"Leipzigs Neue Seiten" Neuer Podcast zeigt, wie lebendig Leipzigs Literatur-Szene ist

Dass die Buchstadt Leipzig nicht nur eine große Vergangenheit hat, sondern auch eine spannende Gegenwart, macht jetzt ein neuer Podcast hörbar: in Gesprächen und Reportagen mit jungen Verlegerinnen und Verlegern wie Spector Books und Gestalterinnen wie Comic-Zeichnerin Anna Haifisch. "Leipzigs Neue Seiten" heißt das Angebot der Stiftung Buchkunst, das von Nils Kahlefendt verantwortet wird. Wir haben reingehört, wie die Buchstadt Leipzig heute tickt.

Spector Books: Jan Wenzel und Anne König in den Verlagsräumen in der Leipziger Harkortstraße 4 min
Bildrechte: Stiftung Buchkunst / Gert Mothes

In Leipzig kennt man die Stiftung Buchkunst vor allem durch die alljährlich ausgelobten Wettbewerbe um "Die schönsten deutschen Bücher" und "Die schönsten Bücher aus aller Welt". Ausgestellt werden sie traditionell am Stand der Stiftung auf der Leipziger Buchmesse. Eine Insel der Vielfalt und Originalität.

Aus der Corona-Not geboren

Ausgezeichnet wurden über die Jahre nicht wenige Buchkünstlerinnen und -künstler aus Leipzig. Kein Wunder, gilt Leipzig doch noch immer als Buchstadt mit einer lebendigen Szene. Dass die Stiftung Buchkunst, deren Hauptsitz sich in Frankfurt am Main befindet, unter dem Titel "Leipzigs Neue Seiten" nun auch einen Podcast mit anbietet, klingt also vielversprechend.

Auch, wenn es sich dabei streng genommen um eine Notlösung handelt, wie Nils Kahlefendt, der den Podcast betreut, verrät: "Als ich angefangen habe, für die Stiftung Buchkunst in Leipzig zu arbeiten, war die erste Idee, eine Veranstaltungsreihe, also mit den Akteurinnen und Akteuren der Szene in den Verlagen, Agenturen, Ateliers, Büros kleine Gesprächsabende zu machen, live vor Ort mit Publikum." Dann kam die Pandemie und mit ihr die allseits bekannten Einschränkungen.

Einfach nichts tun, das war nun wirklich keine Alternative.

Nils Kahlefendt, Podcaster

Hausbesuch bei innovativen Büchermenschen: Spector Books

Kahlefendt fand ein anderes Format: Er besucht die Akteurinnen und Akteure der Buchszene für seinen Podcast nun zum Gespräch in ihren Wirkungsstätten, das Publikum kann vom Sofa oder der Wiese aus dabei sein.

Cover des Buches "Das Jahr 1990 freilegen".
Cover des Buches "Das Jahr 1990 freilegen". Bildrechte: Spector Books

In der ersten Folge stand Spector Books im Mittelpunkt. Dessen Gründer, Anne König, Jan Wenzel und Markus Dreßen, sind damit seit 20 Jahren verlegerisch in der Stadt aktiv. In ihrem ambitionierten Programm erproben sie unermüdlich neue Möglichkeiten des Gestaltens. Zahlreiche Auszeichnungen, zum Beispiel die des "Schönsten deutschen Buches 2020" für ihren Band "Das Jahr 1990 freilegen", machen Spector Books zu einem Aushängeschild für Leipzigs Buchszene.

"Das ist sicher für viele Leute ein Aha-Effekt gewesen", mutmaßt Herausgeber Jan Wenzel im Podcast über den Erfolg, "dass man ein Buch, das sich mit Zeitgeschichte beschäftigt, eben von Grund auf anders aufbaut. Also nicht überlegt, welche Autoren will man jetzt einladen, sondern in der Art und Weise, wie das Material präsentiert wird, im Zusammenspiel von Texten und Bildern. Aber auch in der Aufteilung der Seite, die selbst jeweils eine Bühne darstellt, zu sagen, man kann eine geschichtliche Erfahrung und auch eine Wiederbegegnung mit der eigenen Geschichte in anderer Weise in Buchform umsetzen."

Eine Doppelseite aus dem Buch 'Das Jahr 1990 freilegen'
Doppelseite aus dem Buch "Das Jahr 1990 freilegen" Bildrechte: Spector Books

Abstecher in die Druckerei

Zugegebenermaßen muss man sich beim Zuhören schon konzentrieren, um nicht den Faden zu verlieren. Dennoch richtet sich der Podcast ausdrücklich an einen großen Kreis von Hörerinnen und Hörern, wie Kahlefendt betont:

Wir wollen gern die Breite und die Vielfalt dieser Szene zeigen, und haben jetzt nicht daran gedacht, einen High-End-Expertendialog über Fragen der Buchgestaltung zu führen, sondern es sollte erstmal zeigen, was es hier alles gibt.

Nils Kahlefendt, Podcaster
DZA: Geschäftsführer Peer-Philipp Keller und Kundenberaterin Marina Arnoldt im Showroom
DZA: Geschäftsführer Peer-Philipp Keller und Kundenberaterin Marina Arnoldt im Showroom Bildrechte: Stiftung Buchkunst / Gert Mothes

Zum Beispiel eine Reihe interessanter Comic-Zeichnerinnen, Illustratoren und Typografen, also Gestaltern, die neue Schrifttypen entwickeln. Viele davon sind Absolventen der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Die ist bekannt für ihre fundierte Ausbildung in diesem Bereich. Dabei ist dem Initiator des Podcasts eines wichtig: "Mir geht es auch darum, diese Beziehungsgeflechte zu zeigen. Ein Verlag hat natürlich mit einer Druckerei zu tun, mit Gestaltern, mit Lektorinnen und Lektoren", so Kahlefendt.

DZA Zwei: Blick in die Druckerei
DZA: Blick in die Druckerei Bildrechte: Stiftung Buchkunst / Gert Mothes

In Folge Eins hat Kahlefendt deshalb auch einen Besuch in der Druckerei DZA in Altenburg eingeflochten. So hört man im Hintergrund sogar ein paar Druckmaschinen rattern, was den einstündigen Podcast lebendig macht.

Karthografie der neuen Buchstadt

Anna Haifisch und Max Baitinger auf dem Balkon ihres Ateliers in der Leipziger Kochstraße
Anna Haifisch und Max Baitinger, sie organisierten das Independent-Festival "Millionaires Club" für Comics, Plakate und Grafik lange mit. Bildrechte: Stiftung Buchkunst / Gert Mothes

Wem das noch nicht reicht, der kann sich auf der Homepage der Stiftung Buchkunst durch eine Bilderserie klicken, die der Leipziger Fotograf Gerd Mothes in dem Verlag und der Druckerei geschossen hat – und begleitend zu den weiteren Folgen schießen wird.

"A la long entsteht eine Kartografie dieses Buchortes in Texten, Bildern und Tönen", sagt Nild Kahlefendt, der so Lust machen will, peu a peu Leipzigs neue Seiten kennenzulernen.

Infos zum Podcast: "Leipzigs Neue Seiten" Der Podcast "Leipzigs Neue Seiten" ist auf der Homepage der Stiftung Buchkunst zu finden und kann zum Beispiel über Spotify gehört werden. Alle zwei Monate kommt eine neue Folge, die rund eine Stunde lang ist.

Folge #1: Spector Books oder Wie viele Gespenster passen in ein Buch? (18. März)

Folge #2: Comics in LE oder Wer wird Millionaire? (18. Mai)
In der Mai-Folge spricht Nils Kahlefendt mit den Comiczeichnerinnen Lina Ehrentraut, Anna Haifisch und Max Baitinger.

Folge #3: Lamm + Kirch oder Digital ist besser? (18. Juli)

Literatur in und aus Leipzig

Zur Geschichte der Buchstadt Leipzig

Gutenberg-Druckerpresse - historischer Stich
Gutenberg-Druckerpresse - historischer Stich Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Juni 2021 | 18:05 Uhr

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Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei