verfasst. Bemerkenswert ist dabei die Vielfalt: Erzählungen, Romane, Krimis, Reisebeschreibungen; er hat über Theater, Literatur und Kabarett geschrieben.

Anerkannt war er auch als Feuilletonist beim "Eulenspiegel", auch bei der Zeitschrift "Ossietzky". Mit besonderer Leidenschaft setzte er sich für das künstlerische Buch bei BurgArt Presse Rudolstadt ein. Kurz vor Antritt des Rentenalters schrieb er eine Chronik in eigener Sache, den "Rentnerlehrling". Einen großen Schlussstrich brachte der neue Lebensabschnitt aber nicht. So schrieb Biskupek täglich für seinen Blog.

Gearbeitet hat er bis es nicht mehr ging. 2020 erschienen "Anekdoten und Briefe der Renate Holland-Moritz", die er mit Reinhold Andert herausgegeben hatte, danach hatte er noch eine Chronik des literarischen Treibens über die Jahrhunderte in Rudolstadt geschrieben, der letzte Eintrag in seinem Tagebuch ist mit dem 4. März datiert. Dann hatte er begonnen, Abschied zu nehmen. Nun ist Matthias Biskupek endgültig verstummt, seine Texte leben jedoch weiter.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 11. April 2021 | 18:00 Uhr