Louvre-Museum in Paris
Das Louvre-Museum in Paris. Die charakteristische Glaspyramide entstand erst 1989. Bildrechte: dpa

Museumsgeschichte Festung, Palast und "Käseglocke": Der Louvre wird 225

Wo einst Frankreichs Könige residierten, befindet sich heute das meistbesuchte Museum der Welt. Im Louvre wohnen Da Vincis "Mona Lisa" und Botticellis "Venus von Milo". Und Beyoncé und Jay Z haben in dem weltbekannten Kunstmuseum gerade ein neues Musikvideo gedreht. Vor 225 Jahren wurde der Louvre als Museum eröffnet.

von Sven Hecker, MDR KULTUR

Louvre-Museum in Paris
Das Louvre-Museum in Paris. Die charakteristische Glaspyramide entstand erst 1989. Bildrechte: dpa

Möchten Sie "Mona Lisa" zur Nachbarin? Keine leichte Frage. Der Louvre-Konservator Daniel Soulie gibt zu bedenken: "Die Dornenkrönung ist eines der Hauptwerke von Tizian, aber die Leute schauen gar nicht hin, sie gehört zu den Bildern, die unter der Nachbarschaft zu Mona Lisa leiden."

Sie erschlägt buchstäblich alle anderen Werke des Museums.

Daniel Soulie, Louvre-Konservator über die Mona Lisa

Die erschlagende Mona Lisa gehört schon fast von Anfang an zum Inventar der Pariser Sammlung. Franz I., französischer Renaissance-König um 1500, lässt viele Werke großer italienischer Künstler aufkaufen: Michelangelo, Tizian und Raffael. Darüber hinaus holt Franz aber auch Künstler nach Frankreich, unter anderem den greisen Leonardo da Vinci. Als da Vinci dann stirbt, bleibt seine "Mona Lisa" in Paris.

Künstler-Besetzung im Louvre

Das Gemälde «Mona Lisa» von Leonardo da Vinci
Alle wollen Mona Lisas Lächeln sehen. Bildrechte: dpa

Der Louvre selbst wird im 12. Jahrhundert als Festung errichtet. König Franz lässt diese später zum repräsentativen Stadtpalast umbauen: Der Beginn einer bis in die jüngste Gegenwart reichenden, langen Baugeschichte. Eine vierflügelige Anlage entsteht. Als die königliche Residenz Ende des 17. Jahrhunderts nach Versailles verlegt wird, erfährt das noch unfertige Ensemble eine kulturelle Zwischennutzung.

Die Louvre-Konservatorin Françoise Mardrus: "Der Hofstaat wohnt schon seit 1692 nicht mehr im Louvre. Dort haben sich die Akademien der schönen Künste, Malerei und Bildhauerei und Architektur niedergelassen. Die Künstler, vor allem Maler und Kupferstecher, wohnen samt ihrer Familien in der Großen Galerie, unterteilt in Wohnungen und Ateliers."

So haben die Revolutionäre von 1793 ein Problem, als sie beschließen, den Louvre zum Museum zu machen, um hier die enteigneten Kunstschätze von König und Adel auszustellen - sofern sie nicht geplündert oder verkauft worden sind. Zwar wird das Museum am 10. August 1793 eröffnet, doch es bleibt im Prinzip wegen der anhaltenden Künstler-Besetzung zunächst bei der Absicht.

Museum entsteht unter Napoleon

Das ändert sich mit den Siegen von Revolutionsgeneral Bonaparte in Italien und Ägypten. Als Napoleon sich dann zum Kaiser gekrönt hat, erteilt er den Auftrag, den Louvre auszubauen. Denn seine Beutezüge durch Europa gehen ja weiter. Der frühere Louvre-Direktor André Chabaud:

Infolgedessen wurde der Louvre erst unter Napoleon wirklich als Museum eingerichtet. Er war es, der diesen Ausbau förderte, um zeigen zu können, was er mitgebracht hatte.

André Chabaud, ehemaliger Louvre-Direktor
 Besucher geht durch das Kunstmuseum Louvre.
Ausstellungsraum im Louvre Bildrechte: dpa

Begleitet wird Napoleon auf seinen Feldzügen von Dominique-Vivant Denon - ein exzellenter Kunstkenner und erster Direktor des Louvre. Sein Beiname: "Das Auge Napoleons". Jean Chatelain, der Biograph Denons: "Bestimmt hatte Denon überhaupt nicht das Gefühl, zu plündern, sondern eine prächtige Sammlung zusammenzustellen für die Hauptstadt des französischen Europas, von der im 18. Jahrhundert wahrscheinlich viele der besten Köpfe träumten."

Und tatsächlich hatten ja schon die Revolutionäre den Auftrag erteilt, anderswo Kunstschätze zu erbeuten - im Namen der Freiheit. Die Kuratorin Emilie Robbe:

Die Revolution ging davon aus, dass das Kunstwerk ein Produkt der Freiheit ist. Und da das revolutionäre Frankreich das Land der Freiheit an sich ist, schien es normal oder zumindest weltanschaulich gerechtfertigt, nach Paris alles mitzubringen, was damals hauptsächlich als Kriegsbeute galt.

Emilie Robbe, Kuratorin der Ausstellung "Napoleon und Europa"

In den beraubten Staaten selbst gibt es neben Wut und Jammer auch Faszination für das Louvre-Projekt. Denon will "das größte, reichste und prächtigste Museum der Welt" - mit freiem Zugang für alle Bürger - egal ob arm oder reich.

Wahrzeichen von Paris

Nach der endgültigen Niederlage Napoleons freilich bestehen die Sieger 1815 darauf, dass der Großteil der Raub-Kunstwerke wieder zurückerstattet wird. Der Louvre verliert rund vier Fünftel seiner Bestände.

Touristen vor dem Louvre in Paris.
Touristenschlangen vor dem Louvre. Bildrechte: imago/Xinhua

Unter Napoleon III. bekommt der Louvre nach 1852 im Wesentlichen sein heutiges Aussehen. Über 100 Jahre später, in den 1980er-Jahren, lässt Präsident François Mitterrand das Ensemble generalüberholen und das Innere umgestalten. Draußen, vor den Eingang, kommt die Glaspyramide von Ieoh Ming Pei. Anfangs als "Gewächshaus" und "Käseglocke" verspottet, ist sie inzwischen eines der Wahrzeichen von Paris. Neben der "Mona Lisa" natürlich.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. August 2018 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2018, 04:00 Uhr