Porträt Wolfgang Kohlhaase – Drehbuchautor von Filmen, die Geschichte schrieben

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

Wolfgang Kohlhaase ist einer der bedeutendsten deutschen Drehbuchautoren, der mit namhaften Regisseuren wie Gerhard Klein, Frank Beyer, Konrad Wolf und Andreas Dresen zusammengearbeitet hat. Aus seiner Schreibmaschine stammen DEFA-Filmklassiker wie "Berlin – Ecke Schönhauser", "Ich war neunzehn" und "Solo Sunny". Ein Blick auf Kohlhaases beeindruckendes Lebenswerk, ein Porträt.

MDR FIGARO-Café mit mit Wolfgang Kohlhaase und Andreas Dresen in Merseburg, moderiert von Knut Elstermann
Wolfgang Kohlhaase Bildrechte: MDR / Marco Prosch

Nur wenige Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren sind den Kinogängern bekannt. Das Drehbuch geht vollständig in den Film ein, löst sich gewissermaßen in ihm auf, und kaum jemand kennt diejenigen, die sich die Geschichte ausgedacht, die Charaktere und die Konflikte oft in einem jahrelangen Prozess entwickelt haben.

Bei Wolfgang Kohlhaase, der am 13. März 2021 seinen 90. Geburtstag feiert, ist das anders. Wie kaum ein anderer Autor steht er für die Kunst des Drehbuchschreibens, seinen Namen verbinden die Filmfans mit Qualität, mit geistreichen, pointierten Dialogen, mit bleibenden Werken, die zu den besten der deutschen Filmgeschichte gehören.

Die Brüche sichtbar machen

Kohlhaases Drehbücher haben über Generationen hinweg bedeutende Regisseure wie Gerhard Klein, Frank Beyer, Konrad Wolf und Andreas Dresen inspiriert, sie setzten sich mit dem schweren Erbe der Nazi-Zeit, mit dem Erleben und Überleben des Krieges auseinander.

Besonders eindringliche Filme gelangen ihm immer dann, wenn er die offiziellen Heldenbilder brechen konnte, wenn bei ihm wirkliche Menschen, im Leiden und Widerstehen sichtbar wurden, Mitläufer und Täter ebenso wie sehr menschliche Kämpfer.

Verdichten und Reduzieren

Viele dieser Filme erreichten dann auch ein großes Publikum, jenseits der auferlegten Pflichterfüllung. In "Der Aufenthalt" fesselte Sylvester Groth in seiner ersten Rolle als seine Schuld begreifender, junger Wehrmachtssoldat. Autobiografisch erzählte Konrad Wolf in "Ich war neunzehn" nach einem glänzenden Drehbuch von Kohlhaase von seiner Rückkehr in die fremde Heimat in sowjetischer Uniform, eine ungewöhnliche Perspektive im DEFA-Film, mit Jackie Schwarz in der Hauptrolle.

Gregor Hecker (Jaecki Schwarz, li.) schwenkt eine weiße Fahne. Neben ihm:  Wadim (Wassili Liwanow).
"Ich war neunzehn" nach dem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase, mit Jaecki Schwarz (li.) und Wassili Liwanow Bildrechte: MDR/DREFA

Kohlhaases große Kunst der Verdichtung, des Reduzierens, der genauen Beobachtung zeigt sich auch in der zweiten wichtigen Seite seines Schaffens. Neben der ständigen Konfrontation mit den Schrecken des Krieges und der Nazi-Herrschaft, war es sein wacher Blick auf die Wirklichkeit, auf das Leben der Nachbarn, ganz normaler Leute, denen er mit Liebe und Respekt begegnete.

Mythische Orte schaffen

So erscheint der Prenzlauer Berg bei ihm als ein geradezu mythischer Kino-Ort, Heimat wunderbar eigensinniger Menschen wie der Sängerin Sunny aus dem Film "Solo Sunny" von Konrad Wolf, eine der unvergänglichen DEFA-Filmfrauen. Kohlhaases Sunny, von Renate Krößner gespielt, lebt nicht einfach nur hier – sie verkörpert den ganzen Prenzlauer Berg, wie er damals war und längst nicht mehr ist.

Kohlhaase, der nie in Prenzlauer Berg lebte, kehrte immer wieder hierher zurück, als genauer Beobachter und als Chronist. Allein mit den Filmen von Kohlhaase ließe sich die Geschichte des Prenzlauer Bergs und seiner Menschen nach dem Krieg bis heute erzählen. Immer mit Sympathie für die einfachen Leute, die dort einst lebten, wie in "Berlin – Ecke Schönhauser" von 1957 bis hin zu "Sommer vorm Balkon" von 2005.

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Bildrechte: imago/Lars Reimann
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Filme und ihre Macher

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. November 2020 | 22:40 Uhr

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