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250. GeburtstagZwischen Jena, Freiberg und Weißenfels: 5 Stationen im Leben von Novalis

von Katrin Wenzel und Hartmut Schade, MDR KULTUR

Stand: 02. Mai 2022, 14:55 Uhr

Überall auf der Welt gilt er als einer der bedeutendsten Dichter der Romantik: Novalis alias Friedrich von Hardenberg. Mit seiner "blauen Blume" hat er gewissermaßen deren Markenzeichen erschaffen. Am 2. Mai jährt sich sein Geburtstag zum 250. Mal. Grund und Anlass für MDR KULTUR, den Novalis-Orten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen einen Besuch abzustatten: Oberwiederstedt, Jena, Grüningen, Freiberg und Weißenfels.

Oberwiederstedt: Dichterkindheit im Revier

Am 2. Mai 1772 wird Friedrich von Hardenberg auf Schloss Oberwiederstedt geboren. Der Renaissance-Bau liegt zwischen Hettstedt und Sandersleben mitten im Mansfelder Revier. Der spätere Dichter ist das zweite von elf Kindern, seine Kindheit ist geprägt durch die Strenge des Vaters, aber auch Natur und Landschaft. 1785 gehen für Friedrich die Jahre in Oberwiederstedt zu Ende, die Familie zieht um. Heute ist das Schloss Sitz der Novalis-Gesellschaft, Forschungsstätte für Frühromantik – und vor allem Museum. Pünktlich zum 250. Geburtstag wurde die neue Dauerausstellung eröffnet.

Weitere InformationenForschungsstätte für Frühromantik und Novalis-Museum Schloss Oberwiederstedt

Adresse:
Schäfergasse 6
06456 Arnstein OT Wiederstedt

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr

Jena: Sehnsuchtsort von Novalis

In Jena studiert Friedrich von Hardenberg Jura. Die Stadt wird für Novalis zum Sehnsuchtsort: Hier pflegt er den kranken Schiller, beginnt seine literarische Karriere und findet einen Kreis Gleichgesinnter. Nach nur einem Jahr in Jena verlässt Friedrich von Hardenberg die Stadt wieder, um in Leipzig und Wittenberg sein Studium zu beenden. Allerdings kehrte er immer wieder zurück.

In der Leutragasse 5, wo heute ein Parkplatz steht, war vor 225 Jahren das intellektuelle Zentrum Jenas. Dort lebten August Wilhelm und Friedrich Schlegel mit ihren Frauen in einer Arbeits- und Feier-Gemeinschaft. Sie bilden den Mittelpunkt der "Jenaer Frühromantik". Im November 1799 ist Friedrich beim großen Jenaer Romantikertreffen in ihrem Haus dabei, bevor ein Jahr später die Gemeinschaft zerfällt.

Grüningen: Wo Novalis seine Verlobte kennenlernt

Nach seinem Jura-Studium soll sich Friedrich von Hardenberg in Tennstedt in die Verwaltung einarbeiten. Einer seiner amtlichen Ausritte führt ihn auf Schloss Grüningen, heute im nördlichen Thüringen gelegen. Am 17. November 1794 lernt er hier die zwölfjährige Sophie von Kühn kennen.

Er fühlt sich zu dem Mädchen hingezogen, es folgt die Verlobung. Aber nur ein Jahr danach wird Sophie krank. Sie stirbt 1797 nach anderthalbjähriger Krankheit nur zwei Tage nach ihrem 15. Geburtstag. Ihr Tod stützt den Verlobten in eine Krise.

Freiberg: Wo aus einem Studenten Novalis wird

1799 ist Friedrich von Hardenberg noch nicht als Novalis bekannt. Aus einer Lebenskrise heraus geht er nach Freiberg, nimmt an der Bergakademie ein Studium auf. Er hört etwa Geologie beim Goethefreund und berühmten Wissenschaftler Abraham Gottlob Werner – und schreibt.

In Freiberg wird aus Friedrich von Hardenberg Novalis. Für seine poetischen Schriften wählte er den Familiennamen eines Vorfahren. Und noch etwas ist untrennbar mit dem Bergstädtchen verbunden: Im hier begonnenen "Heinrich von Ofterdingen" taucht jenes Motiv auf, das seither für die Romantik insgesamt steht: die blaue Blume. Die entdeckt Heinrich natürlich im Berg.

Weißenfels: Wo Novalis den Tod erforschte

Bereits 1785 bezog die Familie Hardenberg in Weißenfels ein herrschaftliches Haus in der Klostergasse – immerhin war Novalis' Vater, Heinrich von Hardenberg, für verschiedene Salinen in der Region verantwortlich. In diesem Haus starb Novalis im Jahr 1801.

Im Stadtpark von Weißenfels befindet sich das Grab des frühromantischen Dichters Novalis Bildrechte: dpa

Bereits im Jahr zuvor war Friedrich von Hardenberg an Tuberkulose erkrankt. Vermutlich hatte er sich bei Friedrich Schiller angesteckt, als er den Dichterkollegen pflegte. Auch bei seiner Frau konnte Novalis erleben, was die Krankheit mit dem Körper anstellt. Unter diesen Eindrücken begann der noch junge Dichter, sich intensiv mit Medizin, Naturwissenschaft und Naturphilosophie zu beschäftigen. Was ist das Leben, wo sitzt die Seele und wie ist ein Gleichgewicht mit Tod und Krankheit möglich – mit solchen Fragen beschäftigte er sich. Zu einer schriftstellerischen Auseinandersetzung kam es nicht mehr: Novalis erlebte noch die Veröffentlichung seiner Fragmentsammlung und der "Hymnen an die Nacht" bevor er einem Blutsturz erlag.

Weitere InformationenAdresse:
Literaturkreis Novalis e. V. Weißenfels
Klosterstraße 24
06667 Weißenfels

Öffnungszeiten
April bis September:
Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr
Samstag und Sonntag von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr
Oktober bis März:
Dienstag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr
Samstag und Sonntag von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 26. April 2022 | 22:00 Uhr