Manfred Manne Uhlig, ein Leipziger Original sitzt an seinem heimischen Schreibtisch an der Schreibmaschine.
Manfred Manne Uhlig, ein Leipziger Original sitzt an seinem heimischen Schreibtisch an der Schreibmaschine Bildrechte: i

Nachruf Manfred Uhlig war ein Meister des verbindlichen Spottes

1956 kassierte er mit dem Kabarett-Programm "Rührt Euch!" in der Leipziger Pfeffermühle ein Verbot. Dann wurde er ein Star in der DDR-Unterhaltungsshow "Ein Kessel Buntes". Und schließlich entdeckte er seine Liebe zum Radio und wurde mit der Sendung "Alte Liebe rostet nicht" zur Legende. Am 24. Juli starb Manfred Uhlig im Alter von 91 Jahren. Kabarett-Experte Harald Pfeifer mit einer Würdigung.

Manfred Manne Uhlig, ein Leipziger Original sitzt an seinem heimischen Schreibtisch an der Schreibmaschine.
Manfred Manne Uhlig, ein Leipziger Original sitzt an seinem heimischen Schreibtisch an der Schreibmaschine Bildrechte: i

Geboren wurde der populäre Sachse in Leipzig, an der Helmholtzschule machte er sein Notabitur, weil er dann als Flakhelfer Dienst tun sollte, an der Stelle, wo heute die Red Bull-Arena steht. In Leipzig studierte er auch Schauspiel. Danach gab es kurze Abstecher an die Theater von Wittenberg, Greifswald und Schwerin, aber dann zog es ihn in seine Heimatstadt zurück. 1956 nahm er ein Engagement bei der Leipziger Pfeffermühle an. Und gleich das erste Programm ist ihm unvergesslich geblieben.

Doch der Erfolg war trügerisch. Überhaupt kam das DDR-Kabarett immer dann in arge Not, wenn gerade eine "besondere Lage" herrschte. Und die herrschte im Staat der Arbeiter und Bauern immer, und dann war aller Spaß vorbei. Und 1956 beim Aufstand in Ungarn konnten die Genossen gleich gar nicht mehr lachen. Und das ließen sie auch das Kabarett spüren. Das Programm "Rührt Euch!" wurde verboten, das nachfolgende hieß vielsagend "Scherz in Moll".

Kabarettist und Moderator Manfred Uhlig 8 min
Bildrechte: Dirk Kohl/Kabarett Leipziger Pfeffermühle/dpa

Vom Kabarettist zur Radiolegende

Manfred Manne Uhlig, ein Leipziger Original, im Rundfunkstudio des Mitteldeutschen Rundfunks.
Manfred Manne Uhlig, ein Leipziger Original, im Rundfunkstudio des Mitteldeutschen Rundfunks Bildrechte: imago images / PicturePoint

Die für ihn entscheidende Erfahrung machte Manfred Uhlig dann beim Radio. Seine Hochachtung und seine Bewunderung diesem Metier gegenüber waren über die Maßen groß. So etwas wollte er auch können. Schreiben, sprechen, Illusion erzeugen oder überhaupt mit dem "Geheimnis Radio" umgehen. Und so wurde der Leipziger über die Jahre eine Radiolegende.

Mit seinem unüberhörbaren Dialekt machte sich Manfred Uhlig dabei unangreifbar. Zum einen war sein Charme damit unwiderstehlich, man konnte ihm einfach nicht böse sein. Zum andern konnte er auch das Subversive dieses Dialekts auf meisterhafte Art nutzen. Klein und Groß brachte er auf Augenhöhe, und im Übrigen machte der Dialekt alles Pathos lächerlich.

"Ein Kessel Buntes" – die sozialistische Unterhaltungsshow

Bald packte den Arbeiter- und Bauernstaat das Unterhaltungsfieber. Und für die Unterhaltung war der quirlige und sympathische Sachse wie geschaffen. Die Fernseh-Angebote aus Berlin hatte er natürlich nicht abgelehnt. Es kam in den 70er-Jahren die Zeit der großen Erfolge, der "drei Dialektiker" (Horst Köbbert, Lutz Stückrath und Manfred Uhlig) und der neuen Unterhaltungsshow sozialistischer Prägung: "Ein Kessel Buntes".

Schon nach einem Jahr bekam der "Kessel" von den SED-Funktionären eine deutliche Reformante. Anlass war die siebente Sendung. Man mochte die Westkünstler im Programm nicht und "Die drei Dialektiker" noch weniger. Dabei waren die, mit heutigen Maßstäben gemessen, denkbar brav. Witz und Spott in der DDR der 70er-Jahre in die Samstag-Abend-Unterhaltung installieren zu wollen, war durchaus tollkühn. Zumal die Protagonisten Horst Köbbert, Lutz Stückrath und Manfred Uhlig dem Kabarett sehr nahe standen. Das musste ein Tanz auf dem Vulkan werden.

Die legendäre Radiosendung "Alte Liebe rostet nicht"

Der Kabarettist und Moderator Manfred Uhlig
Manfred Uhlig während einer Vorstellung aus dem "Pfeffermühlen"-Programm "Rührt Euch!" von 1956 Bildrechte: dpa

An ammenhaften Gesten hat es in der DDR nie gefehlt. Zumal in der Unterhaltung. Bei jeder modischen Pose und jedem Scherz wurde sofort die Glaubensfrage gestellt. Vielleicht war das auch ein Grund dafür, dass Manfred Uhlig trotz aller Fernseherfolge beim Radio blieb und mit der Sendung "Alte Liebe rostet nicht" bei Radio DDR I zur Hörfunklegende wurde. Ein besonderer Moment in der Sendung waren Uhligs Erklärungen für Städtenamen. Zusammen mit Günter Hansel besuchte er Städte und Ortschaften von Sonneberg bis Binz, um vor Ort in einer Unterhaltungssendung Land und Leute mit allen Besonderheiten zu präsentieren. Das geschah ebenso heiter und gelassen wie auch informativ.

"Alte Liebe rostet nicht" gehört zu den Sendungen mit dem längsten Bestand in der deutschen Rundfunkgeschichte. Fast 25 Jahre wurden insgesamt 289 Sendungen ausgestrahlt. Schluss war dann 1992, in einer Zeit, in der reflexartig alles neu gemacht werden musste. Dass er die 300 nicht geschafft hat, war für Uhlig eine unerledigte Sache. Ein runder Abschluss war ihm nicht gegönnt. Sonst aber konnte er über seine "Alte Liebe …" ohne Ende Geschichten erzählen. Und die waren unübertroffen.

Beim Erinnern und Geschichtenerzählen blühte er auf. Da war sofort alles parat, was einen grandiosen Unterhalter ausmacht. Er wusste die Begebenheiten zu drehen und zu wenden, bis sie sich überraschend und heiter, wie gerade erlebt, erzählen ließen. Er konnte im Gespräch staunen, lachen und schimpfen, als sei für ihn überall Bühne.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. Juli 2019 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juli 2019, 12:10 Uhr