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BuchtippUnentdeckte Schätze in den Museen Sachsen-Anhalts

Ob Rammstein-Sandale oder Mammut-Ohr

Dieses Buch zeigt versteckte Schätze in Sachsen-Anhalts Museen

von Sandra Meyer, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt

Stand: 07. Oktober 2021, 18:11 Uhr

Sachsen-Anhalt ist reich beschenkt mit seinen fünf UNESCO-Welterbestätten, aber das Land hat auch eine vielfältige Museumslandschaft mit Regional- und Spezialmuseen, die es zu besuchen lohnt. Als Lockmittel gibt es jetzt ein Buch: "Unentdeckte Schätze in den Museen Sachsen-Anhalts", herausgegeben vom Museumsverband des Landes. Mit tollen Fotos und spannenden Geschichten, u.a. um eine Sandale des Rammstein-Musikers Flake, Klopstocks Schlittschuhe oder ein Mammut-Ohr.

Musik erzeugt durch eine mächtige Holzmaschine, die einen ganzen Raum einnimmt – das Kloster Michaelstein sammelt Musikinstrumente und dieses eine ist besonders kurios: denn es wird durch Wasserkraft betrieben, wie Ute Omonsky erklärt. Sie deutet auf die drei Wasserräder, die Stiftswalze und die Bälge für die Orgel, die die Galatea in Bewegung setzen.

Museumsverband Sachsen-Anhalt zeigt 84 Schätze

Versteinertes Mammut-Ohr Bildrechte: Imhof Verlag

Die aus dem Barock nachgebaute Musikmaschine ist nur eines von 84 außergewöhnlichen Objekten, die der Museumsverband Sachsen-Anhalt in seiner neusten Publikation präsentiert: "Unentdeckte Schätze" heißt das großformatige, durchaus schwere und hochwertige Buch, wobei viele von ihnen sicher nicht auf Anhieb der traditionellen Vorstellung von "Schätzen" entsprechen, wie Präsident Ulf Dräger erklärt:

"Die Idee war es, ein sehr schönes Buch zu machen, das die vielen kleinen Häuser, von denen man weiß, dass sie existieren oder vielleicht gar nicht weiß, dass sie existieren, die Chance zu geben, ihre unentdeckten Dinge zu zeigen. Es ging jetzt also nicht darum, den Magdeburger Reiter oder die Himmelsscheibe vorzustellen. Ganz im Gegenteil: Wir wollten Dinge zeigen, die genauso beachtenswert sind und bei denen es sich ebenfalls lohnt, diese einmal anzuschauen."

Vom mittelterlichen Kunstwerk bis zum Industrie-Artefakt

Und das ist gelungen, denn allein die aufwendig fotografierten Museumsstücke machen neugierig, aber vor allem auch die dazugehörigen Geschichten, die Objekte so besonders machen, wie Ulf Dräger sagt. Die Auswahl sei chronologisch zusammengestellt worden, so dass sich eine große Vielfalt ergebe "vom mittelalterlichen Kunstwerk, genau genommen von der Steinzeit, bis hin zu industriellen Artefakten".

Schlacke aus Mansfeld für Europas Straßen

Echte Schlacke, das Abfallprodukt des Mansfelder Kupferbergbaus fand reißenden Absatz. Bildrechte: Imhof Verlag

Da wird dann auch schon mal ein schnöder Pflasterstein aus dem Industriemuseum in Hettstedt zu einem "hochgeschätzten" Exponat.

Denn als Bergbaufolgeprodukt sagt der dortige Kurator Sebastian Görtz, stehen Pflastersteine im besten Sinn für die Region Mansfeld, die über Jahrhunderte vom Bergbau geprägt war:

"Einige Zeit lang hat sozusagen dieses Abfallprodukt des Kupferbergbaus viel höhere Absatzzahlen gehabt als das Kupfer selber. Und in allen europäischen Großstädten findet man Pflastersteine aus Mansfelder Kupferschlacke."

Skurrile Exponate: Klopstocks Schlittschuhe und DDR-Deodorant

Schlittschuhe eines Dichters Bildrechte: Imhof Verlag

Alltagsgegenstände, auf die man stolz sein kann, weil sie weltweite Verbreitung fanden, oder aus dem normalen Leben berichten, etwa die Schlittschuhe des Dichters Klopstock.

Im Weißenfelser Schuhmuseum findet man außerdem die Sandalen des Rammstein-Musikers Flake.

Sandalen des Rammstein-Musikers im Weißenfelser Schuhmuseum Bildrechte: Imhof Verlag

Ein Gemälde im Georgium in Dessau zeigt nicht nur den Turmbau zu Babel, wie Dräger erklärt: "Auf der Rückseite ist ein Stadtplan von London. Und man hat immer nur das Gemälde vor Augen. Aber die Rückseite ist viel, viel spannender, weil wir so einen frühen Stadtplan kaum haben. Aber Sie finden hier auch dieses Deo-Spray aus DDR-Zeiten aus dem Haus der Geschichte in Wittenberg. Sie finden ein Ohr eines Mammuts und ganz viel andere interessante Objekte die eigentlich ein Teil unserer großartigen Kulturgeschichte sind."

Lust aufs Original machen

Kurz prägnant und unaufgeregt werden diese teils skurrilen, und auch spektakulären Geschichten erzählt, so dass der Leser nur zu gerne das Original sehen möchte. Die dafür notwendige Übersichtskarte sämtlicher Museen wird mitgeliefert. Inspirierend! So kann sich die Museumslandschaft in Sachsen-Anhalt sehen lassen.

Angaben zum Buch"Unbekannte Schätze in den Museen Sachsen-Anhalts", herausgegeben von Ulf Dräger und Annegret Laabs
256 Seiten mit 181 Farb-Abbildungen, Michael Imhof Verlag
ISBN: 978-3-7319-0963-7

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 07. Oktober 2021 | 07:40 Uhr