Luigi Colani
Luigi Colani (2. August 1928 - 16. September 2019) Bildrechte: dpa

Trauer Designer Luigi Colani gestorben

Luigi Colani
Luigi Colani (2. August 1928 - 16. September 2019) Bildrechte: dpa

Der Designer Luigi Colani ist tot. Er sei am Montag im Alter von 91 Jahren in Karlsruhe an einer schweren Krankheit gestorben, sagte seine Lebensgefährtin Yazhen Zhao. Colani galt als Meister der runden Form. Sein Markenzeichen war der runde Schwung, die organische Form. Der Universaldesigner entwarf unter anderem Autos und Rennwagen, aber auch Möbel, Geschirr, Brillen, Kameras, Fernseher und Kleidung.

Luigi Colani, führt ein von ihm gestaltetes Weinglas vor, das statt Stiel eine Vertiefung im Boden hat. 8 min
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MDR KULTUR - Das Radio Di 17.09.2019 08:10Uhr 07:30 min

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Luigi Colani, führt ein von ihm gestaltetes Weinglas vor, das statt Stiel eine Vertiefung im Boden hat. 8 min
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"Meine Welt ist rund"

"Meine Welt ist rund", sagte er vor seinem 90. Geburtstag im vergangenen Jahr in Karlsruhe, wo er sich zur Ruhe setzte. Er galt als sehr streitbar und er überwarf sich mit fast allen Designkollegen. Vor allem in Japan und China genoss der Berliner Kultstatus. Im Laufe seines Lebens arbeitete er auch in Italien, Mexiko, den USA oder Russland. Riesige Erfolge feierte er unter anderem mit der legendären Canon T90, die das Design der Marke entscheidend prägte. Er war einer der ersten Designer, der seine Produkte unter seinem Namen vermarktete mit dem so unverwechselbar wellenförmig geschwungenen Schriftzug "Colani".

Tausende Entwürfe

Designer Luigi Colani mit der Modellstudie einer von ihm erdachten Dampflok
Colani mit dem Modell einer von ihm erdachten Dampflok Bildrechte: imago images / photo2000

Für namhafte Möbelhersteller entwarf er Stühle und Tische. Viele seiner eigenen Entwürfe blieben als Skizze in der Schublade, wurden nie mehr als ein Prototyp. Insgesamt beziffert er seine zu Papier gebrachten Ideen auf rund 4.000. Er erdachte spektakuläre und futuristische Autos, Rennwagen oder Flugzeuge. Er ließ Lastwagen mit raumschiffähnlichem Führerhaus bauen. Er hasste eckige Formen, rechte Winkel und harte Geradlinigkeit. Stattdessen gestaltete er neben seinen vielen aerodynamischen Fahrzeug-Prototypen rundleibige Fernseher, dickbäuchige Kugelschreiber, geschwungene Stühle, sanftförmige Brillen oder ovalschwebende Klos - kein Gebrauchsgegenstand war ihm zu banal. Eine von ihm entworfene Kugelküche sah aus, wie direkt aus Raumschiff Enterprise entsprungen.

Von Berlin über Paris nach China

1928 in Berlin geboren, bastelte er sich schon als kleines Kind Autos oder Schiffe zusammen. Nach der Schule studierte er an der Berliner Kunstakademie. Später in Paris beschäftigte er sich an der Universität Sorbonne mit Aerodynamik. Er heiratete, bekam zwei Söhne, trennte sich. Der Kontakt zu seinen Söhnen war nach seinen eigenen Worten spärlich.

Sein Denken, so sagte er, sei stets auf das Morgen zugegangen. Ablehnung, wie sie ihm nicht zuletzt wegen seiner hochfahrenden und überheblichen Art entgegenschlug, kränkte ihn, auch wenn er das nicht gerne zugeben mochte. "Das Scheitern liegt auf der anderen Seite", sagte er bockig. Colani fühlte sich verkannt. Mit deftigen Worten zog er bis dahin über die in seinen Augen ewiggestrige Design-Zunft her, beschimpfte die Industrie als ultrakonservativ, verließ sogar Deutschland empört in Richtung China.

Zuletzt war er leiser geworden. Zu seinem 90. Geburtstag schließlich wirkte er still und zerbrechlich. Er nahm sich zurück, paffte an seiner Zigarre und lachte ein wenig heiser. Seine Wohnung in Karlsruhe behielt er. Deutschland war für ihn "Heimat". Trotz allem.

Stur und stolz

Leiser zu sein, hieß dabei aber nicht weniger stur oder weniger stolz. Im Gegenteil: "Ich wurde kopiert, kopiert, kopiert", sagte er im Juli 2018.

Sie können zurückgehen auf das, was ich vor 20, 25 Jahren gesagt habe - das ist heute neu, neu, neu!

Luigi Colani, Designer

Der Universaldesigner verachtete die Zweifler, er liebte das Risiko. "Ich könnte dieser Welt auf die Sprünge helfen! Aber ich will es nicht mehr." Ein wenig traurig war er dann auch, aber nur kurz. "Ich habe in keine Zeit gepasst", sagte er. Ein Colani-Museum, das er dann doch so gerne gehabt hätte, wurde nie gebaut. Er, das Vorbild für viele Generationen von Designstudenten, hatte nach eigenem Bekunden keine Vorbilder. "Ich bewundere niemanden."

Was ihm vielleicht Genugtuung sein mag: Am Ende seines Lebens würdigte man ihn zunehmend wieder als den, der er schon immer war - ein Visionär.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kulturnachrichten | 16. September 2019 | 11:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2019, 11:52 Uhr

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