Kaffee und Gebäck auf einem Tablett
Lupinenkaffee wird ähnlich hergestellt wie herkömmlicher Kaffee. Die Samen der Lupine werden nach dem Ernten getrocknet und geröstet. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Regional und gesund Was Lupinenkaffee zur besten Kaffeealternative macht

Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. Rund 164 Liter werden laut Deutschem Kaffeeverband jährlich pro Person getrunken. Allerdings fällt die Klimabilanz des so genannten schwarzen Goldes schon allein durch die weiten Transportwege äußerst schlecht aus, ganz zu schweigen von den Arbeitsbedingungen und dem Preisdruck, denen die Kaffeebauern ausgesetzt sind. Lupinenkaffee könnte eine umweltfreundliche Alternative sein.

von Grit Krause, MDR KULTUR

Kaffee und Gebäck auf einem Tablett
Lupinenkaffee wird ähnlich hergestellt wie herkömmlicher Kaffee. Die Samen der Lupine werden nach dem Ernten getrocknet und geröstet. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Wie üblich in der Dresdner Kaffee und Kakao Rösterei, wird auch die Kostprobe des Lupinenkaffees entsprechend zelebriert. Stefan Meyer-Götz portioniert fachmännisch die schokobraunen Lupinenbohnen mit einer Waage.

Bohne mit Röstaroma

Auf Anfrage eines Biobäckers aus Pirna haben Stefan Meyer-Götz und sein Kompagnon Karsten Lehmann vor drei Jahren angefangen in der Dresdner Rösterei Lupinen zu rösten. Nach und nach testeten sich die Spezialisten für hochwertige Kaffees an die weißen kugelförmigen Rohbohnen der Lupine heran, probierten verschiedene Temperaturen und Röstfarben bis sie schließlich ein für ihren anspruchsvollen Gaumen passables Ergebnis erhielten. Anders als Kaffee, so stellte sich dabei heraus, speichert Lupine die Wärme viermal länger und verliert beim Rösten in der Trommel kaum an Volumen. Es gibt aber auch Parallelen.

Wie beim Kaffee haben wir auch eine Trocknungsphase, eine gelbe Phase, wo das Innenleben noch mal eine schöne gelbe Nuance kriegt, auch die Schale. Dann dauert es relativ lange und nach einer gewissen Zeit, wird sie braun – von Goldbraun über leicht hellbraun zum schönen starken Schokobraun.

Stefan Meyer-Götz, Geschäftsführer der Dresdner Kaffee und Kakao Rösterei

Geschäftsführer Stefan Meyer-Götz schüttet das leicht grober gemahlene Lupinenpulver in ein Glas. Als malzig und nach Schoko und Popcorn riechend beschreibt er die Lupine und brüht sie türkisch auf.

Lupinenbohnen in einer Papiertüte
Lupinenbohnen kann man wie Kaffee in verschiedenen Graden rösten. Bildrechte: imago images / photothek

Regionaler Bodenfreund

Zu den Kunden der Dresdner Kaffee und Kakao Rösterei gehört seit dem vergangenen Jahr auch der Schellehof aus Struppen in der Sächsischen Schweiz. Hier wird nach bio-dynamischen Grundsätzen Landwirtschaft betrieben und dazu gehört der Anbau von Lupinen. Lupinen zählen als Hülsenfrüchte zu den Leguminosen und gelten als Bodenverbesserer. Die Knöllchenbakterien an den tiefen Wurzeln der Lupine speichern Stickstoff, den Folgepflanzen als Dünger verwenden können.

Großblättrige Lupine
Die Lupine ist nicht nur eine hübsche, sondern vor allem für den Boden auch eine sehr nützliche Kulturpflanze. Bildrechte: imago images / Westend61

In den Genuss der Bohnen kamen auf dem Schellehof bis vor kurzem nur die Rinder, bis ein Mitglied des Gemeinschaftshofes meinte, dass man doch daraus auch Kaffee machen könne. Nun lassen sie ihre Lupinen bei den Dresdnern rösten.

Bei den hart gesottenen Kaffeeschlürfern mische ich gern was drunter. Das fällt denen gar nicht auf, wenn ich da Halbe-Halbe mache, dann ist nur die Hälfte weit gereist.

Elke Ehrhardt vom Bewirtschafterteam des Schellehofs

In Zeiten des Klimawandels – neben dem Geschmack – sicher ein überzeugendes Argument für die Lupine.

Blüte, Blatt und Samen einer Lupine
Blüte, Blatt und Samen einer Lupine Bildrechte: imago images / Christian Ohde

Was außerdem für Lupinenkaffee spricht Lupinenkaffee ist von Natur aus koffeinfrei, was ihn zusammen mit dem geringeren Säureanteil für viele vor allem zu einer verträglichen Kaffeealternative macht. Die Lupine kann in Deutschland angebaut werden und ist damit im Gegensatz zu herkömmlichem Kaffee auch regional zu bekommen. Verglichen mit anderen Kaffeealternativen sind die gerösteten Lupinensamen nah am bekannten Kaffeegeschmack, das liegt vor allem an der Röstung, aber auch am hohen Eiweißanteil der Hülsenfrucht. Lupinenkaffee bereitet man am besten mit gewöhnlichen Kaffeefiltern, einer French Press oder mit einem Espressokocher zu. Selbst ernten sollte man die Lupinensamen allerdings nicht. Denn nur bestimmte Sorten sind frei von Giftstoffen und auch bei der Weiterverarbeitung will das Handwerk gelernt sein. Und auch Allergiker sollten aufpassen: Wer bereits eine Allergie gegen andere Hülsenfrüchte, wie Erdnüsse oder Soja hat, könnte auch auf die Lupine entsprechend reagieren.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Oktober 2019 | 06:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2019, 14:10 Uhr

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