Der Trompeter Ludwig Güttler sitzt im Arbeitszimmer in seinem Haus und hält eine Trompete in der Hand. Der Musiker feiert am 13. Juni 2018 seinen 75. Geburtstag.
Der Trompeter Ludwig Güttler in seinem Arbeitszimmer Bildrechte: dpa

Zum 75. Geburtstag Ludwig Güttler - Startrompeter mit Herz für Dresden

Der Trompeter Ludwig Güttler war schon immer ein ausgesprochen vielseitiger Geist, auch abseits des Musizierens. So engagierte er sich jahrelang für den Wiederaufbau der Frauenkirche in seiner Wahlheimat Dresden. Mit Erfolg und der schönen Folge, dass er dort nun auch Konzerte gibt. Am 13. Juni 1943 wurde Güttler in Sosa bei Aue geboren.

Der Trompeter Ludwig Güttler sitzt im Arbeitszimmer in seinem Haus und hält eine Trompete in der Hand. Der Musiker feiert am 13. Juni 2018 seinen 75. Geburtstag.
Der Trompeter Ludwig Güttler in seinem Arbeitszimmer Bildrechte: dpa

Ludwig Güttler ist nicht nur ein außergewöhnlicher und international hoch angesehener Musiker. Er setzt sich auch für seine Wahlheimat Dresden ein. So gehört er zu den Initiatoren des Wiederaufbaus der Frauenkirche. Gleich nach dem Mauerfall begann er mit Gleichgesinnten, für den Wiederaufbau des markanten Dresdner Wahrzeichens zu werben. In aller Welt trommelte und trompetete der gebürtige Erzgebirger erfolgreich dafür.

Was heute wieder wie selbstverständlich die Stadtansicht Dresdens prägt, war lange Zeit ein eher utopischer Wunsch. Anfangs hatten die Aktiven 90 Prozent Gegenwind, so Güttler. Die Menschen glaubten, das Geld für Anderes dringender zu benötigen.

Der Trompeter Ludwig Güttler steht in seinem Garten. Der Musiker feiert am 13. Juni 2018 seinen 75. Geburtstag.
Ludwig Güttler Bildrechte: dpa

Der Glauben, dass das überhaupt möglich und notwendig ist, der war ja bei fast niemandem vorhanden - außer bei uns. Auch bei der Kirche nicht.

Ludwig Güttler zu der Initiative zum Wiederaufbau der Frauenkirche

Und der Erfolg gab Güttler und den anderen Recht. Die Frauenkirche wurde, auch dank zahlloser Spenden, wiedererrichtet und ist zum Herz der Elbestadt geworden.

Ständig neue Herausforderungen

Sonderbriefmarke zur Einweihung der Frauenkirche
Der Wiederaufbau der Frauenkirche war Güttler eine Herzensangelegenheit Bildrechte: dpa

Musikalisch war Güttler schon immer vielfältig interessiert. Das Instrument, mit dem er berühmt wurde, die Trompete, entdeckte er mit 14 Jahren für sich. Etwa zur gleichen Zeit beginnt er aber auch zu dirigieren. Er bleibt ein musikalischer Tausendsassa, auch beim Studium in Leipzig. Reines Spezialistentum führe in die künstlerische Vereinsamung, so erklärt Güttler später.

Daher ist er ausgesprochen vielseitig: "Trompeter war ich, Cellist, Chordirigent, habe den Posaunenchor dirigiert, den Kirchenchor dirigiert, war dann Kantor der Studentengemeinde in Leipzig, hab alle Bachmotetten, viele Kantaten in der Universitätskirche aufgeführt, bis hin zu Ausschnitten aus der Johannes-Passion, […] habe geistliche Chormusik gemacht, auch viele neue Sachen, Uraufführungen, in der Meißner Kantorei gesungen." Nach dem Staatsexamen steigt Güttler beim Händel-Festspiel-Orchester in Halle ein, ab 1969 bei den Dresdner Philharmonikern - jeweils als Solotrompeter.

Mit falschem Ausweis in den Westen

Verwehrt waren ihm allerdings zunächst Solo-Auftritte in der Bundesrepublik. Die wollen ihm die Kulturfunktionäre anfangs nicht genehmigen. Güttler hilft ein wenig nach: Bei einem Orchester-Gastspiel in Schweden besorgt er sich einen bundesdeutschen Pass. Damit reist er nach Flensburg, wo er im örtlichen Postamt Telefonbücher wälzt. Er sammelt innerhalb von zwei Tagen 3.000 Adressen und Telefonnummern von Konzertvereinen, Orchestern und Kantoren.

Als seine erste Schallplatte in der DDR rauskommt, kauft er diese in hoher Stückzahl und schickt sie an die gesammelten 3.000 Adressen in der Bundesrepublik. Die Arbeit hat sich letztlich gelohnt. Güttler erzählt über die Erfolgsquote: "… davon haben ein Prozent den Empfang bestätigt. Und aus den 30 Leuten wurden 12 Konzerteinladungen. Und daraus wurden 4 Konzerte. Das war der Beginn meiner solistischen Arbeit."

Mit Humor für die Musik kämpfen

An einem Tisch sitzen mehrere Frauen und Männer.
Bis heute ist Ludwig Güttler engagiert, hier im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Bildrechte: MDR/Matthias Vollmer

Güttler wird bald zum devisenträchtigen Exportartikel für die DDR, zum gefeierten Nationalpreis-Träger. Was ihn nicht davon abhält, auch jenseits des offiziellen Kulturbetriebs in Kirchen aufzutreten oder gemäßigt Kritik zu üben. So 1987 auf dem Dresdner Parteitag der DDR-CDU an Mängeln in der Musikerziehung. Dabei weist Güttler zunächst auf die offiziell gern bejubelten "wissenschaftlich-technischen Spitzenleistungen" hin. Um dann durchaus schelmisch anzumerken: "… dass die Träger wissenschaftlicher Nobelpreise unserer Erde zu 80 Prozent wenigstens ein Musikinstrument spielten. Es liegt also auch am Musischen und Musikunterricht, wenn unsere Republik bis jetzt keinen Nobelpreis erringen konnte."

Sein Trompetenspiel machte Ludwig Güttler berühmt. Heute kennt man ihn auch als Dirigenten, als Gründer von Kammermusik-Ensembles und Festivals - oder als Musikforscher. Güttler entdeckt alte und neue Musik, gräbt verschollene Instrumente aus, so das historische Corno da caccia, ein Jagdhorn. Die Bezeichnung "Musiker" ist für einen wie Güttler eindeutig zu wenig.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kalenderblatt | 13. Juni 2018 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2018, 14:03 Uhr

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