Markus Lüpertz
Markus Lüpertz 2019 Bildrechte: dpa

Sorge um Kunstwerke Kiefer, Lüpertz, Graf: Kunst in China verschollen

Über 300 Werke der deutschen Künstler Anselm Kiefer, Markus Lüpertz und Renate Graf sind in China verschollen, Kunst im Wert von rund 300 Millionen Euro. Nach Ausstellungen in Städten wie Peking, Schanghai und Wuhan wurden die Werke nicht zurückgeführt. Jetzt ist Lüpertz nach Peking gereist, um den Verbleib seine Arbeiten aufzuklären.

von Axel Dorloff, ARD-Korrespondent in Peking

Markus Lüpertz
Markus Lüpertz 2019 Bildrechte: dpa

Es geht um deutsche Kunst im Wert von rund 300 Millionen Euro: Insgesamt 342 Werke von Anselm Kiefer, Markus Lüpertz und Renate Graf sind in China verschollen. Lüpertz ist bereits nach Peking gereist, um Licht ins Dunkle zu bringen.

Ich mach mir echte Sorgen um die Arbeiten! Weil es eben wichtige Arbeiten sind. Das ist fast ein Lebenswerk, wenn sie so wollen. Es sind aus jeder Epoche wichtige Werke und beim Anselm Kiefer ist es genauso.

Markus Lüpertz, Künstler

Komplizierter Weg nach China

Die Kunstwerke wurden in verschiedenen chinesischen Städten gezeigt, etwa in Peking, Schanghai und Wuhan. Ihr Weg dorthin ist kompliziert. Eigentlich gehören die Werke Maria Chen-Tu, einer deutschen Sammlerin mit taiwanesischen Wurzeln. Aus ihrer Sammlung hat sie 342 Stücke an einen chinesischen Geschäftsmann mit Namen Ma Yue verliehen. Er sollte dafür sorgen, dass die Kunstwerke in China gezeigt werden, was anfangs auch funktionierte. Aber mittlerweile ist die Firma von Ma Yue in Hamburg pleite – und die Werke sind verschwunden. Markus Lüpertz ist empört.

Wenn so Sachen unkontrolliert plötzlich verschleudert werden, das ist absurd! Vornehmlich das Hauptproblem ist, dass wir nicht wissen, wo die Arbeiten sind und nicht wissen, wie sie gelagert sind und ob sie auch den nötigen Schutz und Pflege haben.

Markus Lüpertz

Die Sammlerin Chen-Tu erklärt, sie habe Ma Yue darum gebeten, die verliehenen Bilder zurück nach Hongkong zu bringen – erfolglos: "Dieser Bitte kam er nicht nach, ich hatte ihm mehrere Fristen gesetzt. Er hat die Fristsetzung immer wieder ignoriert." Am 3. Juli 2019 habe sie in Peking Strafanzeige wegen Betruges gestellt, seitdem jedoch keine Nachricht von der Behörde erhalten.

Vorwürfe und Gegenvorwürfe

Seither sind die Kunstwerke verschollen. Maria Chen-Tu und Markus Lüpertz sehen die Schuld daran bei Ma Yue. Dieser beruft sich wiederum auf einen mündlich abgeschlossenen Vertrag, der für zehn Jahre gelte.

Erstens haben wir das Recht, die Kunstwerke auszustellen, zu präsentieren und den Verkauf dieser Arbeiten anzubieten. Wir haben in diese Ausstellungen investiert, damit Sammler und interessierte Käufer auf die Kunstwerke aufmerksam werden. Aber Frau Chen-Tu bricht jetzt Vereinbarungen, weil sie das kommerzielle Ziel hat, selbst diese Kunstwerke zu verkaufen.

Ma Yue, Geschäftsmann

Rätselhafte Akteure

Von den Vorwürfen und Gegenvorwürfen zeigt sich Markus Lüpertz genervt: "Ich weiß ja nicht, wie die Rechtslage ist. Frau Tu ist die Eigentümerin, aber da sie die ja quasi freiwillig übergeben hat, ist offensichtlich der andere der Besitzer. Und das ist eben das Problem." Seine Sorge gelte den Kunstwerken.

Es muss doch möglich sein, dass man feststellt, ihn zwingt zu sagen: Wo sind die Arbeiten? Dass die betrachtet werden. Man kann nichts in Haft nehmen, in keinem Land der Welt. Und das ist eben, dass diese Art der Methode einfach kriminell ist – in meinen Augen. Und dass er damit so durchkommt! Ich meine, dass geistige Eigentum bin immer noch ich. Die kann man doch nicht einfach verstecken und ich weiß nicht, wo die sind – das ist absurd.

Markus Lüpertz

Der Fall bleibt undurchsichtig. Ein Teil der Werke soll sich derweil in Hongkong befinden – sicher ist das jedoch nicht.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. November 2019 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 13:01 Uhr

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