Eine Frau spielt mit ihrer Tochter auf dem Bett, während ein Fotograf die beiden fotografiert.
Der Kamera werden intime Familieneinblicke gewährt Bildrechte: 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

Filmstart: "3 Tage in Quiberon" Warum Marie Bäumer die perfekte Romy Schneider-Besetzung ist

Es gibt im Leben von Schauspielern Rollen oder Figuren, die scheinen ihnen auf den Leib geschrieben zu sein. Im Falle von Marie Bäumer ist das wohl die Rolle der Romy Schneider. Schon seit Anbeginn ihrer Karriere vor rund zwanzig Jahren wird die Hamburgerin immer wieder mit der Schauspielikone verglichen. Jetzt hat sie sie endlich gespielt - und ist dafür gleich für den Deutschen Filmpreis nominiert worden. Ab dem 12. April läuft "3 Tage in Quiberon" im Kino. Anna Wollner hat Hauptdarstellerin Marie Bäumer für MDR KULTUR getroffen.

Eine Frau spielt mit ihrer Tochter auf dem Bett, während ein Fotograf die beiden fotografiert.
Der Kamera werden intime Familieneinblicke gewährt Bildrechte: 2018 PROKINO Filmverleih GmbH

Marie Bäumer wurde schon oft mit Romy Schneider verglichen, in Frankreich und in Deutschland. Der immer wieder aufkommende Vergleich stört sie nicht im geringsten. Sie sieht es eher positiv.

Das ist so oder so ein Kompliment. Es ist ein bisschen äußerlich - oder vom Spiel her. Und es gibt wirklich Schlimmeres, als mit Romy Schneider verglichen zu werden.

Marie Bäumer zu Vergleichen mit Romy Schneider

In Emily Atefs "3 Tage in Quiberon" spielt Bäumer jetzt die Schauspielikone - und schafft die perfekte Transformation. Dabei ist der Film kein klassisches Biopic, das hätte Bäumer nicht gewollt. Vielmehr überzeugte sie hier das außergewöhnliche Konzept der Verdichtung des Lebens der Schauspielerin auf wenige Tage im Jahr 1981, ein Jahr vor Schneiders frühem Tod 1982.

Filmbilder: "3 Tage in Quiberon"

Eine Frau geht am Strand spazieren.
Marie Bäumer spielt die Schauspiellegende Romy Schneider Bildrechte: Peter Hartwig/ Rohfilm Factory/Prokino
Eine Frau geht am Strand spazieren.
Marie Bäumer spielt die Schauspiellegende Romy Schneider Bildrechte: Peter Hartwig/ Rohfilm Factory/Prokino
EIn Mann fotografiert eine Frau in einer Bar, wobei sie gerade genüsslich an einer Zigarette zieht und dabei in die Kamera schaut.
Manchmal ist Marie Bäumer kaum von der echten Romy Schneider zu unterscheiden. Bildrechte: Peter Hartwig/ Rohfilm Factory/Prokino
Eine Frau und ein Mann gehen an einem Strand spazieren.
Romy Schneider (Marie Bäumer) lässt den Fotografen Robert Lebeck (Charly Hübner) in dem französischen Kurort Quiberon nah an sich heran Bildrechte: 2018 PROKINO Filmverleih GmbH
Ein Mann in weißem Anzug schaut zu einer Person die zum Teil vor der Kamera steht und diese verdeckt.
Michael Jürgs (Robert Gwisdek) interviewt Romy Schneider in Quiberon. Bildrechte: 2018 PROKINO Filmverleih GmbH
Eine Frau spielt mit ihrer Tochter auf dem Bett, während ein Fotograf die beiden fotografiert.
Dem Fotografen werden intime Familieneinblicke gewährt. Bildrechte: 2018 PROKINO Filmverleih GmbH
Eine Frau und ein Mann sitzen sich an einem kleinen Tisch mit Lampe gegenüber.
Trotz ihrer Vorbehalte gegenüber der deutschen Presse willigt Romy Schneider (Marie Bäumer) in ein Interview mit dem Stern-Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) ein. Bildrechte: 2018 PROKINO Filmverleih GmbH
Eine Frau liegt auf der Seite in einem Bett und denkt nach.
Romy Schneider (Marie Bäumer) sucht im französischen Kurort Quiberon Ruhe. Bildrechte: 2018 PROKINO Filmverleih GmbH
Zwei Frauen sitzen auf einem Felsen an der Küste.
Ihre beste Freundin Hilde (Birgit Minichmayr, l.)war mit Romy Schneider (Marie Bäumer) nach Quiberon gereist. Bildrechte: 2018 PROKINO Filmverleih GmbH
Michael Jürgs (Robert Gwisdek, hinten) beobachtet Romy Schneider (Marie Bäumer) während ihres Gesprächs mit einem unbekannten Poeten (Denis Lavant).
Michael Jürgs (hinten) beobachtet Romy Schneider während eines Gespräches mit einem unbekannten
Poeten (Denis Lavant).
Bildrechte: 2018 PROKINO Filmverleih GmbH
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Erzählt wird in atmosphärisch dichten Schwarz-Weiß-Bildern vom Entstehungsprozess des berühmten Stern-Interviews von Michael Jürgs und den Porträtfotos von Robert Lebeck. Handlungsort ist ein Hotel in Quiberon in der Bretagne, wo sich Romy Schneider, ihre Freundin Hilde und die beiden Journalisten aufhalten.

Als Schauspielerin eine Schauspielikone zu interpretieren, damit kann man nur gegen die Wand fahren, weil man den ursprünglichen Star da sehen will. Also mir geht es zumindest so.

Marie Bäumer über die Schwierigkeiten der schauspielerischen Interpretation

Trotz der optischen Ähnlichkeiten zwischen Romy Schneider und Marie Bäumer war es der Schauspielerin wichtig, die Schneider nicht zu nah an sich heranzulassen. Sie wollte sich der Schauspielerin aus der Distanz nähern. Äußerlichkeiten sollten in der Vorbereitung nur als "ein paar feine Striche wie eine kleine Zeichnung" gesetzt werden. Ebenso die Sprache der Diva.

Marie Bäumer
Marie Bäumer Bildrechte: dpa

Da habe ich mir Interviews angeguckt mit ihr. Da gibt es zum Glück ganz tolle Sachen. Das macht Spaß, dass es eigentlich in den Imitationsbereich reingeht. So wie ein Kind, das sich eine Salatschüssel auf den Kopf packt und den Kochlöffel an Gürtel und sagt 'Ich bin Robin Hood'.

Marie Bäumer

Nahezu perfekte Projektion

Bäumer geht auf als Romy Schneider, ihr gelingt die nahezu perfekte Projektion: das Rauchen, das nervöse Lippenlecken, der Blick. Im restlichen Spiel ist sie frei geblieben, interpretiert viel mehr, als einfach nur zu kopieren. Und doch war es eine Umstellung ihrer normalen Arbeitsweise.

Als Schauspielerin ist Bäumer mit Brecht erzogen worden. Für sie heißt das: "ich gehe auf meine Figur zu und kann mich dieser Figur leihen - und am Ende des Arbeitstages gehe ich wieder raus und komme zu mir zurück." Beim Dreh von "3 Tage in Quiberon" war das jedoch fast nicht möglich, denn das Pensum war immens.

Wir haben ja Plan-Sequenzen gedreht: 15 Minuten, und die musste ich durchspielen. Die ganzen Interviews habe ich immer in einem durchgespielt.

Marie Bäumer über die Drehbelastung

Emotional Herausfordernd

EIn Mann fotografiert eine Frau in einer Bar, wobei sie gerade genüsslich an einer Zigarette zieht und dabei in die Kamera schaut.
Marie Bäumer spielt Romy Schneider Bildrechte: Peter Hartwig/ Rohfilm Factory/Prokino

Das Durchspielen langer Filmteile mit den vorhandenen emotionalen Amplituden stellte Bäumer vor besondere Herausforderungen. Sie spielt die Höhen und Tiefen der Schauspielikone komprimiert an drei Tagen, zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Mit viel Verständnis für das Seelenleben ihrer Figur.

Dabei sind ihre Erfahrung als Schauspielerin ganz andere als die von Romy. Während die Schneider schon mit 15 Jahren gemeinsam mit ihrer Mutter vor der Filmkamera stand, ist Bäumer erst mit Anfang 20 in den Beruf quasi hereingewachsen. Sie hat sich ihr Leben langsamer aufgebaut und stand nicht, wie Romy, von Kindheit an im Fokus der Öffentlichkeit.

Das heißt diese Pyramide, die du dir im besten Falle so baust langsam, die stand bei ihr ganz früh schon auf der Spitze. Und dann braucht es nur von außen irgendwo rechts oder links einen Anstoß und dann kippt das ganze Ding.

Marie Bäumer über den fragilen Lebensweg von Romy Schneider
Filmszene aus '3 Tage in Quiberon'.
Bildrechte: PROKINO Filmverleih GmbH

Der Film beleuchtet das Leben von Romy Schneider anhand eines dreitägigen Interviews in dem Kurort Quiberon. Die Hauptrolle spielt Marie Bäumer.

Mo 09.04.2018 14:12Uhr 01:43 min

https://www.mdr.de/kultur/trailer-drei-tage-in-quiberon-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Genre: Biografie, Drama
Regie: Emily Atef
Darsteller: Marie Bäumer, Robert Gwisdek, Charly Hübner
Im deutschen Kino ab: 12. April 2018
Produktionsland: Deutschland, Österreich, Frankreich

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. April 2018 | 07:40 Uhr