Buchcover aus der Reihe "Der Zauberer von Oz" von L. Frank Baum.
Insgesamt 14 Bücher schrieb Lyman Frank Baum über die Welt von Oz. Bildrechte: imago/ZUMA Press

100. Todestag Lyman Frank Baum: Der Vater von Oz

Wer ist noch nicht über sie gestolpert – den Weisen Scheuch, den Feigen Löwen und den holzfällenden Kompagnon aus Blech. Erdacht hat dieses Trio nebst Dorothy und dem Zauberer von Oz Lyman Frank Baum. Ein gefeierter Kinderbuchautor, der erzwungenermaßen immer wieder nach Oz zurückkehren musste. Vor 100 Jahren ist er gestorben.

von Thomas Hartman, MDR KULTUR

Buchcover aus der Reihe "Der Zauberer von Oz" von L. Frank Baum.
Insgesamt 14 Bücher schrieb Lyman Frank Baum über die Welt von Oz. Bildrechte: imago/ZUMA Press

"Dorothy wohnte mitten in der großen Prärie von Kansas – zusammen mit Onkel Henry, der ein Farmer war, und Tante Em, seiner Frau. Ihr Haus war klein, denn man hatte das Bauholz von weither herankarren müssen. Vier Wände, ein Boden und ein Dach, das war schon das ganze Haus." – aus: "Der Zauberer von Oz"

Reichlich unspektakulär beginnt "Der Zauberer von Oz". Das Buch, das dafür einen um so spektakuläreren Erfolg feiern wird, erscheint 1900. Der Verfasser heißt Lyman Frank Baum. Er selbst sagte einmal, dass "Märchengeschichten für Kinder zu schreiben, sie zu unterhalten, rastlose, kranke Kinder abzulenken und sie an Regentagen davon abzuhalten, Unsinn anzustellen", das erscheine ihm wichtiger zu sein, als Romane für Erwachsene zu schreiben.

Ein wahrer Tausendsassa

Baums Weg zum Kinderbuchautoren verläuft alles andere als geradlinig. Geboren 1856 im Bundesstaat New York, betätigt er sich als Hühnerzüchter, Kolumnenschreiber, Schauspieler, Dramatiker, Redakteur, Herausgeber und Fotograf, macht in Öl oder betreibt einen Gemischtwarenladen. Zum Glück findet er zwischendurch noch Zeit, eine Familie zu gründen und seinen Kindern Geschichten zu erzählen. Seine Schwiegermutter hört es, weiß Biograph Michael Patrick Hearn, und rät ihm, aus seinen Erzählungen Bücher zu machen. Und 1897 hält der Neu-Kinderbuchautor "Mother Goose in Prose" in der Hand.

Der Autor Lyman Frank Baum.
Autor Lyman Frank Baum. Bildrechte: Los Angeles Times photographic archive, UCLA Library / George Steckel

Er selbst habe bereits in seiner Jugend davon geträumt, einen Roman zu schreiben, der ihn berühmt machen würde, sagte Baum einst. "Jetzt, da ich langsam alt werde, ist mein erstes Buch erschienen. Abgesehen von meiner offensichtlichen Unfähigkeit, etwas Großes zu erreichen, habe ich gelernt, den Ruhm als ein Irrlicht zu betrachten, das, einmal eingefangen, den Besitz nicht lohnt."

Ein gefeierter Kinderbuchautor

Irrlicht oder nicht. Der Ruhm kommt. Wenig später, als er gemeinsam mit dem Illustrator William Wallace Denslow von ihm gefertigte Kindergedichte unter die Leute bringt. Unter dem Titel: "Father Goose, His Book". Das Buch wird gefeiert – und erweist sich doch nur als Zwischenschritt auf dem Weg zur Welt des Zauberers von Oz.

Die Geschichte von Oz sei, so der Autor, ausschließlich zum Vergnügen der Kinder von heute geschrieben. "Sie will ein modernisiertes Märchen sein, in dem das Wunder und das Vergnügen erhalten und der Kummer und die Albträume ausgespart sind."

Oz: Ein lebenslanger Begleiter

Baum verlässt Oz bis zu seinem Tod 1919 nicht mehr. Erst einmal verwandeln sich Dorothy & Co. in Protagonisten einer Revue, deren Premiere 1902 stattfindet. Die vielen Veränderungen gegenüber seinem Buch irritieren den Schriftsteller zwar, aber das Ergebnis löst in ihm Staunen und Ehrfurcht aus, treibt ihn die Tränen in die Augen.

Ray Bolger Dorothy (Judy Garland) und die Vogelscheuche (Ray Bolger) wagen ein Tänzchen im Zauberland Oz.
Die Verfilmung vom "Zauberer von Oz" mit Judy Garland ist heute ein Klassiker der Filmgeschichte. Bildrechte: IMAGO

Später erzählt er, wie die Vogelscheuche, der blecherne Holzfäller und der feige Löwe seine Geisteskinder wären und weder in der Realität noch in Fiktion existierten, bis er sie auf die Seiten seines Buches setzte. "Aber sie mit Feder und Tinte zu beschreiben ist etwas ganz anderes, als sie tatsächlich leben zu sehen."

Erzwungene Rückkehr ins Reich von Oz

Vor allem aber schreibt Baum ein Oz-Abenteuer nach dem anderen. Nicht ganz freiwillig. Handeln die Bücher nicht von seinem Wunderland, verweigern ihm die Leser die Gefolgschaft. Zudem geht er mit einer Oz-Show inklusive Trickfilmen, Musik und Vortrag genauso baden wie als Chef einer Filmfirma. So bleiben Baum nicht viele Möglichkeiten. Zur Freude seiner Anhänger. 

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. Mai 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2019, 11:50 Uhr

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