Violinistin Yuzuko Horigome und Pianist Jean-Marc Luisada
Pianist Jean-Marc Luisada mit der Violinistin Yuzuko Horigome nach einem Auftritt Bildrechte: dpa

Albumempfehlung Ein Erzähler am Klavier: Jean-Marc Luisada spielt Werke von Robert Schumann

Der Franzose Jean-Marc Luisada ist einer der großen Weltstars am Klavier. Seine Interpretationen der Klavierwerke von Frédéric Chopin, Franz Schubert und vor allem Robert Schumann wurden mit zahlreichen Preisen geehrt. Doch in den letzten fünfzehn Jahren hat man fast gar nichts mehr von Jean-Marc Luisada gehört. Er konzentrierte sich auf seine Lehrtätigkeit an einer privaten Musikhochschule in Paris. Nun ist Jean-Marc Luisada wieder da - mit einem neuen Album mit Klavierwerken von Robert Schumann, unter anderem die "Davidsbündler Tänze" und die große "Humoreske" in B-Dur.

von Claus Fischer, MDR KULTUR-Musikkritiker

Violinistin Yuzuko Horigome und Pianist Jean-Marc Luisada
Pianist Jean-Marc Luisada mit der Violinistin Yuzuko Horigome nach einem Auftritt Bildrechte: dpa

Die besten Interpretationen sind die, die extrem rigoros sind. Das heißt für mich, dass ich mich nicht in die Musik hineingeben darf, nicht darin schwelgen darf. Das wäre ein falsches Verständnis von Leidenschaft! Mir kommt es dagegen darauf an, einen schönen, klaren, aber warmen Ton zu haben, das bedeutet für mich das Romantische.

Jean-Marc Luisada, Pianist
CD-Cover - Jean-Marc Luisada: Schumann - Davidsbündlertänze
CD-Cover - Jean-Marc Luisada: Schumann Bildrechte: RCA Records Label

Jean-Marc Luisada ist ein Erzähler am Klavier. Schnörkellos, ohne unnötige Zutaten, legt er frei, was die Komponisten des 19. Jahrhunderts zu sagen haben. Seine Energie verwendet er nicht darauf, irgendwie anders zu sein als andere gute Pianisten - vielmehr er versteht sich als Übermittler der Botschaft des Komponisten. Zu Robert Schumann, dem verkappten Literaten unter den Tonschöpfern, passt diese "Les-Art" natürlich besonders gut. Zu ihr bekennt sich Jean-Marc Luisada, hat er allerdings erst in den letzten Jahren gefunden.

Ich bin sehr melancholisch veranlagt. Und nostalgisch! Ich liebe die Historie, die Vergangenheit! Eigentlich bin ich ein Mensch des 19. Jahrhunderts.

Jean-Marc Luisada, Pianist

Robert Schumann hat ihn nie losgelassen

Robert Schumann
Robert Schumann Bildrechte: IMAGO

Seine Karriere begonnen hat Jean-Marc Luisada mit den Werken von Frédéric Chopin, er war u.a. Preisträger beim renommierten Chopin-Wettbewerb in Warschau. Doch dann, sagt er, kam bald Robert Schumann. Er hat ihn gepackt und bis heute nicht losgelassen. "Das war meine zweite Schallplatte, vor 30 Jahren", erzählt Luisada. "Da habe ich diese beiden Werke, die "Davidsbündler Tänze" und die "Humoreske" zum ersten Mal aufgenommen! Diese Werke waren und sind mir am nächsten, denn da steckt alles drin: Mein Erwachsenwerden, das Entdecken des Lebens mit seinen Freuden und ja, auch den Leiden."

Diese Neuaufnahme ist für mich so etwas, wie die Suche nach der verlorenen Zeit.

Jean-Marc Luisada, Pianist

Klavierspiel ohne Pathos, eher wie eine trostreiche Erzählung

Die Suche nach der eigenen Jugend, sie hört man auch aus den beiden kleinen Klavierstücken Schumanns heraus, die Jean-Marc Luisada als quasi Zugaben beigesteuert hat: den "Fröhlichen Landmann" aus dem "Album für die Jugend" und die unverwüstliche "Träumerei" aus den "Kinderszenen". Auch sie klingt abgeklärt und gereift, ohne unnötiges Pathos, wie eine trostreiche Erzählung oder Predigt mit Hilfe des Klaviers.

Das war und ist mein einziger Partner - in guten und in bösen Tagen. In allem, was mein Leben ausmacht, ist die Musik immer da!

Jean-Marc Luisada, Pianist

Informationen zur CD Jean-Marc Luisada: "Schumann: Davidsbündlertänze – Humoreske"

Bestellnummer / EAN: 19075877192 / 0190758771922

Label: RCA Records Label

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Album der Woche | 17. September 2018 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2018, 04:00 Uhr