Buchhandel als positive Herausforderung Magdeburgs älteste Buchhandlung wird 180

1841 wurde die älteste Buchhandlung Magdeburgs gegründet. Seit 1912 ist sie im Besitz der Familie Wahle und hat in ihrer Geschichte schon einige Krisen überlebt. Inhaber Wolfram Wahle sieht den Buchhandel als positive Herausforderung und bleibt trotz Lockdown zuversichtlich.

vBlick in die Buchhandlung Fritz Wahle in Magdeburg. 4 min
Bildrechte: Wolfram Wahle

Seit ihrer Gründung 1841 hat die Buchhandlung Fritz Wahle schon einige Krisen überlebt. Inhaber Wolfram Wahle sieht den Buchhandel als positive Herausforderung und bleibt trotz Lockdown zuversichtlich.

MDR KULTUR - Das Radio Di 19.01.2021 06:00Uhr 03:56 min

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Mitten im Zentrum auf dem Breiten Weg findet man die älteste Buchhandlung Magdeburgs – eines der wenigen Geschäfte, die momentan offen haben. Denn in Sachsen-Anhalt sind Bücher Lebensmittel, gelten als systemrelevant. Darüber freut sich der Inhaber Wolfram Wahle: "Wir sind erstaunlich gut durchs Jahr gekommen, aber das ist so ein Trend, den, glaube ich, gerade die kleineren Buchhändler bundesweit zeigen, einfach weil wir gut aufgestellt sind."

Wir sind gut vernetzt, wir sind auch gut mit unseren Kunden vernetzt. Auch wir betreiben seit vielen Jahren einen ordentlichen Online-Shop.

Wolfram Wahle, Inhaber "Buchhandlung Fritz Wahle"

Vielfältig und ausgezeichnet

Und auch wenn der Laden klein ist, das Sortiment ist ausgesucht vielfältig: die feinst gestalteten Insel-Büchlein, Kinder- und Jugendbücher, Regionales aber auch Kalender oder CDs. Und so wurde man in den vergangenen fünf Jahren schon zwei Mal mit dem Buchhandlungspreis ausgezeichnet.

Und hinter einer erfolgreichen Buchhandlung steckt weit mehr als einfach Bücher verkaufen, wie Wahle erklärt: "Mit Lesungen, mit eigenen Veranstaltungen, die vielleicht über Lesungen hinausgehen. Das Engagement für Leseförderung. Das sind so Dinge, die habe ich tatsächlich in den vergangenen Jahren verstärkt und es wird wahrgenommen und das wird tatsächlich auch geehrt, das ist sehr schön."

In 180 Jahren schon einige Krisen überstanden

Geehrt übrigens auch von den Kunden, lächelt der knapp 50-Jährige, nur durch ihre Unterstützung konnte er das vergangene Jahr gemeinsam mit seinen beiden Angestellten relativ gut überstehen. Mit Blick auf die 180-jährige Geschichte der Buchhandlung war Corona sicher nicht die größte Krise. "Ich glaube, die Kriegsjahre und ich denke auch die Nachkriegsjahre, die Zeiten der DDR für meine Großmutter und auch für meine Eltern würde ich fast als schwieriger einschätzen, weil die Unsicherheiten, die natürlich jetzt auch sind, da viel unbestimmter waren und man nie absehen konnte, wann sich endlich mal etwas verändert.", erläutert es Wahle.

Und die Hoffnung, die jetzt bei vielen oder bei allen ist, dass dieser Zustand, in dem wir sind, doch ein endlicher ist, der ist bei mir natürlich auch da.

Wolfram Wahle, Inhaber "Buchhandlung Fritz Wahle"
Inhaber Wolfram Wahle in der Buchhandlung Fritz Wahle in Magdeburg.
Inhaber Wolfram Wahle in der Buchhandlung Fritz Wahle in Magdeburg. Bildrechte: Wolfram Wahle

Nicht immer war die Buchhandlung in Besitz der Familie. 1912, also auch schon vor über hundert Jahren hatte Urgroßvater Fritz Wahle die Buchhandlung übernommen: Ein Laden mit neobarocker Ausstattung, wobei er sich 1921 vom Architekten Bruno Taut, bekannt durch die bunte Stadt, außergewöhnliche Bücherkioske entwerfen ließ. 1945 ging die Handlung dann aber im Kriegsfeuer auf. Zu DDR-Zeiten wurde man dann am Breiten Weg Kommissionshändler des Volksbuchhandels – bis man sich nach der Wende selbständig machte. "Das war, glaube ich, die schwierigste Zeit, die Unsicherheiten, aber auch die Möglichkeiten, die meinem Vater damals offen standen. Zum Beispiel das Rechnungsgeschäft. Da waren natürlich plötzlich Türen offen, die man aber auch erst mal entdecken musste. Und mit viel, viel Engagement und auch mit viel Glück haben wir da einen Fuß in die Tür bekommen."

Nur mit solchen Aufträgen von Behörden oder Schulen kann eine so kleine Buchhandlung überleben, sagt Wahle, der das Geschäft vor einigen Jahren vom Vater erfolgreich übernommen hat.

"Positive Herausforderung"

Wahle freut sich darüber, dass das sich das Publikum der Buchhandlung verjüngt hat: "Und das finde ich auch allen Unkenrufen zum Trotz, dass weniger gelesen wird gerade bei den jungen Leuten, das finde ich schön, das zu sehen. Und das prägt tatsächlich auch ein bisschen das Sortiment, weil der Input durch meine Kunden einfach auch entscheidend ist."

Trotzdem bleibt das Geschäft mit den Büchern nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen der zunehmend verödenden Innenstädte ein Kampf – eine positive Herausforderung sinniert Wahle – vor allem mit Blick auf die lange Tradition seiner Buchhandlung: "Ich muss mir das manchmal doch ein bisschen ins Gedächtnis rufen. Mir war auch tatsächlich dieses kleine Jubiläum, wir werden das nicht feiern mit den 180 Jahren, das haben wir vor fünf Jahren gemacht zum 175., ein bisschen auch durch den Stress der letzten Monate gar nicht bewusst gewesen."

Es macht schon ein bisschen stolz und es ist eine Verantwortung, die nicht unbedingt eine Bürde ist. Also, das trage ich nicht schwer. Das trage ich schon mit Stolz.

Wolfram Wahle, Inhaber "Buchhandlung Fritz Wahle"
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Seit ihrer Gründung 1841 hat die Buchhandlung Fritz Wahle schon einige Krisen überlebt. Inhaber Wolfram Wahle sieht den Buchhandel als positive Herausforderung und bleibt trotz Lockdown zuversichtlich.

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Seit ihrer Gründung 1841 hat die Buchhandlung Fritz Wahle schon einige Krisen überlebt. Inhaber Wolfram Wahle sieht den Buchhandel als positive Herausforderung und bleibt trotz Lockdown zuversichtlich.

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Wie Buchandlungen durch den Lockdown kommen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Januar 2021 | 06:15 Uhr

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