Lettland, Liepāja. Bunker auf einem sowjetischen Marinestützpunkt in der Ostsee; 2002
Martin Roemers: Lettland, Liepāja. Bunker auf einem sowjetischen Marinestützpunkt in der Ostsee; 2002 Bildrechte: Zeitgeschichtliches Forum/Martin Roemers

"Spuren des Kalten Krieges" in Leipzig Martin Roemers fotografiert verfallende Bunker und Atomraketensilos

Der niederländische Fotograf Martin Roemers rückt Motive in den Fokus, die dem Verfall unterworfen sind. Im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig gibt es seit dem 1. Februar "Spuren des Kalten Krieges" zu sehen, Bunker in der Ostsee, verrostende Sowjetische Panzer auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz oder Atomraketensilos.

von Dennis Wagner, MDR KULTUR

Lettland, Liepāja. Bunker auf einem sowjetischen Marinestützpunkt in der Ostsee; 2002
Martin Roemers: Lettland, Liepāja. Bunker auf einem sowjetischen Marinestützpunkt in der Ostsee; 2002 Bildrechte: Zeitgeschichtliches Forum/Martin Roemers

Fotografien von Martin Roemers gibt es bis zum 30. Juni in der Ausstellung "Streng geheim - Spuren das Kalten Krieges" im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen. Vom Ende einer Ära wollte Martin Roemers erzählen. Letztendlich brauchte er zwölf Jahre, um die letzten Schatten des Kalten Krieges kurz vor ihrem Verschwinden abzulichten. Vieles von dem, was nun in Leipzig zu sehen ist, ist inzwischen wirklich fort, demontiert von Schrottsammlern, eingefallen, es ist Gras darüber gewachsen. Manches hingegen steht nach wie vor. Zeit spielt in Römers Bildern eine wesentliche Rolle. Die Aufnahme eines Bunkers in der litauischen Ostsee belichtete er für 20 Minuten, so dass die Wellen zu einem geisterhaften Teppich verschwimmen.

Ein Niederländer erblickt den Osten

Roemers ist im Kalten Krieg in den Niederlanden aufgewachsen. Der Ost-West-Konflikt war allgegenwärtig. Doch dann fiel die Mauer. Dies gab Roemers die Chance, sich im Osten Deutschlands, der damals noch DDR war, umzusehen.

Deutschland, Altengrabow. Panzer auf einem ehemaligen Sowjetischen Truppenübungsplatz in Sachsen-Anhalt; 2004
Martin Roemers: Deutschland, Altengrabow. Panzer auf einem ehemaligen Sowjetischen Truppenübungsplatz in Sachsen-Anhalt; 2004 Bildrechte: Zeitgeschichtliches Forum/Martin Roemers

Ich war noch Student, als die Berliner Mauer fiel. Viele Fotografen stürzten sofort nach Berlin, um natürlich die Mauer zu fotografieren. Mich allerdings interessierte vielmehr die industrielle Kultur der DDR.

Martin Roemers, Fotograf

Roemers fuhr nach Zwickau, zum Sachsenring-Werk. Bei seinem zweiten Besuch war bereits klar, dass die Produktion des Trabi eingestellt werden würde. Die daraus entstandene Fotoserie machte Roemers in seiner Heimat sofort berühmt. Er wollte die Serie dann auch dort zeigen, wo er sie aufgenommen hatte: In Ostdeutschland. Doch daraus wurde nichts.

Der niederländische Fotograf Martin Roemers posiert am 03.03.2016 in Berlin im Deutschen Historischen Museum.
Martin Roemers Bildrechte: dpa

Ich fuhr mit den Fotos zur Leipziger Buchmesse, um eine Ausstellung im Osten zu organisieren. Aber es war absolut niemand an den Bildern interessiert. Trabant - so hieß es - wäre alter Krempel aus der Vergangenheit, der niemanden mehr interessiert. Das hat mich ziemlich verwirrt, denn in den Niederlanden war dieses Projekt unglaublich populär.

Martin Roemers, Fotograf

Später ging die Serie um die ganze Welt. Gerade hat auch das Deutsche Historische Museum in Berlin die Serie als ein ganz besonderes Zeitdokument angekauft. Auch hier sieht man das Ende einer Ära, die heute, kaum 30 Jahre später, fast unwirklich scheint. Im letzten Bild von Roemers Serie sieht man hinten schon die Zukunft: Einen Güterzug voller Volkswagen.

Das wirkt wie aus einer anderen Zeit. Es war auch eine andere Zeit.

Carola Jüllig, Sammlungsleiterin Bildarchiv am Deutschen Historischen Museum Berlin

Polen, Brzeźnica. Unterstand für sowjetische SS-1Mittelstreckenraketen; 2005
Martin Roemers: Polen, Brzeźnica. Unterstand für sowjetische SS-1Mittelstreckenraketen; 2005 Bildrechte: Zeitgeschichtliches Forum/Martin Roemers

Geschichte bleibt nicht stehen

Auch wenn ein von Roemers fotografiertes polnisches Atomraketensilo leer ist - Atomraketen gibt es noch immer. Nur kann man sie nicht besichtigen. Auch wenn der Munitionsschrott längst geräumt und eingeschmolzen ist, viele der Bunker stehen bis heute. Einsatzbereit.

Die Bilder sind hochaktuell. Selbst wenn sie Bilder sind, die uns an eine Vergangenheit erinnern. Aber diese Vergangenheit ist nicht vergangen, sondern das, was wir hier sehen, lebt eigentlich fort in anderer Form.

Jürgen Reiche, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

Roemers Bilder mit den gespenstischen Kulissen sind nicht allein Dokumente einer abgeschlossenen Ära. Ihre Bedeutung bekommen sie erst durch den Blick aus dem Heute. Was wir sehen, sind Misstrauen und Angst. Und das klingt alles andere, als abgeschlossen.

Die Ausstellung "Streng geheim - Spuren das Kalten Krieges. Fotografien von Martin Roemers"
Wechselausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

1. Februar - 30. Juni 2019

Öffnungszeiten:
Di-Fr, 9–18 Uhr
Sa/So 10-18 Uhr

Eintritt frei

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 31. Januar 2019 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2019, 14:35 Uhr

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