Fotografie Leipziger Fotografin Margret Hoppe: "Wie man Gebäude baut, so baue ich ein Bild"

Ihre Fotografien zeigen die Architektur der Moderne sowie weniger bekannte Werke der Bauhaus-Schule. Die Bilder sind bewusst unterbelichtet, als Zeichen des Entstehens der Bauwerke im Dunklen, vor dem Lichtschein der internationalen Bauhaus-Würdigung. Und so heißt auch ihre Foto-Serie "Unterbelichtete Moderne". Aktuell fotografiert die Leipzigerin Margret Hoppe die Fenster von Josef Albers im Grassimuseum. Ein Porträt.

von Meinhard Michael, artour-Autor

Die Leipzigerin Fotografin Margret Hoppe widmet sich in ihrer Serie "Unterbelichtete Moderne" den Bauwerken dieser Epoche zu Beginn des 20. Jahrhunderts, beispielsweise dem Bauhaus. Sie lichtet die Gebäude dabei bewusst dunkler ab. Als Grund erläutert Hoppe: "Wenn ein Bild unterbelichtet ist, ist es eigentlich zu dunkel, und in dem Sinne habe ich den Titel für die Arbeit auch gewählt, weil ich Gebäude fotografiert habe, die unterbelichtet sind in dem Sinne, dass sie in der Geschichte des Bauhauses oder der Moderne eigentlich noch im Dunklen standen."

Abgebildet hat sie so beispielsweise Hans Scharouns Wohnhaus für den Unternehmer Fritz Schminke im östlichen Löbau oder die Bauten des Geraer Architekten Thilo Schoder, der parallel zum Bauhaus arbeitete.

Frau steht auf einem Hocker und beugt sich über einen Fotoapparat auf Stativ
Margret Hoppe fotografiert die Fenster von Josef Albers im Leipziger Grassimuseum Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aktuell nimmt Hoppe die Fenster von Josef Albers im Leipziger Grassimuseum in ihre offene Serie auf. Sie sind erst seit wenigen Jahren restauriert und wieder eingesetzt worden. Es ist nicht selbstverständlich berühmt, was von einem Bauhäusler stammt. Der Fotografin geht es aber eigentlich um die Moderne – ob mit oder ohne den Stempel Bauhaus.

Frau
Fotografin Margret Hoppe Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ja, da ist die Frage wieder, was ist das Bauhaus? Ist es nur die Schule, ist es die ganze Zeit? Ist es die Bewegung? Ich glaube, das ist auch total unklar. Und für mich gehört dazu ganz viel dazu. Das ist eine Idee, die Verbindung der Künste – und eine extreme Offenheit für was Neues.

Margret Hoppe, Fotografin

Verborgenes und Verdrängtes

Hoppe spürte auch den schlecht beleumdeten Überresten der Auftragskunst in Gebäuden aus der DDR nach. Sie dokumentierte diese und auch die Orte des eilfertigen Bildersturms. Fotografie wird so zum Zeugnis der vergangenen Zeit und aus einer Welt, die die 1981 geborene Künstlerin gerade noch erlebt hat.

Fernseher in einer Zeitschrift
Eines der Bilder aus der Druckkammer Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So hielt sie auch ein ehemals verschwiegenes Objekt östlich Berlins fest, eine Druckkammer unter Tage, wo die Olympiakader ein unterirdisches Höhentraining absolvierten. Die Fotografin legte ein Archiv solcher verschwundenen Orte an.

Für mich ist es einfach ein Dokument meiner Gegenwart; das zu dokumentieren, was da passiert. Gebäude stehen leer, Gebäude sind verwahrlost, sind ja auch so geisterhafte Zustände. Das festzuhalten, denn Fotografie ist ja dazu da, festzuhalten.

Margret Hoppe, Fotografin

Architektur in ihrer sozialen Dimension

Eine jüngere Serie widmet sich der utopischen Moderne des Architekten Le Corbusier. Hoppe zeigt auch die soziale Dimension. Die Spannung zwischen Idealentwurf und sozialer Realität ist bei ihr erlebbar. Die Baugestalt bleibt dabei unklar, die Fotografie wird mehr Ornament als Dokument. Ist das nicht eigentlich abstrakte Lichtmalerei? Hoppe meint dazu: "Es ist natürlich Architekturfotografie, weil, ohne die Architektur gäbe es das Foto nicht. Aber es ist natürlich auch etwas anderes, weil es nicht nur die Architektur abbildet. Ich sage immer, dass ich die Bilder baue, dass es bei mir stark um Komposition geht. Wie man Gebäude baut, so baue ich auch ein Bild."

Der Reiz der analogen Fotografie

Noch heute fotografiert Hoppe analog, mit echtem Film, was vielleicht auch einen Grund in der Vergangenheit hat. So erläutert sie: "Ich hatte schon relativ klein eine Kamera gehabt, eine Praktica. Und mit meinem Bruder, der acht Jahre älter ist, standen wir immer in der Dunkelkammer und haben Fotos entwickelt. Ich bin damit aufgewachsen und das ist tatsächlich was, was ich immer noch liebe, den Geruch von Chemie und das plötzliche Auftauchen des Bildes in der Entwicklerschale."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 15. August 2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2019, 12:06 Uhr

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