Rettungspaket "Neustart Kultur" Wie Autorinnen und Autoren in der Corona-Krise geholfen wird

Die Bundesregierung hat mit "Neustart Kultur" ein milliardenschweres Rettungs- und Zukunftsprogramm für den Kultur- und Medienbereich aufgelegt. Einrichtungen wie der Deutsche Literaturfonds helfen dem Staatsministerium für Kultur und Medien von Ministerin Monika Grütters bei der Verteilung der Gelder. Wie das funktioniert, erklären Susanne Fischer vom Vorstand des Deutschen Literaturfonds und die Autorin Daniela Danz.

Paket mit Biogefährdungszeichen auf Deutschlandfahne mit Etikett und der Aufschrift Kulturhilfe
In kurzer Zeit liefen allein beim Deutschen Literaturfonds Hunderte Anträge für Hilfen ein. Bildrechte: imago images/Christian Ohde

Mit "Neustart Kultur" hat die Bundesregierung ein milliardenschweres Rettungs- und Zukunftsprogramm für den Kultur- und Medienbereich aufgelegt. Klar, dass vor allem Künstlerinnen und Künstler, die durch die Pandemie schwere Einbußen hinnehmen mussten, gefördert werden. Fünf Millionen Euro sollen ihnen zur Verfügung gestellt werden.

Vor allem privat geführte Kultureinrichtungen sollen gefördert werden. Dazu zählen Projekte, einzelne Auftritte oder auch Präsentationen im Internet. Da sich das Staatsministerium für Kultur und Medien nicht alleine um die Verteilung des Geldes kümmern kann, hat es die Verteilung an verschiedene Einrichtungen weitergereicht. So zum Beispiel an den Deutschen Literaturfonds.

Verschiedene Programme

Insgesamt bietet "Neustart Kultur" in diesem Bereich drei Teilprogramme: Zum einen präsentieren sich 100 Autorinnen und Autoren im Internet. Dafür bekommt jeder Künstler 500 Euro. Der zweite Programmteil nennt sich "Tausend Literarische Wiederbegegnungen" und kann mit bis zu 1000 Euro gefördert werden. Im dritten Teil geht es um ein interaktives Programm für Kinder und Jugendliche. Es richtet sich an Bibliotheken und außerschulische Bildungsarbeit, die mit bis zu 15.000 Euro gefördert werden kann.

Susanne Fischer vom Vorstand des Deutschen Literaturfonds erklärt: "Es ist ja so, dass durch die Corona-Bedingungen viele Veranstaltungen gar nicht stattfinden konnten. Und wenn es wieder losgeht, dann können sie nur in kleinerem Rahmen stattfinden und um das gegenzufinanzieren, um das abzusichern, um den Autorinnen und Autoren eine Möglichkeit zum Auftritt zu geben, zur Verbreitung ihrer Schriften, zum literarischen Neustart und auch zum finanziellen Neustart.

Wir wollen unterstützend tätig werden.

Susanne Fischer, Deutscher Literaturfonds

Für den Verein auch eine schwer zu stemmende Aufgabe, so Susanne Fischer: "Der Deutsche Literaturfonds, der für die Bundesministerin Monika Grütters diese Gelder jetzt verteilen darf, der hat ja eigentlich andere Aufgaben. Er fördert Literatur, die sich am Markt nicht durchsetzen kann und die aber sehr ästhetisch anspruchsvoll ist. Wir unterstützen Autorinnen und Autoren, die so etwas schreiben. Und das geht natürlich mit diesem allgemeinen Programm jetzt so nicht. (...) Das heißt nun konkret: Hundert Autoren lesen oder stellen ihre Arbeit vor. Die ersten zehn Videos und Filmbeiträge sind schon auf unserer Internetseite zu finden."

Erfahrungen einer Autorin

Daniela Danz, Leiterin des Schillerhauses in Rudolstadt
Daniela Danz, Leiterin des Schillerhauses in Rudolstadt Bildrechte: Nils-Christian Engel

Zu sehen ist auch ein Film von Daniela Danz. Die 1976 in Eisenach geborene Autorin ist Teil des Programms und mit einem knapp sieben Minuten langen Film bereits online. Hier sieht man die Dichterin in Gummistiefeln durchs Gras stapfen und hört sie eines ihrer Gedichte lesen. Die Arbeit daran habe ihr sehr viel Spaß gemacht. Zumal, so die Autorin, sonst immer große Auflagen eine Projektförderung sehr zeitaufwendig gestalten: "Das war mal was, was wirklich spontan lief. Auf der anderen Seite brauchte man aber auch nicht viel Vorbereitung. Da musste man keinen großen Antrag stellen, sondern da genügte eine Ideenskizze. Also natürlich muss man erst mal eine Idee fassen. Da brauchte ich ein paar Tage."

Das Schöne war, dass es sehr niederschwellig lief und kaum mit Technik.

Daniela Danz, Autorin

Daniela Danz führt weiter aus: "Wir mussten uns ja in der ganzen Corona-Zeit mit der Technik rumschlagen, da sind wir zum Teil schier verzweifelt dran und es hat Stunden gedauert. Daher habe ich gesagt: Okay, die Technik ist es diesmal nicht, sondern die Idee dahinter. Dann war klar, welches Gedicht ich nehmen will, es ist das Eingangsgedicht aus meinem neuen Band, der gerade erschienen war. Dazu brauchte ich nun Bilder. Für diese habe ich das gleiche poetologische Verfahren angewendet wie für das Gedicht selbst. Das sieht jetzt total locker aus, ich musste es allerdings schon mehrfach wiederholen. Eigentlich ziemlich oft, um dann genau das Timing rauszuhaben, was dann am Ende recht zufällig aussieht, aber eben die Möglichkeit bietet, dass das Gedicht noch eine zweite Bildebene erhält, die zum einen korrespondiert, zum anderen aber auch durchaus das Gedicht stört. Das führt zu einer komplett neuen Lesart."

Hunderte Anträge

In nur kurzer Zeit liefen allein beim Deutschen Literaturfonds Hunderte Anträge ein. Noch sind es täglich um die zehn. Corona-bedingt und unbürokratisch Projekte und Ideen umsetzen zu können, das wünschen sich jetzt viele Künstlerinnen und Künstler. "Neustart Kultur" ist unter dem Strich dennoch nur ein kleines Programm, ein Tropfen auf dem heißen Stein, auf dem vor allem gerade private Künstler zu verdursten drohen. Und deswegen wünschen die sich neben Programmen wie diesem vor allem eins wieder: Normalität. Und im Falle von der halleschen Autorin Daniela Danz mal wieder eine Lesung im Licht einer Leselampe vor interessiertem Publikum zu lesen. Vor echten Menschen und mit richtigem Applaus.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. August 2020 | 07:10 Uhr