"Katzen trinken keinen Tee" Satire über die Freundschaft zwischen einem Geflüchteten und einer obdachlosen Katze

Ayhan Urmiye ist vor vier Jahren aus dem Iran geflüchtet. Der Journalist, Filmemacher und Satiriker lebt in Sömmerda im Flüchtlingsheim, wo er eine eigene Satire-Show hat. Jetzt erschien sein Buch "Katzen trinken keinen Tee". Die satirischen Kurzgeschichten über sein Leben mit einer sprechenden Katze geben einen Einblick in den manchmal absurden Alltag eines Flüchtlings.

Das Buchcover zu Katzen trinken keinen Tee zeigt einen Mann und eine Katze, die sich gegenseitig anschauen.
Im Buch "Katzen trinken keinen Tee" gewährt Ayhan Urmiye Einblick in das Leben eines Geflüchteten. Bildrechte: Proof Verlag

Was bitte schön ist eine Arschintegration? So lautet nämlich der Titel der ersten satirischen Kurzgeschichte von Ayhan Urmiye. Über den Autor muss man wissen, dass er vor vier Jahren den Iran aus politischen Gründen verließ und in Sömmerda im Flüchtlingsheim lebt. Er ist Journalist, Filmemacher und Satiriker und gewann 2020 beim Thüringer Kurzfilmfestival einen Preis.

Aber zurück zur "Arschintegration". Die Geschichte beginnt mit der herrenlosen Katze Hans, die seit Jahren hier lebt. Sie beherrscht Türkisch, Kurdisch und etwas arabisch und sie hat kein Interesse, dass die Leute hier alle Asyl bekommen und das Lager verlassen. Warum sie so denkt, kann sie auch vortrefflich formulieren, denn sie kann sprechen.

Mehrsprachige Katze philosophiert über Hygiene

Eine Illustration aus dem Buch "Katzen trinken keinen Tee" zeigt ein schwarz-weiß gezeichnetes Porträt eines Mannes.
Ayhan Urmiye flüchtete aus politischen Gründen vor vier Jahren aus dem Iran. Bildrechte: Proof Verlag

Sie freundet sich mit unserem Autor an und sie kommen ins Gespräch.  Es geht um das Reinigungspersonal, das die Plastik-Gießkannen auf den Toiletten einfach in den Müll geworfen hat: Wie blöd sind die denn, wissen die nicht, dass sich Geflüchtete den Arsch mit Wasser und nicht mit Toilettenpapier abwischen? Abgesehen davon, dass Wasser hygienischer ist. Hans führt geschickt einen kulturellen Diskurs über Arschhygiene und das Verständnis für kulturelle Unterschiede. Dabei gerät Toilettenpapier in eine berechtigte Kritik und mit ihr eine gewisse Ignoranz in unserem Integrationsverständnis.

Einblicke in den Alltag im Flüchtlingsheim

Eine schwarz-weiße Zeichnung aus dem Buch "Katzen trinken keinen Tee" zeigt einen Mann, der vor einem Baum steht und sich mit einem Katze unterhält.
Szene aus dem Buch "Katzen trinken keinen Tee" von Ayhan Urmiye. Bildrechte: Proof Verlag

Die Plaudereien zwischen Ayhan und der Katze Hans sind der Beginn einer wunderbaren Freundschaft und gewähren dem Leser Einblick in den manchmal absurden Alltag eines Flüchtlings. Denn Hans, so der Autor, ist mehr als nur eine Katze: "Hans steht für die Menschen, die versuchen zu überleben. Millionen von ihnen auf der Welt haben die gleiche Geschichte. Hans sagt: Das Leben ist nicht fair, wenn du dir vorstellen könntest, in einer Familie zu leben. Du könntest aber auch die Katze von Angela Merkel sein, und dann stell dir vor: Am Tag spricht sie im Parlament über das Budget für das nächste Jahr – und am Abend kommt sie nach Hause und spielt mit mir. Und ich kann das Leben genießen."

Satire made in Iran mit einer eigenen "Heute Show"

Ein großes und hochpolitisch aufgeladenes Thema verliert hier durch den dramaturgischen Kniff – die Katze hat ja gewissermaßen Narrenfreiheit – ihre Schwere, aber nicht ihre Tragik. Diese wird in allen Geschichten begleitet von der Komik. Das Lachen ist wie eine Einladung um Verständnis, aber auch Mitgefühl für die Menschen im Flüchtlingsheim. In diesem produziert unser Autor übrigens eine eigene "Heute Show". Eine Satire aus kurdischer Sicht.

Informationen zum Buch "Katzen trinken keinen Tee"
von Ayhan Urmiye
Erschienen im Proof Verlag Erfurt

166 Seiten
Preis: 14, 90 Euro
ISBN: 978-3949178177

Redaktionelle Bearbeitung: Judith Burger

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | 15. November 2022 | 19:00 Uhr

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