Literaturverein Südthüringen Südthüringer Autoren und Autorinnen feiern 30-jähriges Jubiläum

Seit 30 Jahren gibt es den Literaturverein Südthüringen, der Schreibende mit Seminaren, Publikationen und Veranstaltungen fördert und Literatur z.B. in der Suhler Lesenacht an ungewöhnliche Orte wie Ausnüchterungszellen oder in den Gerichtssaal bringt. Zur interessanten Geschichte und den Veranstaltungen im Jubiläumsjahr ist der Vereinschef, Holger Uske, im Gespräch mit MDR KULTUR.

Bücher
Die Liebe zur Literatur treibt den Literaturverein Südthüringen an Bildrechte: imago images/INDz

Der Literaturverein Südthüringen feiert seine Gründung vor 30 Jahren. "Am Anfang war die DDR" – so beschreibt der Vereinsvorsitzende Holger Uske die Ausgangssituation, die zur Gründung des Vereins 1990 führte. Aus den ehemaligen Zirkeln schreibender Arbeiter, die zum "künstlerischen Volksschaffen" in den Betrieben der DDR dazugehörten, schloss sich im März 1990 der Literaturverein Südthüringen zusammen - damals noch als "Interessengemeinschaft künstlerisches Wort Südthüringen e.V.". "Verein", sagt Uske heute, "klang damals einfach zu sehr nach Vereinsmeierei." Später habe man aber dann klammheimlich die Zeile Literaturverein ergänzt.

Menschen posieren mit einer Schreibmaschine für ein Gruppenfoto.
Mitglieder des Literaturvereins Südthüringen Bildrechte: Südthüringer Literaturverein

Unterstützung für Schreibende

Von Anfang an waren die Mitglieder selbst Autoren und Autorinnen und von Anfang an sollten diese auch unterstützt werden. Beispielsweise mit der jährlichen, zweitägigen Werkstatt bei der kürzlich entstandene Texte diskutiert, kritisiert und rezensiert werden sowie kreatives Schreiben geübt wird.

Bei verschiedenen wiederkehrenden Literaturveranstaltungen können die entstandenen Texte dann auch öffentlich präsentiert werden. Daneben gibt der Verein auch immer wieder Publikationen heraus, etwa einen Literaturkalender oder – wie jetzt zum Jubiläum – die Anthologie "Schatzsucher". Seit 1995 erhält er Fördermittel vom Land. Damit können beispielsweise Gastvorträge bezahlt werden.

Menschen posieren für ein Gruppenfoto.
Der Literaturverein Südthüringen hat auch viele junge Mitglieder, die sich für das geschriebene Wort begeistern Bildrechte: Südthüringer Literaturverein

Die Leiden der Bürokratie

Doch so lange wie es den Verein gibt, so lange gibt es auch immer die Frage nach dem Geld. Gerade zu Beginn mussten die Förderszenarien im Land Thüringen erst noch geschaffen werden. Das Literaturbüro in Erfurt etwa, das in den Neunzigern entstand und die bürokratischen Aufgaben der Literaturförderung in Thüringen übernehmen sollte, musste schließlich Konkurs anmelden.

Daneben, erzählt Uske, gäbe es auch immer wieder unverständliche bürokratische Hürden. Ein Teil der Kosten für den Literaturkalender etwa, könne man zwar durch Förderung erhalten. Dann wäre aber der Verkauf des Kalenders untersagt, mit dem man aber den zweiten Teil der Kosten decken müsse.

Jubiläums-Lesenacht wegen Corona wohl erst zum 31.

Trotz der zusätzlichen Arbeit genießt Uske die Veranstaltungen mit den, wie er sagt, "Schreibfreunden". Eine davon ist die Suhler Lesenacht, die seit 2012 jährlich stattfindet und auch immer wieder mit kreativen Orten aufwartet. Dazu zählen die Ausnüchterungszelle der Polizei, die Feierhalle auf dem Friedhof oder der Gerichtssaal – immer mehrere Orte an einem Abend.

Menschen bei einer Lesung
Eine der Lesungen, die der Literaturverein organisiert hat Bildrechte: Manuela Hahnebach

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr wird die Suhler Lesenacht aber pandemiebedingt wohl nicht stattfinden– und damit auch die Jubiläumsfeier, die an diesem Abend das Programm bestimmt hätte. In jedem Fall soll sie aber nachgeholt werden – eventuell auch erst 31 Jahre nach der Vereinsgründung. Dann aber wie geplant mit Musik, Lesungen der Autorinnen und Autoren aus dem Verein und der Buchpremiere der Anthologie "Schatzsucher", die eine Auswahl an Texten der Mitglieder, von Lyrik, über Prosa bis hin zu Satire, bereithält.

Uns ist die Arbeit miteinander und die Arbeit am Text und die literarische Arbeit eigentlich wichtiger, als groß irgendwo Glocken zu läuten und Geld zu verprassen.

Holger Uske, Vorsitzender Literaturverein Südthüringen

Literatur und Lesen

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei
Katrin Schumacher
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 20. November 2020 | 07:30 Uhr