Szenen aus dem Film "Vom Winde verweht" mit Vivan Leigh und Clark Gable
Szenen aus dem Film "Vom Winde verweht" mit Vivan Leigh und Clark Gable Bildrechte: imago/Prod.DB

70. Todestag Margaret Mitchell – Die Frau, die "Vom Winde verweht" erfand

Sie hat Scarlett O'Hara und Rhett Buttler erfunden: Die US-amerikanische Autorin Margaret Mitchell. Ihr Roman "Vom Winde verweht" erschien 1936 – er wurde zum Bestseller und die gleichnahmige Verfilmung mit Clark Gable und Vivien Leigh in den Hauptrollen weltberühmt. Ausgerechnet auf der Straße, die die größte Rolle in ihren Romanen spielt, der Peachtree Street in Atlanta, wurde sie am 16. August 1949 überfahren – das tragische Ende einer großen Schriftsteller-Karriere.

von Thomas Hartmann, MDR KULTUR

Szenen aus dem Film "Vom Winde verweht" mit Vivan Leigh und Clark Gable
Szenen aus dem Film "Vom Winde verweht" mit Vivan Leigh und Clark Gable Bildrechte: imago/Prod.DB

11. August 1949 in Atlanta: Margaret Mitchell und ihr Mann möchten ins Kino. Sie parken das Auto, wollen über die Straße, da rast ein Taxi auf die beiden zu. Der Fahrer – betrunken. "Margaret stürzte los. Übergewichtig und schlecht zu Fuß, wie sie war, kam sie nicht weit. Der Fahrer trat auf die Bremse, aber es war zu spät. Sie hatte sich dem herannahenden Taxi buchstäblich in den Weg geworfen", beschreibt Biograph Darden Asbury Pyron den Unfall. Fünf Tage danach schließt die Autorin von "Vom Winde verweht" die Augen für immer.

Portraitaufnahme einer jungen Frau in Schwarzweiß. 3 min
Bildrechte: imago/ZUMA/Keystone
Portraitaufnahme einer jungen Frau in Schwarzweiß. 3 min
Bildrechte: imago/ZUMA/Keystone

Mehr als zwanzig Jahre zuvor: Wir schreiben das Jahr 1926. In Margaret Mitchell ist ein Entschluss herangereift: Ihre Arbeit als Journalistin empfindet sie als zu oberflächlich, eine Arthritis im linken Fuß setzt ihr arg zu. Sie schmeißt den Job hin – und hat nun Zeit, sehr viel sorgfältiger, gründlicher, schlicht besser zu schreiben, als es ihr die Arbeit bis dato möglich gemacht hat. Sie beginnt den Roman ihres Leben zu schreiben: "Vom Winde verweht". Sie behandelt dies aber wie ein Geheimnis.

Was ich wollte, war, eine alles andere als bewunderungswürdige Frau zu schildern, über die sich wenig Gutes sagen lässt, und zu versuchen, ihren Charakter plausibel zu machen. Es hat mich merkwürdig berührt, dass Miss O'Hara eine Art Nationalheldin geworden ist, und mein Eindruck ist, dass es um die geistige Gesundheit eines Volkes schlecht bestellt sein muss, dass eine solche Frau an ihr Herz drücken möchte.

Margaret Mitchell über ihren Roman "Vom Winde verweht"

Beim Schreiben von großen Zweifeln geplagt

Portraitaufnahme einer jungen Frau in Schwarzweiß.
Margaret Mitchell schrieb die Romanvorlage zum berühmten Film "Vom Winde verweht". Vor 70 Jahren ist sie gestorben. Bildrechte: imago/ZUMA/Keystone

Leicht fällt Margaret Mitchell das Schreiben nicht. Für sie ist es Schwerstarbeit, wie sie selbst sagte: "Eine Nacht nach der anderen habe ich mir um die Ohren geschlagen und was ist dabei herausgekommen? Zwei Seiten. Und dann, nachdem sie fertig waren, habe ich sie so lange überarbeitet, bis nur noch sechs Zeilen davon übrig waren. Dann ging es von vorn los." Bis 1929 ist trotzdem schon viel geschafft. Aber bevor das Buch tatsächlich das Licht der Welt erblickt, verstreichen noch Jahre. Durchsehen, korrigieren, Fakten checken, überarbeiten, hinzu kommt, dass Margaret Mitchell nicht weiß, ob das, was sie aufs Papier bringt etwas taugt – und ob es überhaupt veröffentlicht werden sollte.

Ich weiß natürlich, dass sich die Persönlichkeit eines Autors immer in seinem Buch niederschlägt, egal, wie sehr er dagegen ankämpft. Aber welcher Teil von mir sich jetzt eingeschlichen hat, das weiß ich nicht.

Margaret Mitchell über ihren Roman "Vom Winde verweht"

Die Veröffentlichung von "Vom Winde verweht" ist dann eine Geschichte für sich: Der Lektor Harold Latham kommt auf der Suche nach Autoren nach Atlanta. Ganz gezielt wendet er sich an Margaret Mitchell, ob sie nicht ein Manuskript für ihn habe. Er habe da einen Tipp bekommen. Die Autorin bestreitet das, mehrfach, um schließlich später in sein Hotel zu stürzen und ihm dort einen riesigen Manuskriptstapel in die Hand zu drücken: "Nehmen Sie das verdammte Zeug, bevor ich es mir anders überlege." Schon am nächsten Tag will Margaret Mitchell das "verdammte Zeug" zurück. In ihren Augen ist es wertlos, Latham könne es kaum für misslungener halten als sie selbst. Nur ist die werdende Bestseller-Autorin da an den Falschen geraten. Der Lektor ahnt sehr wohl, welchen Schatz er da in den Händen hält. Bereits ein Jahr nach Veröffentlichung wird Mitchell für ihr Werk mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Szenen aus dem Film "Vom Winde verweht" mit Vivan Leigh und Clark Gable
Szenen aus dem Film "Vom Winde verweht" mit Vivien Leigh (links) Bildrechte: imago/Prod.DB

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kalenderblatt | 16. August 2019 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2019, 04:00 Uhr

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