Buch-Empfehlung Von Shakespeare bis Goethe: So viel Literatur steckt in "Star Trek"

Ob Goethe, Shakespeare, Gullivers Reisen oder Alice im Wunderland. In der Kultserie "Star Trek: Enterprise" wird viel zitiert. Mit dem Buch "Die Literatur in Star Trek" des Jenaers Klaus Vieweg können die Anspielungen entdeckt werden.

Die Literatur in Star Trek, Buch 4 min
Bildrechte: Cross Cult, Olivia Vieweg

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Seit mehr als 50 Jahren dringt das Raumschiff Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Zeichnung - Captain Kirk liegt gefesselt auf dem Erdboden eines Planeten. Um ihn herum stehen winzige Personen und ziehen an den Seilen.
Gullivers Reisen führen ebenso in unbekannte Welten mit überraschenden Bewohnern wie Star Trek Bildrechte: Cross Cult, Olivia Vieweg

Obwohl: Ganz so fremd erscheinen uns diese Galaxien dann doch nicht. Dafür sorgen auch zahlreiche literarische Rückgriffe, die der Jenaer Philosophie-Professor Klaus Vieweg in seinem jüngsten Buch aufzeigt.

In Star Trek gehe es um Fantasie-Flüge in ferne Welten, erklärt Vieweg, aber wie bei Gullivers Reisen werde dabei stets auf uns selbst geblickt: "Wie bei Swift werden bei Star Trek abenteuerliche Reisen im Sinne der Gewinnung on Wissen, also Entdeckungsreisen, durchgeführt. Es geht also um die Behandlung von Grundfragen der menschlichen Existenz: Rationalität und Gefühl, Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Kulturen. Krieg und Frieden, Solidarität, Liebe, Hass."

Über den Autor

Klaus Vieweg
Klaus Vieweg Bildrechte: IMAGO / VIADATA

Eigentlich ist der Jenaer Philosophie-Professor Klaus Vieweg ein Experte für Friedrich Hegel. Seine Biographie "Hegel – Der Philosoph der Freiheit" wurde zum 250. Geburtstag des Denkers ein Bestseller und in mehrere Sprachen übersetzt, etwa ins Englische und Chinesische. Nun widmet sich Klaus Vieweg einem ganz anderen Thema: In seinem neuen Buch beschäftigt er sich mit den literarischen Bezügen in der Fernsehserie Raumschiff Enterprise.

Die Literatur in Star Trek, Buch
Manche Lebensformen im Star-Trek-Universum erscheinen nicht weniger absurd, als einem sprechenden Kaninchen zu begegnen. Bildrechte: Cross Cult, Olivia Vieweg

Das Raumschiff Enterprise war für den Drehbuchautoren und Produzenten Gene Roddenberry seine Metapher für das Raumschiff Erde – so hat es Sulu-Darsteller George Takei einmal ausgedrückt. Überhaupt hat Gene Roddenberry als Schöpfer der Serie dafür gesorgt, dass die Literatur eine prominente Stelle einnimmt. In vielen Episoden der Originalserie gibt es Bezüge zur Seefahrt, etwa zu Moby Dick. Das weiße Kaninchen aus Alice im Wunderland läuft über den Bildschirm. Außerdem werden Arthur Conan Doyle und seine Geschichten um Sherlock Holmes, die Brüder Grimm und Johann Wolfgang von Goethe zitiert.

"Roddenberry war, wie ich gelesen habe, von Jugend an ein eifriger und fleißiger Leser. Von Weltliteratur bis hin zu populären Magazinen, wie etwa die Science-Fiction-Autoren Lovecraft und Assimov", so Vieweg. Hinzu kommt: Als die Originalserie in den 1960er-Jahren gedreht wurde, war das Budget knapp und die Tricktechnik noch nicht sehr ausgereift. Eine gute Geschichte lenkte dabei von den improvisierten oder fehlenden Effekten ab. Vorbild war ein ums andere Mal William Shakespeare, erzählt Klaus Vieweg. Er sollte die Geschichten von Captain Kirk, Mr. Spock und Dr. McCoy über Jahrzehnte prägen: "Und das Highlight für mich: der Film Das Unentdeckte Land, wo es dann die fulminanten Dialoge gibt zwischen Captain Kirk und dem Klingonen-Commander, brillant gespielt von Christopher Plummer."

"Hamlet"-Zitate zwischen Mr. Spock und Captain Kirk

Im sechsten Kinofilm der Reihe, dessen Titel bereits auf Hamlet verweist, reihen sich die Shakespeare-Referenzen förmlich aneinander. Während der finalen Schlacht werden zum Beispiel "Der Sturm" und "Julias Caesar" zitiert.

 Das Fest ist jetzt zu Ende, Kirk! [Schlachtgeräusche] Mord rufen und des Krieges Hund entfesseln!

Shakespeare-Zitate aus "Star Trek"
Zeichnung - Captain Kirk und Spock im Streitgespräch.
Auch von Captain Kirk gab es eine böse Abspaltung – wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde Bildrechte: Cross Cult, Olivia Vieweg

Ein weiteres literarisches Vorbild für die Originalserie waren Abenteuergeschichten, sagt Klaus Vieweg. Und das hat auch in der Figurenzeichnung Spuren hinterlassen: "Für Captain Kirk ist auch der draufgängerische Kapitän Hornblower eine Vorlage, aus den in den 50er-Jahren populären Storys von Cecil Forester. Und für Mr. Spock bilden die sogenannten Wissenschaftshelden ein Muster, die in verschiedener literarischer Form damals präsent waren."

Bezüge zu "Peter Pan"

Zeichnung - Captain Kirk liest ein Buch.
Einen in ein Buch vertieften Captain Kirk gab es in der Fernsehserie jedoch nur selten zu sehen. Bildrechte: Cross Cult, Olivia Vieweg

Der abenteuerlustige und ewig jugendliche Captain Kirk hat aber noch ein weiteres Vorbild - zumindest eines, das ihm in seinem letzten Kinoabenteuer zugeschrieben wird. Sein finaler Befehl an Bord der Enterprise nimmt auf niemand geringeren als Peter Pan Bezug: "Der zweite Stern von rechts, Mr. Chekov. Bis zum Morgengrauen..."

Wie Peter Pan scheinen auch die Geschichten um Captain Kirk und Mr. Spock nicht zu altern. Das liegt, wie Klaus Vieweg auf anschauliche und oft unterhaltsame Weise zeigt, an den allzu menschlichen Fragen, die in ihnen verhandelt werden. Auch deshalb ist die Serie - genau wie die literarischen Werke, auf die sie Bezug nimmt – zum Klassiker geworden.

Die Literatur in Star Trek, Buch, Cover
Buchcover: "Die Literatur in Star Trek" Bildrechte: Cross Cult, Olivia Vieweg

Angaben zum Buch: "Die Literatur in Star Trek"
von Klaus Vieweg

mit Illustrationen von Olivia Vieweg

Verlag: Cross Cult
ca. 220 Seiten

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. Juli 2021 | 18:05 Uhr

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