Manfred Krug als Max Brink
Manfred Krug als Max im DEFA-Film "Das Versteck" von 1978 Bildrechte: MDR/PROGRESS Film-Verleih/Waltraut Pathenheimer, Günter Sahr

40 Jahre "Das Versteck" Warum Manfred Krugs letzter DEFA-Film im Giftschrank landete

Der DEFA-Regisseur Frank Beyer hat mit seinen Filmen in der DDR unliebsame Erfahrungen sammeln müssen: "Spur der Steine" und "Geschlossene Gesellschaft" endeten im Giftschrank. Auch "Das Versteck" von 1978 wurde verboten. Denn im Zuge der Ausbürgerung Wolf Biermanns wollte der Hauptdarsteller Manfred Krug die DDR verlassen.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Manfred Krug als Max Brink
Manfred Krug als Max im DEFA-Film "Das Versteck" von 1978 Bildrechte: MDR/PROGRESS Film-Verleih/Waltraut Pathenheimer, Günter Sahr

Ein Mann wird von der Polizei gesucht. Deshalb taucht er unter. In der Wohnung seiner Ex. Allerdings: Das ganze ist ein Trick. Die Polizei jagt Max nicht. Der versucht nur, auf diese Tour wieder an die Verflossene heranzukommen und die gescheiterte Beziehung wiederzuerwecken: Max will Wanda zurück. Obwohl ihm die Gründe für die Scheidung durchaus noch in Erinnerung sind. Genau wie ihr. "Das Versteck" von 1978 sei eine Komödie, sagt Regisseur Frank Beyer. Eine Beziehungsgeschichte, aber doch nicht nur. "Gleichgültigkeit und Anpassung und Feigheit und man könnte noch mehr aufzählen, sind Dinge, die ja nicht nur im Leben zwischen Mann und Frau eine Rolle spielen" sagt Beyer über seinen Film.

Im Klima der Biermann-Ausbürgerung

Jutta Hoffmann und Manfred Krug in "Das Versteck"
Jutta Hoffmann und Manfred Krug in "Das Versteck" Bildrechte: MDR/PROGRESS Film-Verleih/Waltraut Pathenheimer, Günter Sahr

Im Sommer 1976 steht das von Jurek Becker verfasste Drehbuch für "Das Versteck", und die Dreharbeiten können beginnen. Jutta Hoffmann spielt die Wanda, Manfred Krug den Max. Dann aber kommt der November und die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR. Frank Beyer, Jurek Becker, Jutta Hoffmann, Manfred Krug, alle vier protestieren und unterschreiben die Petition gegen die Ausbürgerung. Alle vier werden für ihre Haltung von oben abgestraft. Krug erhält keine neuen Jobs, in seinen Konzerten tummeln sich Stasi-Spitzel.

Was aber viel schwerwiegender war und was mich mehr genervt hat, war eine Welle von hässlichen Gerüchten über mich und auch von Verleumdungen über mich.

Manfred Krug

Unter diesen Umständen reift in Krug der Entschluss, in den Westen zu gehen. Für das inzwischen fertige "Versteck" natürlich ein Problem:

Wir gehen hin, Frank Beyer, der Regisseur und ich, gehen hin und sagen, Manfred bleib noch, bis 'Versteck' raus ist, weil wenn du jetzt gehst, dann verbuddeln die den. Und Krug sagt, ja, ich bleibe, und irgendjemand, ein Westfreund, weiß der Teufel wer, meldet im Westen, Krug verlässt die DDR und daraufhin sagen die Oberen in der DDR, der Film wird versteckt.

Jutta Hoffmann

Nur zwei Wochen im Kino

Die Ehe von Max (Manfred Krug) und Wanda (Jutta Hoffmann) ist an seinem Egoismus und ihrem gemeinsam nicht bewältigten Alltag gescheitert. Nach einem Jahr der Trennung treibt Max die Sehnsucht wieder zu ihr. Er belügt sie, um in ihrer Nähe zu sein.
Szene aus dem Film "Das Versteck" Bildrechte: MDR/Drefa

Schließlich gelangt "Das Versteck" am 6. November 1978 doch noch in die Kinos. Aber wie? Mit gerade fünf Kopien, ohne Werbung, nahezu ohne begleitende Kritiken in den Zeitungen. 14 Tage darf der Film im Berliner Kino Colosseum laufen, woanders noch weniger. Als die Besprechung im "Filmspiegel" erscheint, ist "Das Versteck" bereits nirgendwo mehr zu sehen.   

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. November 2018 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. November 2018, 04:00 Uhr

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