Pläne für die Zukunft "Bibo 7/10": Städtische Bibliotheken Dresden zukünftig täglich geöffnet

Seit vergangener Woche ist es in den Städtischen Bibliotheken Dresden wieder möglich, Bücher, Zeitschriften, DVDs und Spiele auszuleihen. Online oder telefonisch vorbestellt, kann man die gewünschten Medien zu einem Termin kontaktlos abholen. Dies soll ein erster Schritt in Richtung Öffnung sein. Der Zuspruch bisher ist jedenfalls enorm. Auch mit veränderten Öffnungszeiten möchte man den Bibliotheksmitgliedern entgegenkommen: In einigen Stadtteilen sollen die Büchereien bald an sieben Tagen in der Woche geöffnet haben.

Blick auf Bücher in den Regalen der Hauptbibliothek der Städtischen Bibliotheken Dresden
Aktuell kann man nur mit Vorbestellung Medien ausleihen. So bald wie möglich möchten die Städtischen Bibliotheken Dresden aber wieder ihre Räumlichkeiten öffnen – und den Nutzerinnen und Nutzern erweiterte Öffnungszeiten anbieten. Bildrechte: dpa
Blick auf Bücher in den Regalen der Hauptbibliothek der Städtischen Bibliotheken Dresden 4 min
Bildrechte: dpa

Die Städtischen Bibliotheken Dresden haben den Ausleihbetrieb wieder aufgenommen. Ab diesem Jahr soll außerdem das bisherige Pilotprojekt "Bibo 7/10" erweitert werden: Die Büchereien werden täglich geöffnet sein.

MDR KULTUR - Das Radio Di 09.02.2021 18:00Uhr 03:59 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Blick auf Bücher in den Regalen der Hauptbibliothek der Städtischen Bibliotheken Dresden 4 min
Bildrechte: dpa

Die Städtischen Bibliotheken Dresden haben den Ausleihbetrieb wieder aufgenommen. Ab diesem Jahr soll außerdem das bisherige Pilotprojekt "Bibo 7/10" erweitert werden: Die Büchereien werden täglich geöffnet sein.

MDR KULTUR - Das Radio Di 09.02.2021 18:00Uhr 03:59 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Volles Haus – so lässt sich wohl am besten beschreiben, was sich in der Zweigstelle Südvorstadt der Städtischen Bibliotheken Dresden an den Wochenenden abspielt, wenn gerade nicht Corona-Lockdown herrscht. Seit November 2019 hat die Stadtteilbücherei auch an Sonnabenden und Sonntagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet und das kommt bei den Nutzerinnen und Nutzern extrem gut an. Katrin Doll, Leiterin der Zweigstelle, erinnert sich noch gut an den Montag nach dem ersten offenen Wochenende. Die Ausleihfrequenz habe über Sonnabend und Sonntag fast das Niveau einer Fünf-Tage-Woche erreicht.

Pilotprojekt war sehr erfolgreich

Dieses Konzept der so genannten "open library" – oder wie es in Dresden heißt, der "Bibo 7/10", stammt aus Skandinavien und wurde als Pilotprojekt in der Bibliothek Südvorstadt gestartet. Nachdem diese Phase jetzt abgeschlossen ist, wird auch künftig die Tür der Zweigstelle den Nutzerinnen und Nutzern täglich offen stehen.

Es war die Tendenz, dass wir in den zwei Tagen, fast genauso viel Publikum erreicht haben, wie in fünf Tagen in der Woche.

Katrin Doll, Leiterin der Zweigstelle Südvorstadt

Organisiert ist das Ganze so, dass an den regulären Schließtagen – das betrifft hier die Wochenenden sowie den Donnerstagnachmittag – Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Wachschutzfirma vor Ort sind und ein Auge auf das Geschehen haben. Zumeist sind es Studierende mit Affinität zu Bibliotheken, welche dann nur teilweise die regulären Aufgaben erfüllen sollen, erklärt Katrin Doll: "Zu Bestandsaufgaben werden sie nicht so sehr befragt, aber zu diesen ganzen technischen Sachen, was an diesen Ausleihautomaten ist oder wie man eben einen Katalog bedient. Ansonsten sollen sie ja nicht unsere Arbeit übernehmen, sondern sollen wirklich für die Ordnung und Sicherheit hier sorgen."

Nutzung bis 22 Uhr

Städtische Bibliotheken Dresden Zweigstelle Südvorstadt
Seit November 2019 läuft "Bibo 7/10" in der Zweigstelle Südvorstadt. Bildrechte: Katrin Doll/Städtische Bibliotheken Dresden

"Bibo 7/10" beinhaltet aber noch mehr: Wie der Name sagt, kann man die Räume der Bibliothek sieben Tage von 10 bis 22 Uhr nutzen. So können eben auch nach 18 Uhr beispielsweise Vereine, Gruppen und Initiativen nach vorheriger Anmeldung die Räume buchen, sich hier treffen oder auch Veranstaltungen durchführen. Genug Platz dafür ist da, es gibt gemütliche Sitzecken ebenso wie Beamer und eine Soundanlage, etwa für Vorträge. Bezahlen muss man dafür nichts. Und die Kosten, die in diesem Zeitraum für den Wachdienst entstehen, übernimmt der Stadtbezirk.

Bibliothek als Ort der Begegnung

Der bibliothekarische Fachdirektor der Städtischen Bibliotheken Dresden, Roman Rabe, verdeutlicht, dass der Kerngedanke ist, einen Raum der Zusammenkunft zu schaffen. Zumal Informationsvermittlung und Medienausleihe, bisheriges Kerngeschäft von Bibliotheken, inzwischen auch verstärkt über das Internet und Streamingsdienste ablaufen.

Diese Idee, die Bibliothek zu einem dritten Ort zu machen, also neben Arbeit und Zuhause einen öffentlichen Ort anzubieten, der Identifikation mit der eigenen Kommune oder, noch kleinteiliger, mit dem eigenen Stadtteil schafft, wo sich Menschen begegnen, das ist das, was wir durchaus auch als eine zukünftige Aufgabe von Bibliotheken sehen.

Roman Rabe, Bibliothekarischer Fachdirektor der Städtischen Bibliotheken Dresden

Weiterhin stoße dieses Projekt Überlegungen an, um bestehende Defizite in der Stadt zu erkennen. Zum Beispiel, welche weiteren angemieteten Räume dauerhaft offengehalten werden können, um eingesetzte Ressourcen intensiv zu nutzen, so Roman Rabe.

"Bibo 7/10" wird weitergeführt

Ab diesem Jahr wird "Bibo 7/10" auf weitere Stadtteilbibliotheken ausgeweitet, pro Jahr sollen jeweils zwei dazukommen. Finanziert wird das unter anderem durch eine Erhöhung der Gebühren. Allerdings, unterstreicht Roman Rabe, habe man sich dabei an Beträgen orientiert, wie sie in vergleichbaren Städten wie Leipzig gezahlt würden. So kostet der Jahresbeitrag für einen Erwachsenen im Abo demnächst 15 statt zehn Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 können die Büchereien aber weiterhin kostenlos nutzen. Dass sich diese Investition wiederum lohnt, zeigen auf jeden Fall die Erfahrungen von Katrin Doll in der Bibliothek Südvorstadt.

Und auch wenn bisher coronabedingt die Idee von einer Art Nachbarschaftszentrum in ihren Räumen noch nicht getestet werden konnte, ist Katrin Doll auch da zuversichtlich. Denn es habe schon etliche Anfragen gegeben, die das Kontingent erfüllt hätten. "Insofern habe ich überhaupt gar keine Sorge, dass das beworben werden müsste – also das läuft!"

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. Februar 2021 | 18:10 Uhr

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei