Masha Gessen
Die russisch-amerikanische Journalistin und Autorin Masha Gessen. Bildrechte: Tanya Sazansky

"Die Zukunft ist Geschichte" Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung für Masha Gessen

Masha Gessen
Die russisch-amerikanische Journalistin und Autorin Masha Gessen. Bildrechte: Tanya Sazansky

Zum Auftakt der Leipziger Buchmesse hat die russisch-amerikanische Journalistin und Autorin Masha Gessen am Mittwochabend den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhalten. Ausgezeichnet wurde sie ihr Buch "Die Zukunft ist Geschichte. Wie Russland die Freiheit gewann und wieder verlor".

"Gessens Werk schärft Blick für die Angriffe auf unsere Demokratie"

Das von Gessen selbst als "umfangreicher faktografischer russischer Roman" bezeichnete Werk erzählt die Geschichte von vier jungen Menschen in Russland, die an der Unfreiheit der Politik Putins leiden und deren Lebenswege daran zu zerbrechen drohen. In der Begründung der Jury für die Wahl heißt es, Gessen begegne uns in schwierigen Zeiten mit Hingabe, Dringlichkeit und kraftvoll engagierter Intelligenz. Gessens Hinweis auf das Fehlen von demokratischen Instrumentarien in der postsowjetischen Gesellschaft schärfe unseren Blick für die Erosionen unserer eigenen demokratischen Institutionen. Da die beständigen Angriffe auf Bürger- und Menschenrechte auch in westlichen Ländern zu verzeichnen seien, spreche "Die Zukunft ist Geschichte" auch direkt zu uns, so die Jury weiter.

'Die Zukunft ist Geschichte' – wem wäre in den letzten Jahren nicht nur auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion, nein, auch in Ferguson, Charlottesville, Washington, in Rom, Wien, Budapest, Warschau, Dortmund, Chemnitz und auch bei mancher Übertragung aus dem Bundestag nicht dieser Gedanke gekommen.

aus der Jurybegründung

"Große soziologische Erzählung"

Als eine "große soziologische Erzählung des Russlands im 20. und 21. Jahrhundert" bezeichnet der Autor und Kritiker Hans von Trotha das Buch im MDR-KULTUR-Interview:

Sehr plastisch, sehr bildhaft, sehr konkret, aber auch sehr traurig, weil es mit einer großen Hoffnung anfängt, die aber immer auf  die nächste Genration übertragen wird. Im Moment hat diese Bürde ein sehr junge Genration: die unter Putin-Geborenen.

Kritiker Hans von Trotha

Es sei gut, dass sie diesen Preis bekomme, "weil sie uns auf ganz eigentümliche, schriftellerische Art als auch als Forscherin die Augen öffnet und Einblicke gibt".

Über Masha Gessen

Masha Gessen wurde 1967 in Moskau geboren und zog mit ihrer jüdischen Familie 1981 in die USA. 1994 kehrte sie nach Russland zurück und arbeitet dort als Kolumnistin und Autorin für verschiedene Zeitschriften. Unter anderem schrieb sie Biografien über Wladimir Putin und die regierungskritische Punk-Band Pussy Riot.

Aufgrund ihres Engagements in der Lesben- und Schwulenbewegung und der zunehmenden Repression gegen Homosexuelle in Russland zog sie 2013 wieder in die USA. Dort erhielt den schwedischen Tucholsky-Preis für Schriftsteller, die im eigenen Land verfolgt oder bedroht werden und daher im Exil leben müssen.

Über den Preis

Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird am 20. März 2019 im Rahmen der Eröffnung der Leipziger Buchmesse im Gewandhaus Leipzig vergeben. Er wird seit 1994 vergeben und zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. In den vergangenen Jahren wurden Åsne Seierstad (2018 für "Einer von uns"), Mathias Énard (2017 für "Kompass") und Heinrich August Winkler (2016 für "Geschichte des Westens") geehrt.

Angaben zum Buch Masha Gessen: "Die Zukunft ist Geschichte - Wie Russland die Freiheit gewann und verlor"
Aus dem Englischen von Anselm Bühling

Erschienen im Suhrkamp Verlag
640 Seiten, 26 Euro
ISBN: 978-3-518-42842-9

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt | 22. November 2018 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2018, 11:53 Uhr