Bernhard Vierling: Essenz-Apparatur Nr. 12.3 - Rezeptur - Transformation; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb
Bernhard Vierling: Essenz-Apparatur Nr. 12.3 - Rezeptur - Transformation; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz

Ausstellung "Ich bin ganz von Glas": Chemnitz zeigt Ausstellung mit gläserner Kunst

Das Industriemuseum in Chemnitz zeigt die Werke von 60 Künstlern, die im Wettbewerb um den Marianne-Brandt-Preis angetreten sind. Sie beerben die Bauhaus-Künstlerin mit Werken aus Glas: von einer eigenen Schrift bis zu Likörgläsern.

von Ulrike Thielmann, MDR KULTUR

Bernhard Vierling: Essenz-Apparatur Nr. 12.3 - Rezeptur - Transformation; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb
Bernhard Vierling: Essenz-Apparatur Nr. 12.3 - Rezeptur - Transformation; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz

Eine geheimnisvolle Anordnung von gläsernen Ballons, Apparaturen und Destillationskreisläufen im Zentrum der Schau versinnbildlicht vielleicht am gelungensten, worum es bei jedem Marianne-Brandt-Wettbewerb bislang ging: um Konzentration und Veredlung, um Umwandlung und Weiterentwicklung der Ideen Marianne Brandts. Die Designerin war gebürtige Chemnitzerin und Bauhäuslerin. Sie entwarf Bauhaus-Ikonen wie die silberne Teekanne MT 49.

Die geheimnisvolle Glasapparatur stammt von Bernard Vierling. Darin scheint es zu brodeln. Beigaben wie Kräuter, Bergkristall, Herzschrittmacher und Apollo-Bronze geben der Installation eine poetisch-alchemistische Anwandlung. Philosophisch, experimentell, ja teils spirituell intendiert sind die meisten der 60 in der Ausstellung präsentierten Arbeiten.

Bildergalerie Ausstellung "Ich bin ganz von Glas" im Industriemuseum Chemnitz

Kip Harris: Institut du Monde Arabe; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb
Kip Harris: Institut du Monde Arabe; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz
Kip Harris: Institut du Monde Arabe; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb
Kip Harris: Institut du Monde Arabe; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz
Christin Amann: ordre coulant; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb
Christin Amann: ordre coulant; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz
Yvon Chabrowski, Leipzig: Level, Screen, Swaying; Preisträgerin der Kategorie Versuchsanordnung, 7. Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb
Yvon Chabrowski, Leipzig: Level, Screen, Swaying; Preisträgerin der Kategorie Versuchsanordnung, 7. Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz
Jan Mammey: Bild 7 aus der Serie Und stets variabel währe dieses Neue, 2016; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb
Jan Mammey: Bild 7 aus der Serie Und stets variabel währe dieses Neue, 2016; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz
Bernhard Vierling: Essenz-Apparatur Nr. 12.3 - Rezeptur - Transformation; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb
Bernhard Vierling: Essenz-Apparatur Nr. 12.3 - Rezeptur - Transformation; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz
Claire Wildenhues: The Therapeutic Room; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb
Claire Wildenhues: The Therapeutic Room; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz
Valeska Tullney, Hamburg: AO - Tea Cans; Preisträgerin der Kategorie Produktdesign, 7. Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb
Valeska Tullney, Hamburg: AO - Tea Cans; Preisträgerin der Kategorie Produktdesign, 7. Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz
Anna Holzapfel, Berlin: GLASS + [X] = EXUVIA; Sonderpreis Lumalenscape, 7. Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb
Anna Holzapfel, Berlin: GLASS + [X] = EXUVIA; Sonderpreis Lumalenscape, 7. Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz
Lara Lütke, Weimar: Imperfections; Sonderpreis Neue Schule für Fotografie Berlin, 7. Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb
Lara Lütke, Weimar: Imperfections; Sonderpreis Neue Schule für Fotografie Berlin, 7. Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz
Megumi Jin: ORGAN; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb
Megumi Jin: ORGAN; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz
Michael Lapper: mirbaun; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb
Michael Lapper: mirbaun; Nominierung zum 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz
Stefanie Pluta, Köln: Tape Studies; Preisträgerin der Kategorie Fotografie, 7. Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb
Stefanie Pluta, Köln: Tape Studies; Preisträgerin der Kategorie Fotografie, 7. Internationaler Marianne Brandt Wettbewerb Bildrechte: Industriemuseum Chemnitz
Ausstellung Marianne Brandt Chemnitz "Ich bin ganz von Glas"
Tischlampe der Bauhaus-Künstlerin Marianne Brandt, zwischen 1929 und 1932, Hersteller: Ruppelwerk GmbH Metallwarenfabrik Gotha; Foto: Archiv Industriemuseum Chemnitz, Fotografin Daniela Schleich Bildrechte: Archiv Industriemuseum Chemnitz/Daniela Schleich
Ausstellung Marianne Brandt Chemnitz "Ich bin ganz von Glas"
Kerzenleuchter der Bauhaus-Künstlerin Marianne Brandt, zwischen 1929 bis 1932, Hersteller: Ruppelwerk GmbH Metallwarenfabrik Gotha; Foto: Archiv Industriemuseum Chemnitz Bildrechte: Archiv Industriemuseum Chemnitz
Ausstellung Marianne Brandt Chemnitz "Ich bin ganz von Glas"
Metallkugel mit Karaffe und Likörgläsern der Bauhaus-Künstlerin Marianne Brandt, zwischen 1929 bis 1932, Hersteller: Ruppelwerk GmbH Metallwarenfabrik Gotha; Foto: Archiv Industriemuseum Chemnitz Bildrechte: Archiv Industriemuseum Chemnitz
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Glas als Werkstoff der Moderne

"Ich bin ganz von Glas" äußerte Marianne Brandt einst in einem ihrer Briefe und hatte damit vor allem ihr seelisches Befinden vor Augen. Glas gilt indessen als Werkstoff der Moderne. Am Bauhaus ist es ein Symbol des Fortschritts, wie es in der Schau die Architekturfotografien von Kip Harris zeigen, der an den Gebäuden von Le Corbusier nicht vorbeikam. Der Architekt sah die Architektur als das "großartige Spiel der Massen", die in "Licht zusammengeführt werden".

Die Teekanne der Künstlerin Marianne Brandt steht auf einem Tisch.
Die berühmte Teekanne der Designerin Marianne Brandt. Sie wurde 1893 in Chemnitz geboren. Seit 1999 bemüht sich die Marianne-Brandt-Gesellschaft darum, das internationale Format der Bauhauskünstlerin in der Bauhaus-Saga und in der Stadt festzuschreiben. Bildrechte: dpa

Auch Marilijn van Zadelhoff philosophiert in ihrer Arbeit über Zeit und Transformation, dafür hat sie Glaskugeln über Leinwände gehängt, die langsam Farbe abgeben und so das abstrakte Bild ständig verändern. Ganz praktisch hat Ritchie Riediger indessen den Farbkreis des Bauhauskünstlers Johannes Itten auf die bunte Gestaltung einer alten Textilfärberei mit Glasbausteinen übertragen. Franziska Voigt betreibt in ihrer Arbeit Materialforschung, Johannes Seelemann untersucht die taktile Präsenz von Glas und Stéphane Dupont entwirft gar eine Schrift, inspiriert von den Design-Objekten Marianne Brandts.

Der Schau ist anzumerken, dass man Größeres mit Brandt vorhat, man will mit ihrem bekannten Namen natürlich bei der Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2025 als Pfund wuchern. "Natürlich wird Marianne Brandt auch in diesem Prozess eine ganz gewichtige Rolle spielen", sagt der Leiter des Industriemuseums in Chemnitz, Oliver Brehm. "Wir haben uns auch schon darauf verständigt, dass da in der Aufarbeitung noch viel mehr passieren muss und wahrscheinlich werden da auch viele Überraschungen auf uns warten."

Informationen zur Ausstellung: "Ich bin ganz von Glas"
28. September bis 1. Dezember 2019

Industriemuseum Chemnitz
Ausstellung in Kooperation mit Villa Arte e. V.

Adresse:
Zwickauer Str. 119
09112 Chemnitz

Öffnungszeiten:
dienstags bis freitags 9 bis 17 Uhr
samstags und sonntags 10 bis 17 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. Oktober 2019 | 13:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2019, 15:38 Uhr

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