Margaret Atwood
Die Schrifstellerin Margaret Atwood beeindruckt in allen Genres. Bildrechte: dpa

Porträt Margaret Atwood: Die Grande Dame der anglo-amerikanischen Literatur

Margaret Atwood wurde mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Erst diese Woche ist ihr neues Buch "Aus Neugier und Leidenschaft" erschienen, das ihre interessantesten Essays und Artikel aus fast 50 Jahren literarischen Schaffens erstmals in deutscher Sprache versammelt. Doch der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und ihr neues Buch sind nicht die einzigen Gründe, warum die kanadische Autorin derzeit mehr im Gespräch ist als ohnehin schon.

von Stefan Maelck

Margaret Atwood
Die Schrifstellerin Margaret Atwood beeindruckt in allen Genres. Bildrechte: dpa

Nein, den Literaturnobelpreis hat Margaret Atwood wieder nicht bekommen, obwohl sie schon seit Jahren zu den Favoriten zählt. Schuld daran, so könnte man verkürzt sagen, ist Bob Dylan. Der bekam den Preis im letzten Jahr, und es war zu erwarten, dass die Jury den Preis nicht zwei Jahre in Folge nach Nordamerika schicken wird. Margaret Atwood ist so etwas wie die Grande Dame der anglo-amerikanischen Literatur, die sich bis heute ihren Widerspruchsgeist erhalten hat. Wenn man von allen gemocht wird, dann hat man etwas falsch gemacht, so ihr Credo.

Geboren wurde Atwood in Ottawa, Kanada. Ihre Kindheit verbrachte sie in Ottawa, Quebec und Ontario. Sie studierte in Toronto und Harvard, unterrichtete seit 1964 an verschiedenen Universitäten Literatur, lebte in den USA, Großbritannien, Deutschland, Italien und Frankreich und seit 1992 mit ihrem Mann, dem Dichter Graeme Gibson, wieder in Toronto. 1969 erschien Atwoods erster Roman "Die eßbare Frau", bis dahin war sie vor allem als Dichterin und Kritikerin wahrgenommen worden. Atwood verstand sich immer schon als feministische Autorin, die sich den dystopischen Entwürfen von Aldous Huxley und George Orwell verpflichtet fühlte. In dieser Tradition steht auch Atwoods bis heute erfolgreichster Roman "Bericht einer Magd", im Original "The Handmaid's Tale", der 1985 erschien und weltweit gefeiert wurde.

Du schreibst ja diese Bücher nicht, weil du wünschst, dass diese Dinge passieren. Du denkst, sie könnten passieren, aber besser wäre es, wenn nicht.

Margaret Atwood

Die Geschichte im Amerika der nahen Zukunft erzählt die Story von Desfred, einer der letzten fruchtbaren Frauen, die der Gesellschaft als Gebärmaschine zu dienen hat. Mit diesem Roman über einen totalitären Staat hatte Atwood die Nachfolge ihrer Helden Huxley und Orwell angetreten.

Jedes totalitäre System auf diesem Planeten hatte immer ein großes Interesse an den Reproduktions-Rechten von Frauen.

Margaret Atwood

16 Romane, 11 Prosa-Sammlungen, 36 Gedichtbände und etliche Kinderbücher und Sachbücher gehen auf das Konto von Margaret Atwood. Die Autorin bekam den Booker Preis genau wie den Hammett-Krimipreis und viele andere. Egal, ob im Gewand der Science-Fiction, des Historischen oder Kriminalromans – über die erzählerische Stärke dieser Autorin sind sich Leser und Kritik seit Jahren einig. Ihr Werk ist in über 35 Ländern erschienen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Morgen | 13. Oktober 2017 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2019, 08:44 Uhr