Schriftsteller Marcel Beyer zur Corona-Krise: "Man kann das gar nicht negativ genug ausdrücken"

Autor Marcel Beyer
Marcel Beyer wurde in Baden-Württemberg geboren und lebt seit Mitte der 90er-Jahre in Dresden. Bildrechte: dpa

Wie sich Corona auf die Literatur ausgewirkt hat, kann man gar nicht negativ genug ausdrücken. Das sagt der Dresdner Büchnerpreisträger Marcel Beyer bei MDR KULTUR. Erst im kommenden Jahr werde man sehen, für wie viele Schriftsteller und Schriftstellerinnen die Zeit das Aus bedeutet hat. Für sich konnte der Gegenwartsautor allerdings Positives aus der Zeit gewinnen.

Der Literatur geht es schlecht

Der Literatur geht es ganz schlecht, sagt der Dresdner Autor. Die Bücher des Frühjahrs seien untergegangen, die Lesungen sind ausgefallen. Damit falle das Geld weg, mit dem Schriftstellerinnen und Schriftsteller  das nächste Buch finanzieren können.

Wir werden erst im nächsten Jahr merken, wenn Kolleginnen und Kollegen keine neuen Bücher veröffentlichen, dass Corona für die Schluss hieß.

Marcel Beyer

Düstere Zukunft

Außerdem sei das gesamte literarische Leben weggefallen und damit ein großer Bereich des eigenen Lebens. Denn obwohl oft das Bild bestehe, dass Autorinnen und Autoren nur still in ihrer Kammer arbeiten, wären die Lesungen ein wichtiger Austausch. Jede Lesung würde auch Austausch bedeuten zwischen Publikum und Vorlesenden und untereinander. Das könne nicht ersetzt werden durch Fernsehen und Computer.  Der Blick in die Zukunft sei düster, so Beyer.

Von wegen Schreibblockade

Über eine Schreibblockade kann der Büchnerpreisträger nicht klagen - ganz im Gegenteil: "Für mich ging es genau umgekehrt: also es war eine ganz innerliche Zeit eigentlich. Jeder arbeitet so für sich. Das war von der Konzentration her was ganz Tolles. Gewissermaßen ungestört oder unbeeinflusst von außen habe ich ja seit vielen Jahren nicht mehr gearbeitet." Genauer gesagt, seit 30 Jahren. Damals veröffentlichte Beyer seinen ersten Roman. Seitdem ist er fester Bestandteil des literarischen Lebens.

Da will man auch verfolgen, was dort alles passiert. Das war alles weg.

Marcel Beyer

Der Lyriker und Essayist hat zudem an seinen Mitmenschen großen Gefallen gefunden. "In dieser Corona-Zeit habe ich es sehr genossen, dass eine große Disziplin und eine Einsicht in die Notwendigkeit bestehen. Es war so eine Ernsthaftigkeit unter allen, aber zugleich eine große Zugewandtheit, also die Menschen haben sich nicht voneinander abgekehrt, aber sie wussten wie gefährlich es wäre eine gewisse Distanz zu unterschreiten." Das habe etwas Magisches gehabt, so der Schriftsteller.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Juli 2020 | 16:10 Uhr