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Mit "Rude Girl" legt Birgit Weyhe erneut einen Comic vor, der sich auf verschiedenen Ebenen mit persönlicher Identität und Lebensperspektiven auseinandersetzt. Das Buch ist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2023 nominiert. Bildrechte: Birgit Weyhe

EmpfehlungErstmals Comic für Preis der Leipziger Buchmesse nominiert: "Rude Girl"

15. April 2023, 04:00 Uhr

In Birgit Weyhes Comic "Rude Girl" geht es um eine schwarze US-Amerikanerin aus einfachen Verhältnissen, die Germanistik-Professorin wird. Die Geschichte wurde in der Kategorie Sachbuch für den Preis der Leipziger Buchmesse 2023 nominiert – als erster Comic überhaupt. In ihren Büchern zeichnet Weyhe, was Menschen umtreibt, wie sie wurden, was sie sind – und zwar ganz gleich, aus welcher Kultur sie kommen, welche Hautfarbe sie haben oder wie alt sie sind. Eine Empfehlung.

von Andrea Heinze, MDR KULTUR

In "Rude Girl" erzählt Birgit Weyhe die Geschichte eines Empowerments. Vorbild dafür ist Priscilla Layne, eine Germanistik-Professorin in North Carolina mit karibischen Wurzeln. Weyhe recherchiert diese Biografie mit einer Neugier, die schon ihre vorangegangenen Arbeiten stark gemacht haben. Weil sie so Menschen mit all ihren Facetten zeichnet und eben keine Stereotype bedient.

Auf der Suche nach Zugehörigkeit

Für "Rude Girl" bedeutet das, dass die Protagonistin im Literaturkurs an der Uni nicht nur die Texte von Rilke, Storm oder Else Lasker-Schüler diskutieren will, sondern auch von der afrodeutschen May Ayim. Dass ihr in der karibischen Gesellschaft die Geschlechterrollen zu eng sind. Dass sie sich der linken Skinhead-Bewegung anschließt. Und dass sie von der afroamerikanischen Community in den USA nicht als zugehörig anerkannt wird.

Szene aus dem Comic "Rude Girl": Priscilla Layne zeigt ihre Zugehörigkeit zur Skinheadszene durch ihren Haarschnitt – was zu Auseinandersetzungen mit ihrer Mutter führt. Bildrechte: Birgit Weyhe

Birgit Weyhe: eine Künstlerin mit interkultureller Erfahrung

Weyhe wurde 1969 in München geboren und verbrachte ihre Kindheit in Ostafrika. Das Spannungsverhältnis von Fremdheit und Zugehörigkeit kennt sie aus eigener Erfahrung.

Erst spät, mit Anfang 30 ist Weyhe zum Comic gekommen, hat an der Hamburger Universität für Angewandte Wissenschaften Illustration studiert. Dass sie sich während des Studiums auch für die freie Kunst interessiert, merkt man ihren Comics bis heute an.

Weyhe entwirft Muster, die aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten zu kommen scheinen – und die in ihren jüngeren Comics immer mehr zu abstrakten Strukturen werden. Etwa zu dunklen Wolken, die sie über ihre Protagonisten legt – zum Beispiel, als sie von dem Missbrauch erzählt, den die junge Pricilla Layne erlebt.

Der Zeichenstil von Birgit Weyhe ist klar, es werden wenige, prägnante Farben verwendet. Bildrechte: Birgit Weyhe

"Rude Girl" deckt durch Perspektivwechsel Vorurteile auf

Besonders stark ist "Rude Girl", weil Weyhe mehr Fragen stellt, als Antworten gibt. Etwa in der Diskussion, ob weiße Menschen überhaupt die Geschichte von schwarzen Menschen erzählen dürfen.

Weyhe schafft als Reaktion darauf eine multiperspektivische Erzählung, in der sie zeigt, wie sie Passagen ihres Comics immer wieder Priscilla Layne zur Diskussion vorlegt und damit auch die Unsicherheiten offenlegt – und ebenso die Vorurteile, die sie selbst eben doch verinnerlicht hat.

Birgit Weyhe thematisiert in "Rude Girl" auch das Zeichnen ihres Comics, sie lädt die Betrachter*innen damit zur Auseinandersetzung und zum Perspektivwechsel ein. Bildrechte: Birgit Weyhe
Cover des Comics "Rude Girl" Bildrechte: Avant Verlag

Infos zum Comic"Rude Girl"
Text und Zeichnung: Birgit Weyhe

312 Seiten,
Softcover, 17 x 24 cm, vierfarbig
ISBN: 978-3-96445-068-5
Avant Verlag, 2023
26 Euro

Redaktionelle Bearbeitung: op

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 15. April 2023 | 18:05 Uhr